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Remscheid
Polizeichef will Lenneper Karnevalszug per Video bewachen

Remscheid. Als Konsequenz aus den massenhaften sexuellen Übergriffen in der Kölner Silvester- nacht will die Polizei den Lenneper Karnevalszug besser überwachen. Rem-scheids neuer Polizei-chef Jochen Borst zieht rund 100 Tage nach Dienstantritt eine erste Bilanz seiner Arbeit. Von Bernd Bussang

Die schockierenden Nachrichten aus Köln von massenhaften sexuellen Attacken junger Migranten auf Frauen sind Jochen Borst (32) nah gegangen, schließlich hat er selbst bei der Bereitschaftspolizei in Köln Dienst geschoben, einige Jahre bevor ihn sein Weg nach Remscheid führte. "Das ist erschreckend, ich habe mir immer wieder überlegt, wie ich als Privatperson auf solche Angriffe reagiert hätte." Die traumatischen Folgen für die rund 90 Opfer, darunter auch zwei junge Frauen aus Remscheid, kann er gut nachvollziehen. "Das sind tragische Vorfälle, die sich nicht wiederholen dürfen." Mit Kritik an den eigenen Kollegen hält er sich verständlicherweise zurück. "Für die Polizei ist es schwierig, gegen eine solche Masse vorzugehen, Tatverdächtige müssen identifizierbar sein." Polizisten müssten immer abwägen, ob ein Zugriff in eine aggressiv aufgeladene Menge auch rein zahlenmäßig möglich sei. "Die Kollegen müssen in Bruchteilen von Sekunden entscheiden, ob sie zugreifen, das ist wie bei einem Feuerwehrmann, der abwägen muss, ob er in ein lichterloh brennendes Haus läuft."

Dass diese Silvesternacht das Vertrauen der Bevölkerung in die öffentliche Sicherheit und somit auch in die Polizei erschüttert haben könnte, will Borst nicht ausschließen. "Einen solchen Vertrauensverlust könnte es an der ein oder anderen Stelle geben", sagt Borst, "aber die meisten Mitbürger haben genügend Weitsicht und lassen sich nicht einschüchtern." Doch würden sicherlich Frauen als potenzielle Opfer ein besonderes Problem der Verarbeitung haben, räumt er ein.

Die massenhaften Gewalttaten junger Migranten in Köln haben erste Auswirkungen für den Schutz von Veranstaltungen in Remscheid. Auch der Lenneper Karnevalszug könne alkoholisierten Gewalttätern eine Bühne bieten. "Darüber müssen wir uns Gedanken machen", sagt Borst. So soll Unterstützung der Bereitschaftspolizei angefordert werden. Mit dabei sei ein Beweissicherungstrupp, der mit Videokameras ausgerüstet sei. Ob die Remscheider Einsatzkräfte auch zahlenmäßig aufgerüstet werden können, sei jedoch noch unklar, so der Polizeichef. Bereitschaftspolizisten würden am Rosenmontag in großer Zahl in Köln und Düsseldorf benötigt. "Und wir sind schließlich keine Karnevalshochburg", sagt Borst.

In den ersten 100 Diensttagen in Remscheid hat sich der 32-jährige gebürtige Landberger, der seit 1998 in NRW und derzeit in Königswinter lebt, ein erstes Bild der Stadt gemacht. Eine Spätschicht im Streifenwagen gehörte dazu. Eine Schlägerei unter Verwandten, Hausfriedensbruch, Zechprellerei gehören zum Routineprogramm solcher Streifenfahrten. "Es gibt in Remscheid was zu tun", sagt Borst, doch wirkliche Brennpunkte oder Kriminalitätsprobleme sieht er nicht.

Die Notunterkünfte für Flüchtlinge hat die Polizei in diesen Tagen besonders im Blick, nicht erst seit den jüngsten Vorfällen in der Unterhölterfelder Straße. Doch seien die Anlässe für Polizeieinsätze dort bisher meist gering gewesen, berichtet Borst. So entzündeten sich Streitigkeiten meist an Kleinigkeiten wie einer Steckdose zum Aufladen des Smartphones. Nächtliche Ruhestörungen seien in der kühleren Jahreszeit zurückgegangen, Übergriffe auf Frauen seien bisher nicht bekannt geworden.

Die Zahl der Einbrüche sei insgesamt zwar rückläufig, doch habe der jüngst erfolgte Überfall auf Pfarrer B. in Lennep, bei dem ein Asylbewerber aus Düsseldorf als ein Täter ermittelt wurde, gezeigt, wie bedrohlich das Deliktfeld sein kann.

Quelle: RP
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