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Im Blickpunkt Landtagswahl 2017
Nettekoven triumphiert, Wolf musste zittern

Im Blickpunkt Landtagswahl 2017: Nettekoven triumphiert, Wolf musste zittern
Das Ende eines spannenden Wahlabends. Sven Wolf (SPD, rechts) gratuliert dem Sieger Jens Nettekoven im Ämterhaus am Ebert-Platz. FOTO: Jürgen Moll
Remscheid. Der CDU-Kandidat gewinnt den Wahlkreis am Ende klar. FDP legt deutlich zu, AFD besser als im Land. Linke und Grüne sind enttäuscht. Sven Wolf (SPD) kommt über die Liste in Landtag. Von Henning Röser

Jens Nettekoven (CDU) löst Sven Wolf als direkt gewählter Landtagskandidat für Remscheid - und nun auch Radevormwald - in Düsseldorf ab. Der Landestrend, der die SPD hart erwischt, schlägt auch bis Remscheid durch. Nettekoven, der 2012 noch 13 Prozent hinter Wolf lag, ist Sonntagabend der klare Sieger.

Doch so richtige Jubelstimmung will zunächst nicht aufkommen. Die Auszählung im Ämterhaus geht nur langsam voran, teilweise liegt der Vorsprung unter 1000 Stimmen. Nettekoven wartet darum lang, bis er Gratulationen entgegennimmt. "Ich bin abergläubisch", sagt er. Als Wolf nach langer Wartezeit gegen 20.30 Uhr ins Ämterhaus kommt und Nettekoven fair gratuliert, löst sich auch dessen Miene. Zweidrittel der insgesamt 92 Wahlkreise sind da ausgezählt. Das Land müsse den Kommunen weiter finanziell helfen, nimmt Nettekoven eine Sorge auf, die auch von OB Burkhard Mast-Weisz (SPD) geäußert wird.

Dass ein Sieg im zumeist von der SPD gewonnenen Wahlkreis möglich ist, habe er in der zweiten Hälfte des Wahlkampfes gemerkt, sagt Nettekoven. Die Schulz-Euphorie ließ nach, die CDU gewann zwei Landtags-Wahlen. Die CDU habe die richtigen Themen gesetzt, die Wähler ihren Unmut vor allem über die Grüne in NRW an den Wahlkampfständen zum Ausdruck gebracht. Inklusion, Schulpolitik seien Themen gewesen. Seine Dauerpräsenz in den Wahlkreisen habe sich auch ausgewirkt. "Die Leute wissen, wer ich bin."

Sven Wolf wirkt äußerlich gefasst, tritt staatsmännisch auf, zollt Hannelore Kraft Respekt für ihre Arbeit. Aber auch er habe viel für Remscheid erreicht. Ob er das auch weiter machen kann, bleibt am Abend unklar. Kommt die Linke rein ins Landesparlament, sind seine Chance auf einen Einzug über die Landesliste gut. Wenn nicht, wird es eng. Parteichef Sven Wiertz macht klar: "Sven Wolf wird weiter für die Remscheider SPD aktiv sein, darüber sind wir froh." In der Nacht sollte sich herausstellen, dass Wolf über die Liste in den Landtag einzog.

"Jetzt drücken wir euch die Daumen", sagt Grünensprecher Frank vom Scheidt zum Linke-Kandidaten Fritz Beinersdorf. Früh schon überreicht vom Scheidt der grünen Kandidatin Jutta Velte Blumen. Sie steht mit ihrer Partei als erste Verliererin des Abends fest. Am Ende sei es darum gegangen, dass die Grünen im Landtag bleiben, sagt sie. Dafür habe sie ihr Team noch mal mobilisiert. Sie will sich nun stärker auf die Ratsarbeit und ihre Ehrenämter (etwa in der Naturschule Grund) konzentrieren.

Breites Grinsen dagegen bei der FDP. In Remscheid traditionell gut vertreten, holen sie mit dem Hückeswagener Jörg von Pohlheim ein sehr gutes Ergebnis, werden drittstärkste Kraft. Wenn alles passt, schafft es der Bäckermeister nach Düsseldorf. Er kann den Abend entspannt verfolgen.

Fritz Beinersdorf (Linke) wirkt dagegen noch blasser als sonst. Sein Ziel, um die sechs Prozent der Stimmen zu holen, erreicht er am Ende nicht. Dass die Linke auch den Einzug in den Landtag wohl verfehlt, wiegt für ihn schlimmer.

Den schafft dagegen die AFD. Sie holt das viertbeste Ergebnis auch in Remscheid, ihr Kandidat weilt derweil in Düsseldorf - und steht an diesem Abend als erster Landtagsabgeordneter für Remscheid fest. Mit Listenplatz 8 ist Andreas Keith, Geschäftsführer der Landespartei sicher dabei. "Wir hatten uns mehr erwartet, aber die CDU hat am Ende clever unsere Themen besetzt", sagt Keith am Telefon. Auch die FDP habe eine sehr gute Kampagne gemacht. "Ein Herr Lindner darf ungestraft auch sagen, dass Herr Özil die Nationalhymne singen soll." In Remscheid will er Sprechstunden anbieten, präsent sein.

Von den Piraten redet keiner mehr. Von 8,6 Prozent (2012) fallen sie auf 0,6 Prozent.

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Quelle: RP
 
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