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Remscheid
Pianist glänzt mit Strauß'scher Burleske

Remscheid. Im 2. Philharmonischen Konzert spielten die Bergischen Symphoniker Werke von Pfitzner, Strauß und Beethoven. Von Wolfgang Weitzdörfer

Kleider machen Leute, Titel machen Programme: Mit "Der Widerborst" ist das 2. Philharmonische Konzert der Bergischen Symphoniker wunderbar passend überschrieben und macht neugierig. Rund 320 Zuhörer füllen das Teo Otto Theater sehr gut, sie können ein hervorragend aufgelegtes Orchester genießen, das unterstützt wird von einem brillanten jungen Solisten am Flügel.

Der programmatische Titel bezieht sich nicht auf den musikalischen Gehalt des Abends. Der ist nämlich überaus ohrenfreundlich, wahrer Balsam für die Seele. Vielmehr soll damit auf die durchaus schwierig zu nennenden Charaktere der drei Komponisten Hans Pfitzner, Richard Strauß und Ludwig van Beethoven hingewiesen werden.

Pfitzner, ein Eigenbrötler, Antisemit und chauvinistischer Nationalist, der sich den Nazis als "deutschester aller lebenden Komponisten" andiente, ist immer noch umstritten. Seine Musik hingegen ist brillant. Der zwingende Aufbau des 1888 uraufgeführten Werks "Scherzo für Orchester", eine vielschichtige und wunderschöne Komposition reißt nicht nur Dirigent Peter Kuhn mit, auch im Publikum findet das Werk des 1949 völlig vereinsamt gestorbenen Komponisten großen Anklang.

Auch Richard Strauß ist, was sein Auftreten in der NS-Zeit angeht, nicht gänzlich unbeleckt. Aber genau wie Wilhelm Furtwängler bereute Strauß nach dem Krieg und distanzierte sich öffentlich. Mit der "Burleske für Orchester in d-Moll" hat Strauß ein Werk komponiert, das für jeden Pianisten eine echte Herausforderung darstellt. Kein Problem indes für Joseph Moog, 29-jähriger Pianist aus Ludwigshafen, der schon in ganz Europa aufgetreten ist und zahlreiche internationale Preise bekommen hat.

Wahrhaft "burlesk" perlt etwa das Walzerthema im Mittelteil, filigran fliegen Moogs Finger über die Tasten - man wünscht sich geradezu eine Kamera, die ihn dabei filmt, damit man über die Spieltechnik staunen kann. Vom kleinen Klangtupfer bis hin zum Parforce-Ritt über die ganze Breite der Klaviatur beherrscht der 29-Jährige sein Instrument perfekt. Nach dem fulminanten Schlusspunkt und dem donnernden Applaus bringt Moog noch Gershwins "It's Wonderful" in einer eigenen Interpretation und beweist damit, dass er auch im leicht angejazzten Bereich zu Hause ist - ein wahrhaft grandioser Auftritt.

Abgerundet wird der Abend von der 8. Symphonie von Ludwig van Beethoven. Sicher, die 5. oder die 9. Symphonie sind die bekannteren. Aber zum einen ist die unverwechselbare Handschrift des Bonner Genies zu erkennen - und zum anderen ist die "kleine" 8. keinen Deut schwächer als ihre größeren Schwestern. Leichtfüßigkeit und Fröhlichkeit sind keine Vokabeln, die man mit Beethovens Musik verbindet. Aber genau das macht die recht kurze Symphonie aus. Geboten wird eine großartige Leistung der Symphoniker, die im furiosen Finale gipfelt und völlig mit minutenlangem Applaus gewürdigt wird.

Quelle: RP
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