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Remscheid
Naturschutzbeiräte sorgen sich um Insektenbestand

Remscheid. Ein massiver Rückgang der Insektenpopulation bereitet Experten und Wissenschaftlern große Sorge. Betroffen sind vor allem Wild- und Honigbienen, Hummeln und Schmetterlinge. Anzahl und Artenvielfalt von Insekten hat sich seit 1982 um bis zu 80 Prozent verringert. "Insektensterben ist ein Problem auch bei uns in Remscheid, dass man durch gute Grundkonzepte in den Griff bekommen muss," sagt Gabriele Lipka, Vorsitzende des Naturschutzbeirates Remscheid. Der Naturschutzbeirat im benachbarten Oberberg hat das Thema jetzt aufgegriffen. In einer Pressemitteilung mit der Überschrift "Damit es wieder summt!" appelliert das Gremium an alle naturverbundenen Menschen, sich mit dem Problem auseinander zu setzen und gemeinsam Lösungsvorschläge zu finden. Von Elena Erbrich und Laura Geuss

Insektenspezialist Dr. Martin Sog erforscht das Insektensterben im Freilichtmuseum Lindlar. Einfluss haben nach seiner Meinung der Insektizideinsatz, Luft- und Wasserverschmutzung oder auch die Verinselung der Lebensräume. Welcher Faktor größeren und welcher geringeren Einfluss hat, ist derzeit schwer zu sagen. "Schon der Einfluss innerhalb der Nahrungsketten ist ein hochkomplexer Vorgang", sagt Sorg.

"Der Normalbürger merkt den Rückgang zum Beispiel daran, dass er im Sommer weniger Insekten auf der Windschutzscheibe findet", erklärt Heinz Kowalski, der Vorsitzende des zum Kreis Oberberg gehörenden Naturschutzbeirats. Auf Vögel wirke sich der Verlust der Insekten besonders stark aus. "Vor 30 Jahren waren es 450 Millionen Vögel mehr. Das muss ja einen Grund haben", sagt Kowalski. "Fakt ist, dass es mittlerweile immer weniger Schwalben gibt."

Besonders Bienen reagieren auf Kälte und Nässe sehr sensibel. "Das Ökosystem könnte durch das Insektensterben aus dem Gleichgewicht geraten und das hätte auch wieder enorme Folgen für unsere Gesellschaft. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir durch ein gutes Konzept eine längerfristige Lösung finden werden," sagt Lipka. In Remscheid arbeite die Verwaltung an einem Konzept, so Lipka.

Insekten würden an vielen Orten keine Fortpflanzungs- und Nahrungspflanzen mehr finden. "Blühstreifen, bunte Wiesen und alte Streuobstwiesen werden immer seltener", sagt Kowalski. Hauptgrund sei aber die Intensivierung der Landwirtschaft: "Die Landwirte bauen nur noch Monokulturen wie Mais an." Früher habe es noch Blühstreifen um die Felder gegeben, aber heute werde jeder Millimeter ausgenutzt.

Er könne die Bauern verstehen, schließlich bedeute jeder Millimeter Geld. "Aber ein bisschen Fläche reicht ja schon aus, und die Insekten können dort wieder leben", sagt Kowalski. Außerdem seien sie nützlich. Marienkäfer fressen zum Beispiel Blattläuse.

Quelle: RP
 
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