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Remscheid
Puppenspielerwelt ohne Stop-Taste

Remscheid: Puppenspielerwelt ohne Stop-Taste
Für Puppespieler bietet die Lenneper Altstadt eine ideale Atmosphäre. FOTO: Hertgen Nico
Remscheid. An sechs Spielorten in der Lenneper Altstadt zeigen die Puppenspieler am 10. September 13 verschiedene Stücke. Von Christian Peiseler

Bei einer Puppentheater-Aufführung im Webersaal der Klosterkirche während des Puppenspielfestivals vor zwei Jahren sprang ein Mädchen plötzlich auf und rief: "Kannst du mal eben auf die Stoptaste drücken, ich muss auf die Toilette."

Das Puppenspiel fasziniert auch im Zeitalter der Digitalisierung, wo fast jedes Kind schon ein Handy besitzt und auf dem youtube-Kanal zu Hause ist. Beim Puppenspielfestival vor zwei Jahren in der Lenneper Altstadt herrschte großer Besucherandrang. Den erhofft sich Andreas Meike vom Stadtmarketing Remscheid wieder für den Sonntag, 10. September. An sechs Spielorten im Altstadtkern zeigen die Puppenspieler 13 verschiedene Stücke in 14 Vorstellungen. Auf wechselhaftes Wetter haben sich die Veranstalter eingerichtet. Es gibt für die Aufführungen im Freien Ausweichorte im Trockenen wie die Moll'sche Fabrik, das Rotationstheater und die Räume der Welle.

Markus Heip (r.) ist beim Puppenspielfestival mit dabei. Darüber freut sich das Organisationsteam (l.) FOTO: cip / Archiv

Die Titel der Stücke beziehen sich meist auf die deutsche Märchentradition: "Der Kaisers neue Kleider", "Schneeweißchen und Rosenrot", "Der Häwelmann", "Prinzessin auf der Erbse" oder "Der Froschkönig". Puppenspieler greifen gerne auf Märchenstoffe zurück, weil sich mit ihnen die kindliche Seele zielsicher erreichen lässt. Und nicht nur die kindliche Seele. Die Erzählweise der alten Stoffe wird von markanten Figuren geprägt. Und es gibt immer wieder Variationen der Geschichten, wie es die Puppenspielerin Petra Albersmann vor zwei Jahren zeigte: "Schneewittchen steigt aus" lautet der Titel ihres Stücks. Schneewittchen langweilt sich in der Rolle als wachgeküsste Prinzessin - und wünscht sich ein anderes Ende. Petra Albersmanns Puppenspiel ist morgen Abend in den Räumen der Akademie Remscheid zu sehen (19 Uhr). Es bildet den Auftakt zu einem Puppenspielseminar. Das Kartoffelfest auf dem Alter Markt und der verkaufsoffene Sonntag in der Altstadt finden gleichzeitig zum Puppenspielfestival statt. Das ist ganz nach dem Geschmack der Puppenspieler: Ein voller Bongartshof vor der Klosterkirche zum Beispiel, in dem Familien, vom Enkel bis zur Oma, gemeinsam Theater schauen, steht für ideale Puppenspielfestival-Atmosphäre. Die 14 Vorstellungen finden an diesem Sonntag von 11 Uhr bis 16 Uhr statt. Der Eintritt ist frei. Das ist möglich, weil die Firma Vaillant das Festival sponsert.

Warum hat das Puppenspiel trotz großer medialer Konkurrenz offensichtlich nichts an Anziehungskraft verloren? "Die Kinder kennen sich aus, weil sie selber mit Puppen spielen", sagt Gerd Knecht, Dozent für Spielpädagogik an der Akademie Remscheid. Die Geschichten, die sie mit ihren Puppen spielen, sind Geschichten aus ihrem Leben. Nach dem Spiel fällt nicht der Vorhang wie sonst im Theater üblich. Die Puppen liegen im offenen Kasten oder werden verpackt. Meist wollen die Kinder den bösen Drachen mal streicheln. Wie lebendig so ein geschnitztes Stück Holz werden kann? Imagination, Sprache und Bewegung - mit diesen Elementen lässt sich eine Welt mit ganz eigenen Gesetzen erschaffen. Eine Welt, für die Kinder gerne die Stoptaste drücken, damit sie nichts verpassen.

FOTO: Peiseler Christian
Quelle: RP
 
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