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Remscheid
"Nussknacker" - federleicht und ungemein präzise

Remscheid. Die Musik war am Anfang noch bei geschlossenem Vorhang ganz alleine zu hören. Die Töne von Pjotr Iljitsch Tschaikowskys "Nussknacker" waren vielen Besuchern im vollbesetzten Teo Otto Theater gut bekannt - und so war die Vorfreude auf einen gelungenen Ballett-Abend mit dem Russischen Nationalballett groß und beinahe spürbar. Und sie wurde nicht enttäuscht, denn als der Vorhang sich geöffnet hatte, wurden die faszinierten Besucher Zeuge einer grandiosen Kombination aus Leichtigkeit, Präzision und Körperspannung.

Das Thema war weihnachtlich angehaucht. Librettist Marius Peripa hatte die Geschichte nach einer Erzählung von E.T.A. Hoffmann wunderschön ausgemalt, dazu kam die grandios anzusehende Choreographie nach Peripa und Vasiliy Vaionen, die von den etwa 30 Tänzerinnen und Tänzern vor dem fantasievoll gestalteten Bühnenbild perfekt umgesetzt wurde.

Im Haus der Familie Stahlbaum gibt es zu Weihnachten eine große Feier - die Kinder freuen sich schon unbändig auf die Geschenke, die Eltern dekorieren den Baum. Und Herr Drosselmeyer, ein Onkel, überrascht die Kinder, da er ebenfalls Geschenke, etliche Zaubertricks und gute Laune in das Wohnzimmer bringt. Maria, hervorragend von Anna Serogina getanzt, darf sich über den titelgebenden Nussknacker freuen - ehe der Bruder Fritz (Egor Burba) das Spielzeug aus Eifersucht kaputt macht. Onkel Drosselmeyer stellt den Hausfrieden sogleich wieder her, indem er den Nussknacker flugs repariert.

Im weiteren Verlauf der Geschichte tritt natürlich noch ein Prinz auf, wie es sich für ein Weihnachtsmärchen gehört, denn der Nussknacker verwandelt sich nach dem erfolgreichen Kampf gegen den Mäusekönig und seiner Armee zu einem strahlenden Prinzen. Das passierte im Traum Marias - aber wo waren da schon die Grenzen zu ziehen, in einer derart fantastischen Märchenwelt, die das Nationalballett auf die Bühne des Teo Otto Theaters zauberte ? Auch der Ausflug ins Königreich der Süßigkeiten war traumhaft und wurde auch so dargestellt.

Besonders toll war es dann auch, wenn man sich in den wirbelnden Bewegungen zur Musik, in den Gefühlen und Stimmungen, die durch den Tanz erzeugt wurden, verlieren konnte. Jahrelanges Training und eine große Disziplin machten die Darbietung zu einem besonderen Augenschmaus, der nach gut anderthalb Stunden fast zu schnell vorbei war, so dass man - ähnlich wie die kleine Maria in der letzten Szene, ganz abrupt aus diesem Traum der Leichtigkeit erwachte. Aber ebenfalls wie Maria, würde man das Gesehene noch eine ganze Weile mit sich herumtragen. Wie es eben so ist, wenn man Zeuge von etwas ganz Besonderem geworden ist.

(wow)
 
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