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Remscheid
Parolen auf Hauswänden – Politik hält dagegen

Remscheid: Parolen auf Hauswänden – Politik hält dagegen
Mit eigenen Parolen haben Sven Wolf, Sven Wiertz (beide SPD) und Fritz Beinersdorf (Linke) die fremdenfeindlichen Parolen am Möbelhaus in Lennep übermalt. Nun soll die Fassade verschönert werden. FOTO: Jürgen Moll
Remscheid. Fremdenfeindliche Schmierereien in Lennep rufen die SPD auf den Plan. Sie regt jetzt eine Aktion zur Fassaden-Verschönerung und einem Gestaltungswettbewerb an. Im Visier hat die Partei dabei die Fassade des ehemaligen Möbelhauses Giminski neben dem Lenneper Bahnhof, wo jüngst noch eine solche Parole prangte – und von zwei SPD-Leuten übermalt wurde. Darauf reagierte die CDU prompt mit Kritik. Von Solveig Pudelski und Henning Röser

Zur Idee: Die Schaufenster könnten mit großen Fotografien von der Röntgenstadt zugeklebt werden. Ein erster Sponsor habe sich gemeldet, berichtete gestern SPD-Landtagsabgeordneter Sven Wolf. Außerdem appellieren er und SPD-Parteichef Sven Wiertz an Bürger, solche Graffiti im Stadtgebiet sofort zu melden, damit sie zügig beseitigt werden.

Wie berichtet, treibt seit Ende Dezember ein Unbekannter sein Unwesen: Er sprüht Parolen gegen Muslime und Türken auf Hauswände oder Container. Die Polizei geht davon aus, dass es sich um einen Täter handelt. Zeugenhinweise gebe es aber bisher nicht, sagte Polizeisprecherin Anja Meis gestern.

Dem geplanten Aufruf der SPD war eine Aktion vorausgegangen, bei der Sven Wolf, Sven Wiertz und Fritz Beinersdorf, Fraktionsvorsitzender der Linken, selbst zur Farbe griffen – und fälschlicherweise von einer Zeugin und Polizisten verdächtigt wurden. Denn der Schriftzug, den sie auf die besagte Fassade als Antwort auf den illegalen Sprayer schrieben, "Lennep kein Platz für Rassisten" "Alle Nazis raus", war ganz legal: Er war vom Eigentümer des Gebäudes und von der Polizei genehmigt worden, sagte Wolf. Doch offenbar wussten die Polizisten vor Ort nichts davon. Wolf: "Wir sprayen doch nicht – in Anzügen um 17 Uhr nachmittags, so dass es jeder sieht –, etwas ohne Genehmigung auf die Hauswand." Aufgefallen war dem Trio zuvor, dass die weiße Farbe, mit der die Parole übertüncht worden war, nicht deckte.

Man habe rasch handeln wollen, "weil in Remscheid kein Platz für fremdenfeindliche Parolen ist", erklärte Sven Wolf die Hauruck-Aktion. "Wir haben das Glück, eine 110-Nationen-Stadt zu sein, in der man friedlich zusammenlebt." Und weil Studien belegen, dass insbesondere leerstehende Gebäude Sprayer anlocken, wolle die SPD gerne mit der MKS und dem Jugendzentrum "Die Welle" den Fassadenwettbewerb organisieren.

Rasch handeln will auch die CDU. Parteichef Jens Nettekoven holte sich gestern bei Oberbürgermeisterin Beate Wilding grünes Licht für die professionelle Übermalung von Parolen an der Parkpalette in der Poststraße. Dieses Gebäude gehört der Stadt. CDU-Ratsherr Kurt-Peter Friese, Inhaber eines Malerbetriebs, will dort die fremdenfeindlichen Parolen übermalen. Die Farbe dafür sponsert Parteifreund Frank Rößler, ebenfalls Unternehmer. Wilding habe sich über das Angebot sehr gefreut, berichtet Nettekoven von seinem Gespräch mit der Oberbürgermeisterin. "Fremdenfeindlichkeit darf in Remscheid keinen Raum haben", sagt Nettekoven. Er wundert sich allerdings, warum es keine gemeinsame Aktion aller im Aktionsbündnis "Remscheid tolerant" organisierten Gruppen gibt.

Quelle: RP
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