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Prozess nach Raub auf Remscheider Pfarrer
Jürgen B. spricht über sein Martyrium

Prozess nach Raubüberfall auf Pfarrer Jürgen B. aus Remscheid
FOTO: Sebastian Fuhrmann
Remscheid. In Wuppertal hat der Prozess gegen einen jungen Albaner begonnen, der im vergangenen November einen Lenneper Pfarrer brutal überfallen haben soll. Ein Zeuge, der ein Bekannter des Angeklagten ist, belastet den 28-jährigen mutmaßlichen Täter schwer.  Von Sebastian Fuhrmann

Mehr als vier Monate liegt die Tat zurück, ob Jürgen B. sie jemals ganz verarbeiten wird, ist fraglich. "Das Schlimmste war nicht die Angst vor dem Tod, sondern wie es passieren würde, wie das Messer in meinen Körper eindringen würde", sagt der Lenneper Pfarrer.

Am Dienstag  hat vor dem Wuppertaler Landgericht der Prozess gegen einen 28-jährigen Albaner begonnen, der mit einem noch flüchtigen Komplizen in der Nacht zum 9. November 2015 in das Pfarrhaus St. Bonaventura eingedrungen sein soll. Die Männer sollen den Pfarrer geschlagen, gefesselt und mit dem Messer bedroht haben. "No Money, so I kill you", soll der Beschuldigte gesagt haben. "Ich dachte, ich würde die Nacht nicht überleben", sagte Jürgen B. Als die Diebe ihn mit dem Kabel seines Staubsaugers fesselten, habe er angefangen, das Vater Unser zu beten, später konnte er sich selbst aus den Knebeln befreien und sich zu den Nachbarn flüchten. Der Angeklagte wurde einige Zeit später in Düsseldorf festgenommen. Dort hatte er in einem Asylbewerberheim gelebt, bevor er in Haft ging.

Angeklagter will nur Mitläufer gewesen sein

Leridon P. selbst äußerte sich am Dienstag nicht. Sein Verteidiger verlas eine schriftliche Erklärung. Darin entschuldigte er sich für das Geschehene und gab an, zwar an dem Raub beteiligt, aber nicht der Haupttäter gewesen zu sein. Er sei mit seinem Freund, den er aus einem Flüchtlingslager kennt, in Remscheid unterwegs gewesen, gemeinsam hätten sie in einem Café Bier und Wein getrunken und dabei einen dritten Albaner namens Berti kennengelernt. Der habe an der Hackenbergstraße gewohnt – genau dort liegt auch das Haus von Pfarrer Jügen B. "Als wir vorbeigingen, ging Berti in die offene Garage", hieß es. "Ich ging ihm nach und sagte, komm, wir gehen wieder."

Nach dem ersten von zwei Verhandlungstagen stehen Zweifel hinter der Aussage des Angeklagten. Ein Zeuge, Taulant B., den P. in Remscheid besucht hatte, sagte aus, der Angeklagte habe ihm gegenüber die Tat gestanden. Bislang hatte er geschwiegen. Noch schwerer wiegt: Der Angeklagte sieht dem Mann auf einem Phantombild, das mit Hilfe von Jürgen B. angefertigt worden war, verblüffend ähnlich. Der Knackpunkt ist: Das Bild zeigt den Mann, der Jürgen B., so schildert es der Pfarrer selbst, mit dem Messer bedroht haben soll. Das aber hatte der Angeklagte zuvor abgestritten.

Jürgen B. ist umgezogen

Pfarrer Jürgen B. ist seit dem Raubüberfall in psychiatrischer Behandlung. Wie sehr das Geschehene ihm zusetzt, wurde im Gericht deutlich. Aus dem Pfarrhaus ist er ausgezogen. Ein Attest bescheinigt dem Pfarrer Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung, Depressionen und Schlafstörungen. "Ich wollte, dass das aufhört, deswegen habe ich alles gemacht", sagte B. Mehrfach schleppten die Täter ihn von seiner Wohnung im Erdgeschoss ins Pfarrbüro im ersten Stock, erzählte er. Sei er nicht schnell genug gewesen, hätten die Männer zugeschlagen. Bedroht wurde er mit seinem eigenen Messer, einem Tomatenmesser mit etwa elf Zentimeter langer Klinge.

Die Männer sind wegen besonders schweren Raubes angeklagt. Ihnen droht eine Freiheitsstrafe von mindestens fünf Jahren.

 

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