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Remscheid
Orchester glänzt mit unterhaltsamen Melodien

Remscheid. Drei Klarinettisten boten beim Neujahrskonzert der Bergischen Symphoniker unter GMD Kuhn Hörgenuss. Von Wolfgang Weitzdörfer

Klarinetten standen beim traditionellen Neujahrskonzert der Bergischen Symphoniker am Samstagabend im Teo Otto Theater im Mittelpunkt. Der große musikalische Rahmen lag klar bei beschwingt-romantischen Klängen von Johann Strauss (Vater und Sohn) oder Felix Mendelssohn Bartholdy. Letzteres Genie, das in nur 38 Lebensjahren so viele unvergessene Werke geschaffen hat, bildete mit seiner "Ouvertüre zu Shakespeare's Sommernachtstraum", die er im Alter von 17 Jahren komponierte, den fulminanten Auftakt für rund zwei Stunden allerbeste Unterhaltung zwischen E- und U-Musik - zum Schluss wurde sie mit stehenden Ovationen vom Publikum bedacht. Leider nicht ganz ausverkauft war das Theater, aber mit gut 300 Besuchern doch recht gut besucht.

Es war ein buntes Programm, das sich die Symphoniker ausgesucht hatten, und das sie unter dem gewohnt souveränen Dirigat von Peter Kuhn, der zudem mit originellen und gut gelaunten Zwischenmoderationen glänzte, mit sichtlich entspannter Spielfreude darboten. Neben Kompositionen von Johann Strauss', von denen besonders der "Accelerationen Walzer" des jüngeren Strauss zu begeistern wusste, boten sie zu einem Neujahrskonzert passende Musik wie das "Feuerfest" von Namensvetter Josef Strauss, den Hochzeitswalzer aus "Der Schleier der Pierrette" von Ernst von Dohnány oder den unverwüstlichen "Radetzkymarsch" zum Abschluss.

Dann waren aber auch Stücke zu hören, die Konzertbesucher nicht unbedingt erwartet hatten, und bei denen die Solisten Marlies Klumpenaar, Sebastian Appel und Andreas Reinhard mit ihren Klarinetten glänzten. Etwa bei Mendelssohn Bartholdys "Konzertstück Nr. 2" für Klarinette, Bassetthorn und Orchester, bei dem Appel und Reinhardt bravourös und zwischen furios und sanft pendelnd aufspielten. Oder das leicht dadaistisch angehauchte Stück "Die zerstreute Brillenschlange" von Manfred Hiller, bei dem Klumpenaar zum gesprochenen Text von Kuhn und den Hintergrundklängen eines jammernden Cellos ihre Klarinette nach und nach auf das Mundstück reduzierte und so für herzliches Gelächter im Publikum sorgte. Eine ungewöhnliche Werkwahl, aber definitiv eine, die Abwechslung garantierte.

Ebenfalls moderner angehaucht waren die beiden Stücke von Leroy Anderson, "The Classical Jukebox" und "Horse And Buggy". Bei ersterem war der Titel Programm, denn neben dem klassischen Hänger einer Schallplatte in einer Jukebox streifte Anderson die verschiedensten Stilarten wie etwa Polka oder Walzer. Das zweite Stück des 1975 verstorbenen Komponisten entführte das Publikum auf eine Reise in der Pferdekutsche.

Dass bei einem Neujahrskonzert traditionell auch die Freude und Lust am Spielen im Vordergrund stehen, zeigte sich bei "Erinnerung an Ernst" von Johann Strauss Vater, als Dirigent Kuhn den Taktstock gegen einen Korb mit Eiern tauschte, die er den bravourös aufspielenden Musikern nach ihren jeweiligen Soli schmunzelnd überreichte. Dass nach dem "Radetzkymarsch" nach gut zwei Stunden bereits Schluss sein sollte, gefiel den Besuchern zwar nicht so recht, dafür waren sie jedoch auf äußerst gelungene und stilvolle Art und Weise im Neuen Jahr begrüßt worden. Was könnte es Schöneres geben?

Quelle: RP
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