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Remscheid
Pianist überrascht Zuhörer mit Bolero von Chopin

Remscheid. Eine Überraschung wartete auf die vielen Besucher des Klavierkonzerts in der Reihe "Weltklassik am Klavier" in der Klosterkirche. Organisatorin Kathrin Haarstick freute sich, dass der russische Pianist Alexey Lebedev das selten gespielte "Bolero" von Chopin mitbrachte. Von Gisela Schmoeckel

Beim Hören des spannungsvollen Werks bestätigte sich ihr Eindruck beim Publikum. Sehr "spanisch" klang das farbenreiche Werk zunächst nicht. Als aber die schnell schweifenden Bassfiguren und glockenhaft klingenden Passagen der rechten Hand die Farbe scharf rhythmischer Kastagnettenklänge und fein schwirrender Gitarrensaiten annahmen, stellte sich der wundersame Eindruck einer Verschmelzung polnischer und spanischer Tradition ein. Aufregend, zugleich äußerst klar gliedernd ist das Spiel des Pianisten.

Alexey Lebedev, mit vielen internationalen Preisen ausgezeichneter Pianist und Musikprofessor im koreanischen Busan, entlockt in höchster Geschwindigkeit und elastischer Beweglichkeit des Anschlags dem Flügelklang eine Fülle von Farben. Tief dringt er so auch bei äußerster Virtuosität in die Strukturen der Werke ein.

Klar wurde das gleich zu Anfang in Beethovens Sonate Nr. 7 D-Dur. Im vorpreschenden Spiel der dramatischen Läufe bleibt die Musik immer konturiert und durchsichtig. Den rasenden Sturm besänftigend wirkt die liedhafte Melodik des zweiten Themas. Sehr ausdrucksvoll erklingen die Passagen des Largo. Lebedev malt sie spannungsvoll aus, zwischen sehnsuchtsvollen Schichten bilden sich tief drohende Akkorde, die wiederum von dem freundlich herabfallenden Motiv beruhigt werden. Auch im Menuetto stellt sich dieses dynamische Gegeneinander freundlicher und düsterer Kräfte heraus. Von Heiterkeit geprägt ist das Thema des Menuetts, das die dunkle Energie des Trios bezähmt. Das Rondo erinnert in Motiven an den ersten Prestosatz, aus dessen Dramatik klingt Entspannung.

Chopins Etüdenbuch Nr. 1 op. 10 füllte den zweiten Konzertteil. Auch hier bestach das sich stets verwandelnde Spiel, das kristallin den spannungsvollen Aufbau der einzelnen Werke enthüllte. Starke Arpeggien prägten die erste der zwölf Etüden, die jede für sich höchste Ansprüche an Spieltechnik und Interpretation stellen. Lebedev spielt das Tänzerische der zweiten mit lichtvollen Läufen, in der dritten erklingt das Thema romantisch, Dramatik prägt die vierte. Von Stück zu Stück eröffnet sich die Welt von Energie, Heiterkeit, prachtvollen Schilderungen bis zu verträumter Zartheit. Selbst die wirbelnden Stürme der 10. Etüde bleiben klar durchleuchtet. Silbrig singende Helligkeiten prägen die elfte, bis die Revolutionsetüde den machtvollen, überschäumenden Schluss bildet.

Das Publikum dankte mit stürmischem Beifall und Lebedev spielte als Zugabe den 4. Satz der Beethoven-Sonate Nr. 2 aus seiner neuen CD.

Quelle: RP
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