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Remscheid
Orchesterchor singt Bruckner-Messe

Remscheid: Orchesterchor singt Bruckner-Messe
Antonia Bourvé sang bei der Bruckner-Messe mit. FOTO: Michael Clark
Remscheid. Man muss kein gläubiger Mensch sein, um diese Musik heute noch gut zu finden. Von Christian Peiseler

Für Zuhörer, die in religiösen Dingen sich eher als unmusikalisch verstehen, erzeugt der Besuch einer Aufführung von Bruckners dritter Messe f-Moll in der Lutherkirche Befremden und Erstaunen zugleich. Befremden über die dienende Haltung der Musik, die sich der christlichen Botschaft verschrieben hat. Erstaunen über den Glanz und die Tiefe, die bei allem Glaubensprunk immer wieder durchschimmert. "Kyrie" "Gloria" "Credo" "Sanctus" "Benedictus" und "Agnus Dei" - alles lateinische Bezeichnungen aus einer Tradition, die an Aufmerksamkeit verloren hat, zumal sie durch ihren lateinischen Gesang aus Jahrhunderten herüberwehr. Trennt man diese Musik von ihrer metaphysischen Ebene ab, so kann sie heute weiter bestehen. Man muss kein Gläubiger sein, um sie gut zu finden. Bruckner erscheint in dieser Messe nicht als ein Zeitgenosse, dennoch hat er etwas zu sagen. Seine Musik pocht an die Himmelspforte und taucht ab in tiefe Dunkelheit. Einerseits steht sie in der symphonischen Tradition Schuberts, andererseits besticht sie durch die explizite Hinwendung zum gregorianischen Stil. An diesen Stellen entwickelt der Chor der Bergischen Symphoniker ein opulentes wie feinfühliges Klangvolumen. Die aufsteigenden und absteigenden Strukturen der Chorstellen verlaufen wie Ebbe und Flut. Mal ziehen sie sich in ein gehauchtes Tongeflecht zurück, mal jagen sie sturmgetrieben an Land.

Der Gestus, die Instrumentierung, die kontrastreiche Dynamik und die harmonische Farbenvielfalt dieser Komposition wirkten monumental, minimal indes die Ausgestaltung des Vokalsatzes. Wenn Antonia Bourvé (Sopran), Lucie Ceralová (Alt), Pascal Pittie (Tenor) und Daniel Dropulja (Bass) gemeinsam singen, erklingen Engelsstimmen für eine nach Erbarmen flehende Gemeinde. Stephanie Schlüter leitete mit großer Präsenz das Konzert mit den Bergischen Symphonikern. Sie übernahm die Aufgabe von dem im August plötzlich und unerwartet gestorbenen früheren Chorleiter Ulrich Eick-Kerssenbrock. Das Konzert war ihm zu Ehren gewidmet.

Quelle: RP
 
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