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Remscheid
Probealarm im Center mit Hindernissen

Remscheid: Probealarm im Center mit Hindernissen
Blick auf das Allee-Center vom Rathausturm. Das Einkaufscenter im Herzen der Stadt ist nicht nur über den Rathausplatz, sondern auch von der Alleestraße, aus der Tiefgarage oder vom Theater aus über zahlreiche Zugänge zu erreichen. FOTO: Hertgen (Archiv)
Remscheid. Die Evakuierung des Einkaufstempels bei einer Brandschutzübung dauerte gestern Morgen länger als gedacht. Von Henning Röser und Laura Geuss

Dass die Remscheider eine besonders innige Beziehung zu "ihrem" Allee-Center haben, hatte Center-Managerin Andrea Schwenke zuletzt bei einem Pressegespräch zum im Herbst geplanten Ehrenamtstag sehr positiv hervorgehoben.

Gestern erwies sich die Wohnzimmer-Qualität, die das Einkaufszentrum für viele Bürger hat, als Problem. Bei der unangekündigten Brandschutzübung am Morgen dauerte es länger als geplant, das Center zu evakuieren. Sieben bis acht Minuten wären optimal gewesen, am Ende wurden es vierzehn.

Über die Drehtür der Sparkasse gelangten Kunden während der Evakuierung ins Allee-Center. FOTO: Fotos (2) Jürgen Moll

Die Kunden hätten sich teilweise einfach nicht überzeugen lassen, dass sie das Center verlassen müssen, sagt Schwenke, die selber im Haus unterwegs war, um sicher zu stellen, dass wirklich niemand mehr im Haus war. "Die Leute waren zum Teil tiefenentspannt", berichtet Schwenke. Bei einigen mussten die Mitarbeiter die Aufforderung mehrmals wiederholen. Vor den verschlossenen Türen des Centers, die von Mitarbeitern gesichert wurden, war das Bild anders. Manche Bürger waren bedrückt und verunsichert über die Absperrung, sorgten sich über einen möglichen Anschlag.

"Ich würde mir grundsätzlich wünschen, dass die Menschen das ernster nehmen," zog Schwenke im BM-Gespräch eine erste Bilanz der Übung. Denn nicht jedes Feuer, jeder Notfall sei im weitläufigen Gebäude für die Kunden zu erkennen. Gewisse Brände etwa führten nur zu Gas- oder Rauchaustritten, da sei es wichtig, dass der Alarm ausreiche. Und der war gestern nicht zu überhören. Die Stimme des in Endlosschleife laufenden Bandes forderte die Menschen ab 10.15 Uhr auf, das Haus über die Ausgänge zu verlassen. Das Band sei sehr laut gestellt, der Tonfall der Ansage aggressiv, so Schwenke. Um keine Panik auszulösen, war in der Ansage nicht explizit von einem Brand, sondern von einer "Betriebsstörung" die Rede.

Dass die Evakuierung länger dauerte, hatte noch andere Gründe. Nicht alle Zugänge zum Center waren bei der gestrigen Übung mit Posten besetzt. Während die Mitarbeiter des Sicherheitsteams an den größten Eingängen an der Alleestraße, am Rathausplatz und am Theater alle Hände voll zu tun hatten, den Bürgern zu erklären, warum sie gerade nicht ins Center hinein können, gelangten über die Drehtür der Sparkasse weiter Personen ins Gebäude. So begegnete Andrea Schwenke bei einem Kontrollgang einem ältere Ehepaar, das seelenruhig durch das ansonsten verwaiste Center schlenderte - offenbar ohne sich darüber zu wundern.

Als möglicher Zugang entpuppte sich auch die automatische Schiebetür oberhalb des Stadtwerkebrunnens, die in das Gebäude führt, in dem Arztpraxen, ein Notar und auch die Bergische Morgenpost untergebracht sind. Ein Mitarbeiter des Service-Centers der Stadtwerke reagierte, als sie die Alarmansage hörte, verriegelte die Tür, so dass niemand mehr vom Haus ins Center gehen konnte. Als der Alarm endete, schloss sie die Tür wieder auf. Eigenständig, denn eine Absprache gab es nicht. "Wir wussten nichts von der Übung", sagt Heike Arndt, von der Rechtsabteilung der Stadtwerke, die sich um die Gebäudeverwaltung kümmert.

Auch die Sparkasse sei anders als sonst diesmal nicht informiert worden, sagt Vorstandschef Frank Dehnke. Dass sei nach seiner Information vom Center bewusst so gemacht worden, um Schwachstellen aufzudecken. Wisse die Sparkasse vorab Bescheid, besetze sie den Übergang zum Center mit eigenen Mitarbeitern. Bei Feuer senke sich vor der Drehtür eine Brandtür ab.

Dass nicht alle der zahlreichen Zu- und Ausgänge gestern mit Mitarbeitern des Centers oder des von den Mietern gestellten Sicherheitsteams besetzt waren, sei auch der Ferienzeit geschuldet, sagte Schwenke. Von den 20 bis 30 Kollegen des Teams seien gestern nur zehn im Haus gewesen. Sie gibt zu bedenken, dass es für den Ernstfall Brandschutztüren gibt, die sich schließen und den Zugang zu Bereichen des Centers abschließen. Zudem helfe die Feuerwehr dann noch mit bei der Evakuierung.

Die wusste zwar von der Übung, um bei Anrufen Entwarnung zu geben, blieb aber gestern ansonsten außen vor. "Bei den ersten Brandschutzübungen vor Jahren waren wir noch mit dabei", sagt Horst Bormann, Leiter der Abteilung vorbeugender Brandschutz. Nach einer Gesetzesänderung obliegt dies dem Handel mittlerweile allein. Durch regelmäßige Brandschutz-Begehungen hat Bormann aber einen guten Blick auf das Allee-Center und sein Sicherheits-Konzept: "Die machen das aus meiner Sicht vorbildlich", lobte er gestern die Arbeit.

Quelle: RP
 
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