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Remscheid
Oldtimer-Lkw geht in den Ruhestand

Remscheid: Oldtimer-Lkw geht in den Ruhestand
Artur Hufschmidt und sein Sohn Sebastian mit ihrem treuen Laster, der nun in der Halle geparkt wird. FOTO: Nico Hertgen
Remscheid. Der alte MAN-Laster gehörte bei den Hufschmidts 34 Jahre praktisch zur Familie. Nun verlässt er offiziell die Straße, Von Bernd Geisler

Zunehmendes Alter macht ein "Schätzchen" nicht gerade schöner. Gleichwohl bleibt die Liebe oft erhalten. Dafür hat allerdings nicht jeder Verständnis. Vor dieser Situation stehen derzeit Artur Hufschmidt (66) und sein Sohn Sebastian (27). Die beiden betreiben das Unternehmen Gartengestaltung Hufschmidt in Remscheid. 34 Jahre hat der 49-Jahre alte Lkw des Typs MAN 850 HKA dem Unternehmen treue Dienste geleistet. "156 PS, sieben Liter Hubraum, 14,8 Tonnen Gesamtgewicht, acht Tonnen Nutzlast, Spritverbrauch je nach Beanspruchung zwischen 15 und 30 Liter auf 100 Kilometer", nennt Artur Hufschmidt die Daten des Lkws wie aus der Pistole geschossen.

Er hatte ihn bei der Gründung seines Unternehmens in 1982 gebraucht gekauft. "Der Lkw darf aber nicht viel tun", hatte der Verkäufer ihm geraten. Doch das Auto "hat sehr viel getan". Nach 1,5 Millionen Kilometern, drei Motoren, viel Arbeit und viel Fürsorge ist Schluss. Drei Jahre lang lief er mit einem so genannten "H-Kennzeichen". Das ist die Zulassung als Oldtimer - "H" steht für "Historisch". In den letzten Jahren ist die lange gültige Richtlinie für die Begutachtung von Oldtimern (Paragraf 23 Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung) verschärft worden. Galt früher eine Drei auf einer Skala von Eins bis Fünf noch als akzeptabel, muss heute ein Gutachter einen "guten Erhaltungszustand" diagnostizieren. Was immer das auch heißt: "Gut" (Zwei) ist auf jeden Fall besser als Drei - die Bestimmung hat sich also verschärft. So wie das Auto aussieht, glauben die Hufschmidts nicht daran, dass ihr Schätzchen die Liebe des Gutachters finden wird. "Die Technik ist okay, aber die Optik stört", sagt Artur. "Dabei ist er noch so schön, dass er als Statist in der TV-Serie 'Aufbruch' mitgemacht hat", sagt Sebastian. Mit einem H-Kennzeichen könnte das Unternehmen erhebliche Kraftfahrzeugsteuer einsparen und hätte auch die Erlaubnis, in grüne Umweltzonen hineinzufahren.

"Natürlich hängen wir an dem Auto", sagt Sebastian. "Wir kennen jede Schraube, und ich bin damit groß geworden." Sein Vater nahm ihn als Zweijährigen auf die Schulter und hievte ihn ins Führerhaus. Immerhin sind Vater und Sohn so hartgesotten, dass sie keine Krokodilstränen um den Lkw vergießen. Aber ein bisschen Wehmut sei schon dabei, betätigen beide. "Er ist ein zuverlässiger Kumpel und ist mit uns durch dick und dünn gegangen", sagt Artur und erinnert sich, wie sie einmal mitten im Winter auf einem Waldweg trotz Allradantrieb so tief im Schnee stecken geblieben sind, dass sie auf Tauwetter warten mussten. Alle Reparaturen haben sie selbst durchgeführt. Trennen können sie sich nicht von ihrem MAN. Er soll in einer Halle stehen. Alle paar Jahre wollen sie ihn wie Schneewittchen aus dem Winterschlaf aufwecken.

Quelle: RP
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