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Remscheid
Pfarrer lädt in sein 300 Jahre altes Kleinod ein

Remscheid. Bergische Idylle ist eine passende Beschreibung für die kleine Hofschaft. Fachwerkhaus an Fachwerkhaus reiht sich neben gepflegten Gärtchen. Die Alte Straße im Herzen von Hasten ist mit drei denkmalgeschützten Häusern, Nr. 7, 9 und 14, eine der wenigen ihrer Art. Von Stephanie Licciardi

Ein Kleinod inmitten der Hofschaft ist die Nr. 9. Das Fachwerk wirkt mit der massiven Holztür und den grünen Schlagläden einladend und heimelig. In dem knapp 300 Jahre alten Haus lebt der pensionierte Remscheider Pfarrer und Historiker Hans Jürgen Roth mit seiner Lebensgefährtin. "1980 haben wir das Haus gekauft und es von Grund auf saniert und renoviert", erzählt Hans Jürgen Roth.

Etwa 6000 Arbeitsstunden im Laufe eines halben Jahres stecken darin. Die Außenfassade wurde komplett erneuert, die Aufteilung des Hauses neu angelegt, Böden und Decken restauriert. "Am Ende waren 26 Container notwendig."

In aufwendiger Arbeit und mit viel Liebe zum Detail entstand aus dem einstigen Doppelhaus ein echtes bergisches Juwel. "Im Juli 1980 trat das Denkmalschutzgesetz des Landes Nordrhein-Westfalens in Kraft. Somit wurde unser Haus als erstes Haus in Remscheid zum Denkmal erklärt, und wir haben sowohl die Kosten für das neue Dach als auch 25 Prozent der Sanierungskosten von der Stadt zurückbekommen."

Viele Anekdoten fallen Roth ein. "Als wir das Haus kauften, lebte der letzte Mieter für 40 Mark im Monat nebenan. Wir wollten natürlich, dass er auszieht. Also habe ich mich mit ihm zusammengesetzt und ihm Geld angeboten, mit dem Hinweis, wenn er bis Ostern nicht draußen ist, sich die Summe schrittweise minimieren würde. Er hat dann angenommen", sagt Roth. Im Haus gibt es noch viel Geschichte zu entdecken

"Es lohnt sich, solch ein altes Haus zu renovieren. Die Atmosphäre ist eine ganz besondere. Denn sie zeigt auch, wie unsere Vorfahren gelebt haben." So entdeckten die jetzigen Bewohner eine Feuerstelle im Keller. "Wahrscheinlich haben hier einst Handwerker gelebt und gearbeitet", vermutet der Pfarrer. Sein Anliegen ist es, junge Menschen für alte Gebäude zu begeistern. "Vielleicht ist die Aufarbeitung der Geschichte der Ortschaft eine Ermutigung für die Stadt und seine Bewohner, sich mehr mit anderen Remscheider Hofschaften zu befassen", hofft Roth.

Der Besucher läuft entlang der Alte Straße auf einem Stück Historie. Die Straße führte, lange bevor Handel und Verkehr in Gang kamen und die parallel verlaufende Hastener Straße gebaut wurde, nach Cronenberg. Im Rahmen eines Projekts arbeitet Roth die Geschichte der Hofschaft auf. "Ich frage mich, wie sich die Häuser und deren Bewohner verändert haben. Viele Nachbarn stellen alte Fotografien oder Pläne zur Verfügung. Schritt für Schritt arbeite ich die Geschichte der Alte Straße ab den 1940er Jahren auf." Die Ortschaft blieb im Zweiten Weltkrieg weitgehend verschont. Daher ist die Dichte an erhaltenen Gebäuden in Hasten besonders hoch.

Quelle: RP
 
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