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Remscheid
Polizeigewerkschaft: Personalnot bleibt

Remscheid. In Remscheid gibt es rund 107 Polizisten. Im Gegensatz zu anderen Behörden ist im Bergischen in diesem Jahr nicht mit einem Rückgang zu rechnen. Dennoch bleibt die Personaldecke sehr dünn. Die Gewerkschaft fordert Maßnahmen. Von Martin Oberpriller

Für die Nachwuchskräfte ist es augenblicklich eine reichlich stressige Zeit. Denn momentan stecken landesweit über 1300 künftige Polizisten in ihren Abschlussprüfungen. So müssen die Beamtenanwärter zum Ende ihrer dreijährigen Fachhochschulausbildung zunächst noch eine Bachelor-Arbeit schreiben, ehe sie dann ab September als frischgebackene Polizisten in ihren neuen Revieren auf Streife gehen werden.

Dabei dürften in diesen Tagen aber nicht nur die Nerven der "Frischlinge", wie die jungen Kollegen von erfahrenen Beamten genannt werden, ordentlich angespannt sein. Vielmehr schauen auch die potenziellen Vorgesetzten zurzeit mit Argusaugen auf die Prüfungen, da von deren Ausgang maßgeblich abhängt, mit wie vielen zusätzlichen Kräften die einzelnen Polizeibehörden demnächst rechnen können.

Beispielsweise sind laut aktuellem Plan für das Polizeipräsidium Wuppertal, zu dem unter anderem Remscheid gehört, genau 7,46 Stellen mehr als noch vor Jahresfrist vorgesehen, wie jetzt ein Sprecher des zuständigen NRW-Innenministeriums auf Anfrage unserer Redaktion bestätigte. Doch nach Einschätzung von Insidern lässt sich mit einem solchen Zuwachs der schon länger bestehende Personalmangel bei der Polizei kaum ausgleichen - zumal selbst hinter diesem eher bescheidenden Plus weiter Fragezeichen stehen.

"Die Zahl der fertigen Polizeischüler ist für uns jedenfalls nur ein Tropfen auf den heißen Stein", sagte der Kreisverbandsvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) im Bergischen Land, Michael Wenz, gestern. Der nun in Aussicht gestellte Zuwachs, der der Gewerkschaft vom Ministerium im Übrigen noch gar nicht mitgeteilt worden sei, bedeute in der Realität nämlich pro Stadt gerade einmal eine einzige Streifenwagen-Besatzung mehr, gab Wenz zu bedenken, der dementsprechend einmal mehr eine nachhaltige Aufstockung der Neueinstellungen bei der Polizei verlangte.

So schleppten viele Kollegen nach wie vor eine sprichwörtliche Unmenge an Überstunden mit sich mit, ohne dass die Aussicht bestehe, dies nachhaltig zu ändern, hieß es bei der DPolG, die darüber hinaus bezweifelt, dass sich das angestrebte Stellenplus am Ende überhaupt realisieren lässt. Michael Wenz: "Erfahrungsgemäß werden einige Anwärter die Prüfungen gar nicht bestehen."

Tatsächlich kann sich die hiesige Polizei mit der Zahl der neuen Polizisten aber noch glücklich schätzen. Denn in einigen anderen Behörden muss für 2017 sogar mit einer Abnahme der Beamtenzahl gerechnet werden. Der Grund: Der Jahrgang von Polizeischülern, der in diesem Sommer seine Ausbildung abschließt, verkleinerte sich im Lauf der Zeit stärker als sonst üblich, da dieses Mal ungewöhnlich viele der Nachwuchskräfte auf halbem Weg aufgaben.

Von ursprünglich rund 1500 Kandidaten orientierten sich nach und nach 160 bis 180 junge Leute neu, so dass im Innenministerium zuletzt zu außerplanmäßigen Maßnahmen gegriffen wurde, um die Verluste auszugleichen. Etwa, indem die neue Landesregierung die Aufstellung von zwei Einsatzzügen für die Bereitschaftspolizei verschob und 100 neue Angestelltenstellen schuf, so dass mehr Polizisten aus dem Innendienst abgezogen werden können.

Was aus Sicht der Gewerkschaft am grundlegenden Problem aber nichts ändert. "Um die Abbrecherzahlen zu senken, sollten die Inhalte der Ausbildung verändert werden", fordert DPolG-Chef Wenz.

Quelle: RP
 
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