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Remscheid
Plätze fehlen - Kitas weisen Kinder ab

Remscheid: Plätze fehlen - Kitas weisen Kinder ab
Nur als Zwischenlösung war die Container-Kita (hier ein Bild von der Anlieferung der Module) am Stadtpark gedacht. Nun könnte ihre Nutzung in die Verlängerung gehen. FOTO: Nico HertgeN (Archiv)
Remscheid. In Remscheid mangelt es an 256 Plätzen. Bis 2018 sind es 700 Plätze. Sie kosten jährlich gut sechs Millionen Euro. Von Solveig Pudelski

Die goldenen Zeiten für Eltern sind erst einmal vorbei: Nicht jeder erhält einen Betreuungsplatz für sein Kind. Abweisungen - das hat es lange nicht mehr gegeben. Doch die Stadt hat derzeit die undankbare Aufgabe, einigen Eltern, die händeringend einen Platz suchen, nichts anbieten zu können. "Wir verweisen die Eltern an das Jugendamt. Die Mitarbeiter dort bekommen dann die geballte Ladung ab", berichtete Ingrid Rosiejka, Leiterin der Kita Villa Kunterbunt, in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses (JHA).

Für das neue Kita-Jahr, das am 1. August beginnt, fehlen 256 Plätze, 131 für Kinder unter drei Jahren, 125 Plätze für Kinder ab drei Jahre, nannte Petra Hellmann-Wien, Leiterin des Fachdienstes Jugend, Soziales und Wohnen, auf Nachfrage von Thea Jüttner (CDU) und Jutta Velte (Grüne) aktuelle Zahlen. Derzeit lautet das Ziel, für 39 Prozent der Kinder unter drei, und für 98 Prozent der Kinder über drei einen Betreuungsplatz vorzuhalten. Das kann auf der Basis bisheriger Planungen bis 2018 nicht erreicht werden.

Warum hat sich das Blatt in einer Kommune mit schrumpfender Einwohnerzahl und einem guten Betreuungsangebot so rasch gewendet? Neben einer höheren Geburtenrate spielte der massive Zuzug von Flüchtlingen sowie EU-Bürgern aus Osteuropa eine Rolle. Bisherige Berechnungen müssen aufgrund einer neuen Bevölkerungsstatistik (2015 bis 2035) revidiert werden. Neben den bereits vor einem Jahr beschlossenen 202 Plätzen (94 Plätze allein in Lennep) sollen weitere 500 Plätze oder 25 Gruppen in Kitas geschaffen werden. Bedarf besteht in allen Stadtteilen: Zehn bis 13 Gruppen in Alt-Remscheid, acht bis zehn in Lennep, sieben bis neun im Südbezirk und vier bis fünf in Lüttringhausen. Da das Raumpotenzial in den Kitas durch Um- und Ausbauten für die U 3-Betreuung ausgeschöpft ist, müssen neue Kitas eingerichtet werden. Eine Modellrechnung der Stadt besagt, dass für eine viergruppige Kita 2,5 Millionen Euro an Baukosten einkalkuliert werden müssen. Das Kibiz-Budget beliefe sich für das Kita-Jahr 2016/17 auf rund 707.000 Euro, davon müsste die Stadt zwischen 363.000 (bei kirchlicher Trägerschaft) bis rund 495.000 Euro (bei städtischer Trägerschaft) tragen. Der Ausbau von 700 zusätzlichen Plätzen in Kitas würde das Kibiz-Budget für 2016/17 um rund 6,2 Millionen Euro erhöhen.

Eine steigende Nachfrage verzeichnet die Stadt nach einer Betreuung von Kindern unter drei Jahren. 2008 sagte Burkhard Mast-Weisz als Sozialdezernent in einem BM-Interview: "Wir stehen mit einer Bedarfsdeckung von 12,9 Prozent der Jahrgänge null bis drei gut da. Zum neuen Kita-Jahr haben wir 389 Plätze." Es war die Zeit des U 3-Ausbaus in den Kitas, außerdem warb die Stadt für die Einrichtung von Tagespflegeplätzen. Denn das Angebot ist eine Pflichtaufgabe der Kommune, weil Eltern einen gesetzlichen Anspruch auf einen U 3-Betreuungsplatz erhielten.

Quelle: RP
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