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Bm-Reihe Die Gesundmacher
Raus aus dem Strudel der Sucht

Remscheid. Drogen-, Alkohol- oder Medikamentenabhängigkeit - es gibt viele Formen der Suchterkrankung. In unserer Reihe in Kooperation mit der Evangelischen Stiftung Tannenhof geht es diesmal um Therapiemöglichkeiten für diese Menschen. Von Stefanie Bona

remscheid Eine Suchterkrankung betrifft Patienten in allen sozialen Schichten. "Überall, wo Menschen zusammentreffen, sind Suchtmittel vorhanden", spielt Dr. Jörg Hilger vor allem auf das große und flächendeckende Angebot von alkoholischen Getränken an und ergänzt: "Legale Suchtmittel sind nicht weniger gefährlich als illegale. Rein medizinisch gesehen hat die Tabakabhängigkeit die gravierendsten Folgen."

Der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie leitet die Abteilung Psychiatrie II der Evangelischen Stiftung Tannenhof und ist in diesem Rahmen auch für die Behandlung von suchtkranken Erwachsenen verantwortlich. Betroffene unter 18 Jahren behandelt die Klinik nicht. Hinzu kommt seine Tätigkeit in der Fachklinik Langenberg, die ebenso zur Stiftung Tannenhof gehört. Hier werden Entzugsbehandlungen von Alkohol, Medikamenten und illegalen Drogen durchgeführt. Weiterhin gibt es ein Behandlungsangebot für Patienten mit Alkoholfolgeerkrankungen sowie zusätzlichen psychischen Krankheiten wie zum Beispiel Depressionen, Angststörungen oder Psychosen. Dort ist auch eine Rehaabteilung angesiedelt.

Manche Menschen haben ein größeres, andere ein kleineres Risiko, an einer Sucht zu erkranken. Grundsätzlich könne aber jeder davon betroffen sein, erklärt Dr. Hilger. Soziale Faktoren könnten genauso ursächlich sein wie neurobiologische Zusammenhänge. Abhängigkeiten entwickeln sich im Gehirn, daher zählen sie zu den psychischen Erkrankungen. Und ihre Behandlung gehört in die Hände eines Psychiaters.

Eines der wichtigsten Instrumente dieses Fachgebiets ist das Gespräch. "Wir müssen klären: Was wird konsumiert, wann und warum hat sich die Sucht entwickelt", erläutert der Mediziner. Bis sich Betroffene fachärztliche Hilfe suchen oder vielleicht zunächst einmal eine Suchtberatungsstelle aufsuchen, verginge mitunter viel Zeit. "Gerade bei jüngeren Patienten gibt es gegenüber weiterführenden Hilfsmaßnahmen oft eine geringe Akzeptanz", ist seine Erfahrung. "Erstmal versuche ich's alleine", sei ein häufig angewandte, aber nicht erfolgversprechende Strategie.

Dabei ist die eigene Motivation unabdingbar, um der Sucht zu entkommen. Am Anfang steht immer eine qualifizierte Entzugsbehandlung, die in der Regel medikamentös unterstützt wird, um Symptome zu lindern. Die reine Entgiftung bei einer Alkoholabhängigkeit dauert etwa drei Wochen, beim Konsum von illegalen Drogen deutlich länger.

Sodann werden weitere Behandlungsschritte eingeleitet, bei denen es entscheidend auch um Aufklärung geht. "Unsere Therapie kann immer nur der erste Schritt sein. Wir müssen die Menschen für Veränderungsprozesse gewinnen", zeigt der Chefarzt auf. Wie und ob ein suchtfreies Leben möglich wird, hänge von verschiedenen Faktoren wie der Grundpersönlichkeit, dem familiären Netz, aber auch vom Suchtmittel, das konsumiert wird, ab.

Bei schweren Suchterkrankungen hält Dr. Hilger viel von Langzeittherapien, die statistisch den besten Erfolg brächten. Da bei dem hierzulande differenzierten Suchthilfesystem verschiedene Kostenträger involviert seien, käme es aber immer wieder an bestimmten Schnittstellen zum Abbruch der Behandlung.

Quelle: RP
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