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Remscheid
Orchester droht Insolvenz

Remscheid. Der GmbH fehlen bald 300.000 Euro in der Kasse. Die beiden Städte überlegen, wie sie die zum Erhalt notwendigen Zuschüsse erhöhen können. Das wird schwierig. Von Christian Peiseler

Im Programmheft der Bergischen Symphoniker zur neuen Saison steht ein Interview mit den beiden Oberbürgermeistern Burkhard Mast-Weisz und Tim Kurzbach. Die Städte Remscheid und Solingen sind Gesellschafter der Orchester GmbH. Es ist eine kleine Plauderei, die mit der Frage überschrieben ist "Rational rechnen oder die Seele baumeln lassen?" Auffällig an diesem Interview ist die kunstvolle Vermeidung von jedweden kulturpolitischen Themen. Vor allem zum Thema, wie das Orchester in den nächsten Jahren finanziert werden kann. Es muss mal wieder mal "rational gerechnet" werden. Daran wird kein Notenschlüssel vorbeiführen. Die Situation bei der Orchester GmbH ist so angespannt, dass von "Seele baumeln lassen" in diesem Zusammenhang nicht die Rede sein kann. Tatsache ist, der GmbH fehlt auf Sicht Geld. Sollte das strukturelle Defizit von 300.000 Euro nicht behoben werden, droht die Insolvenz.

Geschäftsführer Stefan Schreiner hat beim letzten Konzert der vergangenen Saison im Teo Otto Theater freudig verkündet, dass die Bergischen Symphoniker nicht mehr kleiner werden. Sie haben ihre Soll-Stärke von 66 Planstellen erreicht - wie im Fusionsvertrag vereinbart. In den vergangenen Jahren war Schreiner schon mal recht froh, wenn eine Stelle früher frei wurde als geplant. Er konnte Kosten einsparen. Außerdem verzeichnete das Orchester in den beiden Geschäftsjahren 2013/2014 und 2014/2015 sechs Schwangerschaftsfälle. Eine Entwicklung, die sich ebenfalls fruchtbar auf die Personalkosten auswirkte. Diese Einsparungen ermöglichten dem Geschäftsführer die Erhöhungen der Gehälter einigermaßen aufzufangen. Doch im Wirtschaftsjahr 2016/2017 hat er diese Trumpfkarte nicht mehr im Ärmel. Er braucht frisches Geld.

In Remscheid gibt es bereits einen Soli für das Orchester. Die Preise für Veranstaltungen mit den Bergischen Symphonikern stiegen deutlich. Außerdem überweist Kulturdezernent Christian Henkelmann 25.000 Euro zusätzlich an die Orchester GmbH. Insgesamt zahlt Remscheid den gedeckelten Zuschuss von 1,65 Millionen, plus 345.000 Euro für die Pflichtabnahmen aus dem Gastspieletat. Das Teo Otto Theater gibt in der kommenden Saison erstmals mehr Geld für die Symphoniker aus als für alle anderen Theatersparten.

Remscheids Kämmerer Sven Wiertz hat nun den Auftrag, mit Vertretern aus Remscheid und Solingen in Düsseldorf vorstellig zu werden, um zu erkunden, ob die Bezirksregierung eine Erhöhung des Zuschusses für diese "freiwillige Leistung" zustimmen würde. Das wird kein leichter Gang, denn im Juni hatte die Regierungspräsidentin Annemarie Lütkes bei ihren Ausführungen zum Haushalt deutliche Worte zum Orchester gefunden. "Ich spreche in diesem Zusammenhang wieder die Maßnahme ,Reduzierung des Betriebskistenzuschusses an die Bergischen Symphoniker' an; eine erneute Befassung zur Sicherung der Kostendeckelung erscheint unabweislich", schreibt Lütkes.

Die groben handwerklichen Fehler beim Fusionsvertrag, der dem Orchester einerseits eine Bestandsgarantie von 15 Jahren zusicherte, andererseits die Finanzierung von Tarifsteigerungen ausklammerte, fallen den Gesellschaftern jetzt vor die Füße. Damit auch für die Spielzeit 2017/18 ein Programmheft gedruckt werden kann, braucht es eine nachhaltige Lösung.

Quelle: RP
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