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Remscheid
Peter Fingers rasantes Saitenspiel

Remscheid: Peter Fingers rasantes Saitenspiel
FOTO: Hertgen, Nico (hn-)
Remscheid. Bei den Hasenberger Konzerten überzeugte der Gitarrist auf seinem selbstgebauten Instrument. Von Bernd Geisler

Die Gitarristen haben das Vorrecht bei den Hasenberger Konzerten in diesem Jahr. Peter Finger bestritt nach Werner Lämmerhirt und Jacques Stotzem das vierte Hasenberger Konzert im Evangelischen Gemeindezentrum Hasenberg. "Schön hier", sagte Finger einleitend vor seinen ersten Tönen. Es klang wie "gemütlich", aber wer Finger kennt, der weiß, dass der Zuhörer ein wirklich außerordentliches Konzert erlebt, hört er aufmerksam zu. So war's dann auch aus mit der Gemütlichkeit, als der Gitarrist loslegte.

Egal, ob selbst Gitarrenzupfer oder "normaler" Konzertkonsument - zurücklehnen, lauschen, die Augen schließen und träumen war zunächst schwer. Finger startete mit einem rasanten Tempo. Die Ohren hatten beinahe Mühe, mitzuhalten. Die Augen konnten Fingers Flitzfinger sowohl rechts als auch links nicht immer folgen. Die rechte, mit Daumenplektrum bewaffnete Hand zupfte, hämmerte, dämpfte, schlug und riss die Saiten. Hier entstanden Rhythmus und Dynamik. Die wieselflinke Linke wechselte von offenen Akkorden zu Barré-Griffen, verband sie mit glasklar schwingenden Flageoletttönen, wunderschönen, gehauchten Melodien, "unglaublichem Legato-Spiel" (Gitarrist Kai Heumann) und stürzenden Läufen zu einem faszinierenden Vielklangteppich - alles aus einem Guss.

Im Stück "Summer in France" vereinigten sich Elfentöne aus dem Märchenland, Donner aus dem Götterhimmel und Sphärisches aus dem All zu Harmonie und Härte. Dazu Fingers Anmerkungen zu jedem Stück. Damit wurde dieses Konzert auch zu einem sehr persönlichen . Um so besser verstand das Publikum seine Gitarrenmusik. Er spielte auf einer seiner selbst gebauten Gitarren. Dieses Instrument bereitet die Grundlage seines "Finger-Sounds". Es kommt ihm nicht nur auf Virtuosität an. Er ist auch ein Mann der Emotionen. Seine Balladen sind sehr gefühlvolle Werke. Er geht sie sachte an und holt mit dezentem, nuancenreichen Spiel alles heraus, was Stimmung und Seele hergeben. Die teilweise vom filigranen, virtuosen Akkordspiel getragenen Melodien verdichten sich zu einem lebendigen Bild, das den Zuhörer uneingeschränkt erreichte. Das wurde dank Fingers Vorbemerkungen besonders deutlich in dem Stück "Totentanz" nach Goethes gleichnamigen Gedicht. Vorab wies er auf einige Lautmalereien hin: das Schlagen der Kirchturmuhr, der Marsch der auferstandenen Skelette, der Kampf Mensch gegen Skelett. Da waren dann alle ganz Ohr und bewunderten den Gitarristen ob seiner Fähigkeit, mit seinem Instrument umzugehen wie ein Maler mit dem Pinsel.

Seine Zugabe bestand aus einer friedlichen Ballade. Sie ging offensichtlich direkt ins Herz der Leute. Sie spendeten reichlich Standing Ovations.

Quelle: RP
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