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Serie: Unterwegs auf der Balkantrasse
Mutig gegen die Einbahnstraße

Serie: Unterwegs auf der Balkantrasse: Mutig gegen die Einbahnstraße
Herausforderung Telegrafenstraße: Radfahrer dürfen und müssen die Straßen entgegen der Einbahn-Richtung befahren. Wenn ihnen Autos den Weg versperren, die verbotenerweise auf der linken Seite parken, wird's eng. FOTO: dörner
Remscheid. In Wermelskirchen verlässt der Panoramaradweg die ehemalige Bahntrasse. Die Radfahrer müssen quer durch die Innenstadt. Immer wieder verfahren sich Ortsfremde, weil sie die provisorischen Hinweisschilder übersehen. Dafür versöhnt die Innenstadt mit vielen Cafés. Von Kristina Hellwig und Udo Teifel

Remscheid/Wermelskirchen In Wermelskirchen ist der Spaß vorbei. Während der erste Abschnitt des Radwegs Balkantrasse von Lennep nach Wermelskirchen pures Vergnügen für Radler, Skater und Spaziergänger verspricht, verlangt die Fahrt auf dem zweiten Abschnitt durch die Wermelskirchener Innenstadt höchste Aufmerksamkeit von den Radfahrern.

Denn der Radweg führt dort nicht mehr über die ehemalige Bahntrasse – die Wermelskirchener haben 2006 darauf ihre Umgehungsstraße gebaut. Ein Radweg wurde damals nicht eingeplant. Und so verlassen die Radler an der Berliner Straße die Trasse und müssen sich durch die Innenstadt schlagen, um am Ende der Grünestraße neben der Bundesstraße 51 wieder auf den Radweg Balkantrasse zu gelangen.

Hauptprobleme sind die schlechte, immer noch provisorische Beschilderung und die Verkehrsführung auf der Telegrafenstraße im Herzen der Stadt.

Schilder noch provisorisch

Die Beschilderung besteht aus seitengroßen laminierten Pappschildern mit dem Logo des Panoramaradwegs Balkantrasse: ein weinrotes Rechteck, im unteren Bereich von einer dicken weißen Linie durchzogen. Diese Wegweiser hängen an Laternenmasten und Straßenschildern und sind leicht zu übersehen.

Wer aus Richtung Lennep kommt fährt die Berliner Straße entlang, biegt rechts in die Pfarr- und dann links in die Thomas-Mann-Straße ein. Ab dann geht es quasi immer geradeaus über Telegrafenstraße, Eich, Schwanen und Grüne Straße (hier darf der Radler rollen lassen!) zum Wiedereinstieg in die Trasse. An einigen Stellen ist ein Radweg ausgewiesen, am Schwanen entsprechend der Einbahnstraßenregelung ein kleiner Umweg nötig.

Die größte Herausforderung hält die Wermelskirchener Innenstadt aber für all diejenigen bereit, die die Trasse von Burscheid nach Lennep befahren. Auch sie führt der Radweg über die Telefgrafenstraße – und die ist seit Jahr und Tag eine Einbahnstraße. Die Radler dürfen die Straße entgegen der Einbahnrichtung benutzen und tun das an trockenen Wochenende auch in Scharen.

Gewöhnt hat sich an diese Situation noch niemand. Die Radfahrer nicht, die in Unkenntnis der Situation auch schon mal die Gehsteige befahren und nicht immer Rücksicht auf die Fußgänger nehmen. Die Fußgänger nicht, die Augen für Räder und Autos haben müssen. Und die Autofahrer nicht, die ungeduldig die Radfahrer anhupen oder gerne mal ihr Auto verbotenerweise auf dem für die Radfahrer vorgesehenen Straßenabschnitt parken.

Das Radfahren auf der Telegrafenstraße hat in den vergangenen Wochen zu heftigen Diskussionen in der Wermelskirchener Politik geführt, die den Versuch des Radelns gegen die Einbahnstraße mehrheitlich für gescheitert erklärte und abschaffen wollte. Weil das aber mit anderen Ratsbeschlüssen kollidiert, bleibt vorerst alles beim Alten. Zurzeit prüft die Bezirksregierung die Situation. Bleibt es dabei, dass Radfahrer die Telegrafenstraße in beide Richtungen befahren dürfen, soll der Radweg besser markiert werden, kündigte Bürgermeister Eric Weik an.

Café ist Trumpf

Mit einem Umstand kann die Wermelskirchener Innenstadt aber alle Leiden der Radler vergessen machen. Nirgendwo an der Trasse ist die Café-Dichte so hoch. Allein an der Telegrafenstraße gibt es zwei Eiscafés, das Stadtcafé und mehrere Bäckereien. Weitere Restaurants und Imbisse sind nah – unter anderem der Abstecher zum Tortenparadies Café Wild.

Der Verein Balkantrasse Leverkusen hat zur Eröffnung der Trasse im April 2012 ein sogenanntes Roadbook herausgegeben, in dem er die Strecke Stück für Stück beschreibt. Ortsfremden kann es helfen, sich diese Fahranleitung für beide Fahrrichtungen auszudrucken.

www.balkantrasse.de/images/stories/Roadbook.web.pdf

Quelle: RP
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