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Remscheid
Radikale Texte, bissige Lieder, scharfe Töne

Remscheid: Radikale Texte, bissige Lieder, scharfe Töne
Felix Janosa liebt es, seine Texte und Lieder wie aus dem Schnellfeuergewehr zu servieren. Er zeigte einen gelungenen Auftritt im Rotationstheater. FOTO: Jürgen Moll
Remscheid. Der Komponist und Kabarettist Felix Janosa feierte im Rotationstheater 75 Jahre deutsch-amerikanische Freundschaft. Von Bernd Geisler

75 Jahre deutsch-amerikanische Geschichte in guten anderthalb Stunden kleinkünstlerisch-satirisch aufzudröseln, abzufackeln und durchzukauen ist kein leichtes Unterfangen. Weder für den Künstler, noch für die Zuschauer. Es scheint auch nicht jedermanns Lieblingsthema zu sein: Im Programm "Die bösen Lieder des Tom Lehrer" des Komponisten und Kabarettisten Felix Janosa waren nur die ersten paar Reihen des Rotationstheaters besetzt.

Gleichwohl schlug er sich angesichts der Fülle seiner Lieder und der Komplexität seines Themas mit Bravour. Es war ein Ritt mit verbalen Seitenhieben über die Stolpersteine des deutsch-amerikanischen Verhältnisses durch die Jahrzehnte von 1941 bis in die Gegenwart. Keine leichte Kost für Klamauk gewohnte Dauergrinser. Eher etwas für die Feinsinnigen, die bissiger Rhetorik und scharfzüngigen Versen den Vorzug geben. Janosa - bekannt durch die Kinderunterhaltung "Ritter Rost" - feuerte seine zum Teil radikalen Texte in Liedform mit Stimme und Klavier wie aus einem Schnellfeuergewehr ab.

Die Lieder klaubte Janosa aus dem Repertoire des amerikanischen Mathematikers und Liedermachers Tom Lehrer (geboren 1928), die Texte schrieb er zusammen mit Wendelin Haverkamp. Vieles erinnerte im Stil an Geog Kreißler. So soll Kreißler sein berühmtes "Tauben vergiften im Park" von Tom Lehrer übernommen haben. Janosa brachte es in der Zugabe. Er zeigte vorher, wie die deutsche Nationalhymne klänge, hätte sie George Gershwin oder Leonard Bernstein geschrieben, warum TTIP damals unnötig war, und dass deutsche Jäger ohne Weiteres mit amerikanischen Amokläufern Schritt halten können.

Während solche gedanklichen Spitzen in Versform noch durch die grauen Zellen kreisten, kam schon das nächste Lied. Zum Beispiel über den Wahnsinn der 1971 aufkommenden Mengenlehre anhand der Subtraktion "342 -173 auf Basis 8" oder über Umweltverschmutzung ("I like to be in America"). Das Programm erforderte volle Konzentration der Besucher, um den Faden nicht zu verlieren. Die einzelnen Moderationen waren so kurz und knapp gehalten.

Am Ende gab es Bra vo-Rufe für den Künstler.

Quelle: RP
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