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Remscheid
Nach Anschlägen wächst die Sorge

Remscheid: Nach Anschlägen wächst die Sorge
FOTO: Jürgen Moll
Remscheid. Stadt stellt sich Anwohnerfragen zum Heim an der Pestalozzi-Straße. OB: Zukunft der Schule derzeit nicht klar absehbar. Von Stefanie Bona

Das Informationstreffen, zu dem die Stadt die Anwohner rund um die in der Pestalozzischule eingerichtete Notunterkunft für Flüchtlinge eingeladen hatte, verlief ruhig und sachlich. Im Laufe des Abends kamen rund 40 Bürgerinnen und Bürger, um sich auf den aktuellen Stand der als Landeseinrichtung betriebenen Aufnahmestelle bringen zu lassen.

"Wir wissen, dass wir das Gebäude umbauen müssen. Im Sommer 2017 soll die Schule umziehen", gab Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz als Perspektive für die Dauer des Betriebs als Flüchtlingsunterkunft aus. Bekanntlich ist das Schulgebäude als neuer Standort für die Katholische Grundschule Am Stadion vorgesehen, die dem DOC-Bau weichen muss. Wie lange die Unterkunft in der Leverkuser Straße aufrechterhalten werden muss, sei allerdings nicht abzusehen. Betrachte man die politische Großwetterlage, verbiete sich jede Spekulation.

Hintergrund: Flüchtlinge in Turnhallen

Im Moment ist der Bau mit 41 Menschen nicht voll belegt, was sich aber tagtäglich ändern könne, führte Rechtsdezernentin Barbara Reul-Nocke aus. Was während der Infoveranstaltung zu spüren war, war die Angst, die den Menschen auch im Remscheid nach den Anschlägen von Paris im Nacken sitzt. "Wie steht es um unsere Sicherheit? Gibt es eine erkennungsdienstliche Überprüfung", wollte ein Anwohner der Rotdornallee wissen. Die Dezernentin erläuterte, dass der Gesundheitscheck und eine erste Registrierung vor Ort erfolge und die Flüchtlinge sodann zu einer Registrierungsstelle des Landes nach Herford gefahren würden. Sofern es die Notunterkunft betreffe, blieben die Menschen zwischen zwölf und 14 Tagen in Remscheid, um dann in andere Kommunen weiterverteilt zu werden.

"Die Ankunft ist häufig in der Nacht. Und ob alle, die in Süddeutschland in den Bus gestiegen sind, auch bei uns ankommen, wissen wir nicht", räumte Barbara Reul-Nocke ein. Für die Asylbewerber, die Remscheid dauerhaft zugewiesen werden, stünden sofort integrative Maßnahmen, wie etwa ein Sprachkurs an. Dass viele der Flüchtenden keinerlei Papiere mit sich führten, wunderte die Zuhörer. Dies hänge mit der mitunter überstürzten Flucht aus Kriegsgebieten und mit den unterschiedlichen Modalitäten in den Herkunftsländern zusammen. "In Afghanistan zum Beispiel gibt es nicht ein solches Passwesen wie bei uns", erläuterte die Juristin.

Fotos: Wo Flüchtlinge wohnen können FOTO: dpa, rwe jai

Zum überwiegenden Teil bestätigten die Anlieger, dass bis auf hin und wieder eine Ruhestörung die Nachbarschaft mit der Notaufnahmeeinrichtung reibungslos verliefe. Eine Dame beklagte, dass ihre direkt neben dem Gebäude wohnende Mutter bei einem Anruf bei der Servicehotline mit den Worten "Wir haben jetzt keine Zeit für Sie" abgefertigt worden sei.

Dies müsse abgestellt werden, sagte der OB und versprach, sich darum zu kümmern.

Fotos: Traglufthalle für Flüchtlinge in Düsseldorf aufgebaut FOTO: dpa, fg jai

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Quelle: RP
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