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Mit Professor Herbert Löllgen
Nach dem Zieleinlauf ein alkoholfreies Weizenbier

Mit Professor Herbert Löllgen: Nach dem Zieleinlauf ein alkoholfreies Weizenbier
Auch im Alter ist Professor Loellgen noch ein begeisterter Läufer. FOTO: Jürgen Moll
Remscheid. Der Herzspezialist und Marathonläufer empfiehlt vor dem Start beim Röntgenlauf ein Frühstück mit ausreichend Kohlehydraten.

Herr Professor Löllgen, am Sonntag starten wieder viele Läufer über die Marathonstrecke, manche auch über eine Distanz von 63 Kilometern. Sind solche Läufe nicht schädlich für den menschlichen Körper?

Löllgen Nein, nach dem, was wir heute wissen, ist es nicht schädlich, vorausgesetzt, die /der Betreffende ist ausreichend vorbereitet. Das heißt, sie oder er brauchen eine sportärztliche Vorsorgeuntersuchung - das verlangen wir aus sportärztlichen Sicht - und sie /er haben ausreichend trainiert. Dann dürfte eigentlich nichts passieren.

Laufen kann auch zur Sucht werden. Woran kann man rechtzeitig merken, dass man es mit dem Laufen übertreibt?

Löllgen Wenn man seine üblichen Alltagsaufgaben vernachlässigt und nur noch ans Laufen denkt. Wenn man die Familie vernachlässigt und soziale Kontakte abklingen lässt - dann liegt eine Abhängigkeit vor.

Wie viele Kilometer muss man in der Woche laufen, um nicht mehr zur Gruppe der Jogger zu gehören?

Löllgen Etwa 50 bis 60 Kilometer in der Woche.

Muss man mit einer Pulsuhr trainieren, um ein guter Läufer zu werden, oder reicht es, nach Gefühl zu laufen?

Löllgen In der Regel ist es für den Anfänger besser, mit einer Pulsuhr zu laufen. Dann kann er die Intensität seines Laufens regulieren. Der Erfahrene kommt auch ohne Uhr aus.

Wie misst man überhaupt seinen Maximalpuls am besten?

Löllgen Am besten auf einem Fahrrad-Ergometer, wo man sich erschöpfend belastet. Wenn man das nicht zur Verfügung hat, sollte man kurze Sprints bei höchsten Tempo machen und dann seinen Puls messen mit einer Uhr, 60 Sekunden. So erhält man seinen Maximalpuls.

Bewegung ist das beste Medikament. Dennoch greifen Läufer zu Hilfsmitteln, wie zum Beispiel Vitamintabletten. Ist das sinnvoll?

Löllgen Im Grunde genommen nein. Wir wissen zwar, dass auch die Spitzensportler zu 90 Prozent Nahrungsergänzungsmittel nehmen. Die helfen allenfalls bei den Supersportlern, die 150 bis 200 Kilometer pro Woche laufen. Aber generell muss man sagen: Wer eine ausgewogene Kost mit viel Obst, Gemüse und Salaten isst, hat genügend Substanzen zu sich genommen. Er braucht keine Ergänzungsmittel.

Nach dem Laufen die Muskeln zu dehnen - darüber streiten die Wissenschaftler. Was ist ihre Meinung?

Löllgen Bei allem, was wir heute wissen, kann das Dehnen nach dem Sport zur Entspannung beitragen. Aber es bringt nicht viel. Wenn wir dehnen, sprechen wir von dynamischem Dehnen, also Dehnen mit Bewegung und nicht das statische Anspannen und Entspannen. Vor dem Laufen zu dehnen, ist nicht sinnvoll und birgt Verletzungsgefahr.

Sollte man vor dem Start eines langen Laufes normal frühstücken?

Löllgen Eine Stunde vor dem Start sollte man frühstücken und vermehrt Kohlenhydrate zu sich nehmen. Die sind für die erste Hälfte des Laufs ausgesprochen wichtig.

Ihre beste Zeit beim Marathon?

Löllgen Will ich lieber nicht sagen. Das ist die typische deutsche Frage. Ich bin auch in New York gelaufen. Da fragt man nur: Did you finish? Das ist für mich das Entscheidende. Die Zeit spielt nicht so eine große Rolle. Ich war von Hause aus ein Sprinter. Ich kenne meine Muskelfaserzusammensetzung, und habe daher etwas Schwierigkeiten auf der Langstecke. Trotzdem bin ich schon zehn Mal Marathon gelaufen.

Gratuliere. Was ist das beste Getränk, um das Finish zu feiern?

Löllgen Das beste Getränk ist ein alkoholfreies Weizenbier. Alkohol wirkt nach dem Flüssigkeitsverlust durchs Laufen so stark, da kommt man dann kaum noch nach Hause. Wichtig ist, dass man nach dem Lauf wärmende Kleidung anzieht, sonst kann es leicht passieren, dass man sich bei den Temperaturen im Herbst unterkühlt.

CHRISTIAN PEISELER FÜHRTE DAS GESPRÄCH

Quelle: RP
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