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Remscheid
Ohne "Möhrchen" hungern Kinder

Remscheid: Ohne "Möhrchen" hungern Kinder
Constanze Epe und Michael Wellershaus (Schatzmeister) verteilen als Vertreter von Möhrchen Kekse. Unser Bild entstand im Dezember 2014. FOTO: Archiv
Remscheid. Vor zehn Jahren hat sich der Verein gegründet. Er wird dringender gebraucht denn je. Die Zahl der Bedürftigen steigt. Von Christian Peiseler

Ohne den Verein Möhrchen müssten viele Kinder in der Schule hungern. Nach zehn Jahren ehrenamtlichem Engagement für Spenden hat sich die soziale Lage vieler Familien und Alleinerziehenden in Remscheid nicht verbessert. Im Gegenteil: "Wir kommen an unsere Grenzen", sagt Constanze Epe, Gründungsmitglied und stellvertretende Vorsitzende. Die Bedürftigkeit steigt weiter, und der Verein muss immer mehr Geld auftreiben, um eine Spaltung an Schulen in Kinder, die Essen haben, und Kinder, die kein Essen haben, weiter zu verhindern.

In diesem Jahr ist es besonders heftig. Im aktuellen Schuljahr hat der Verein 671 Mahlzeiten pro Schultag mit einer Summe von 66.000 Euro gefördert. Das bedeutet für 277 Kinder an 17 Remscheider Schulen ein warmes Mittagessen. Frühstück für 394 Kinder gab es an 15 Remscheider Schulen von diesem Geld. Doch mit den 66.000 Euro kommt der Verein in diesem Jahr nicht aus. Es gab Nachmeldungen von 67 Kindern. Das bedeutet, die Mitglieder von Möhrchen müssen 10.000 Euro zusätzlich aufbringen für dieses Schuljahr. Gestern spendete die Lerose-Stiftung 5000 Euro. Klafft noch eine Lücke von weiteren 5000 Euro.

Vor zwei Jahren waren die Zahlen noch deutlich geringer. Für 179 Schülerinnen und Schüler bezuschusst der Verein das Mittagessen, 322 Kinder profitieren vom Frühstücksangebot. Insgesamt sammelte der Verein 46.000 Euro.

Der Verein kann keine Sozialarbeit leisten. "Für uns stehen die Kinder im Mittelpunkt", sagt Constanze Epe. Die Gründe, warum die Eltern für ihre Kinder kein Geld für Essen ausgeben, interessieren Epe nur in zweiter Linie. Allerdings steht für sie fest, dass das soziale System in Deutschland die Kluft zwischen arm und reich nicht ausgleichen kann. Es gebe zu viele Familien, die durchs Raster fallen. Das bedeutet, sie verdienen Geld, es reicht aber in vielen Fällen nicht zum Leben aus. Die Hoffnung, dass Gesetze des Bundes wie das staatliche Bildungs- und Teilhabegesetz (BuT) und die Landesförderung die finanzielle Lücke schließen würde, für die Möhrchen bisher einspringt, hat sich nicht erfüllt.

Das sieht auch Gerda Spaan, die Geschäftsführerin des Vereins "Die Verlässliche" so. "Heute erhalten die Kinder nicht mehr Unterstützung als vor dem BuT", sagt Spaan. Für die Lehrer, Erzieher und Sozialarbeiter sei die Arbeit hingegen viel aufwendiger geworden. Das Gesetz für Bildung und Teilhabe (BuT) nennt sie ein bürokratisches Monster. Die Schulsozialarbeiter, die Familien beraten, leisten zwar gute Arbeit. Aber die Schulen und Kindergärten haben zu wenig Geld, um den Bildungsaufgaben gerecht zu werden. "Wir müssen unsere grundsätzliche Haltung zur Bildung überdenken und vor allem Brennpunktschulen viel besser ausstatten", sagt Spaan. Familien, die nur 3,40 Euro für ihr Kind pro Tag zur Verfügung haben, kommen in finanzielle Schwierigkeiten, wenn sie noch 150 Euro etwa für Kita-Beiträge zahlen müssen.

Vor zehn Jahren galt die Förderung von Möhrchen nur fürs Mittagessen. Seit 2012 kam noch das Frühstück hinzu. Insgesamt sammelten die Mitglieder in zehn Jahren eine Summe von 448.000 Euro. "Unsere Gesellschaft braucht weiter diese Unterstützung", sagt Epe. Ob Unternehmer oder Bürger, jede Spende zählt. Fünf Euro sind genauso willkommen wie 5000 Euro. Die Spenden kommen zu hundert Prozent den Kindern zugute, sagt Epe. Die Mitglieder arbeiten ehrenamtlich. Es entstehen keinerlei Verwaltungskosten.

Quelle: RP
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