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Remscheid
Reizgas als letztes Mittel

Remscheid: Reizgas als letztes Mittel
FOTO: ikr
Remscheid. Die Verunsicherung nach den Kölner Angriffen ist groß. Ein Polizeisprecher erklärt, wie man sich schützen soll. Von Tim Harpers, Marleen Heider Luca Krüger und Pina Nazzareno

Während sich Politik und Polizei um die Aufklärung der Geschehnisse bemühen, die sich in der Silvesternacht rund um den Kölner Hauptbahnhof ereignet haben, wächst in der Bevölkerung die Unsicherheit. Kampfsportschulen wie das Kampfkunstzentrum Remscheid bieten in diesen Tagen sogar Sonderkurse an, um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden. Und auch Inhaber von Geschäften, in denen Pfefferspray angeboten wird, sprechen von gestiegenen Verkaufszahlen. Doch was kann man tun, um sich gegen Übergriffe zu schützen? Und wie viel Selbstschutz ist erlaubt?

Die Wuppertaler Polizei warnt vor dem Einsatz von Waffen wie Pfefferspray oder Reizgas. "Natürlich hat jeder Bürger das Recht, seine eigene Haut zu schützen", sagt Polizeisprecher Stefan Weiand. "Der Einsatz von Waffen - und Reizgas ist nichts anderes - sollte aber das letzte Mittel sein." Wer solche Waffen einsetzt, muss damit rechnen, dass der Angreifer noch aggressiver reagiert. Die beste Möglichkeit, sich zu schützen, bestehe darin, solchen Situationen aus dem Weg zu gehen. "Machen Sie sich nicht alleine auf den Weg", sagt Weiand, "meiden Sie Orte, die unübersichtlich sind, und wenn Sie sich unsicher oder bedroht fühlen, wählen sie die 110. Die Kollegen werden innerhalb von kürzester Zeit vor Ort sein." Wer dennoch in eine gefährliche Situation gerate, solle auf sich und seine Situation aufmerksam machen. "Rufen Sie um Hilfe, und sprechen Sie Menschen gezielt an, von denen sie Hilfe wollen." Es sei immer besser zu sagen "Du, hilf mir" als nur um Hilfe zu rufen.

Wem das nicht nutzt, der kann sich auf das Notwehrrecht berufen. "Wenn Sie Angst um Ihr Leben haben, dürfen Sie sich natürlich auch körperlich zur Wehr setzen", erläutert der Polizeisprecher. Wichtig sei dabei immer die Verhältnismäßigkeit. "So wie es die Notwehr gibt, gibt es auch die Überschreitung der Notwehr. Sie können nicht jemanden Pfefferspray ins Gesicht sprühen, der sie nur seltsam angesehen hat", sagt Weiand.

Gerd Lehmann vom Kampfkunstzentrum Remscheid gehört zu denen, die nach den erschreckenden Vorfällen in der Silvesternacht umgehend reagiert haben. "Wir haben angesichts der Ereignisse einen Selbstverteidigungs- und Selbstbehauptungskursus für Frauen eingerichtet", sagt er. "Ich habe den Eindruck, dass Verunsicherung herrscht. Seit Köln bekommen wir viele Anrufe von Frauen, die sich beraten lassen wollen." Auch sein Kollege Thomas Wollscheid von der Wing-Tsun-Schule Lennep hat festgestellt, dass sich in den vergangenen Wochen etwas verändert hat. "Wir bekommen immer mehr Anrufe besorgter Eltern", sagt er. "Es gibt jede Menge Beratungsbedarf. Wir reden in unseren Kursen viel über das, was passiert ist. Die Verunsicherung ist groß."

Quelle: RP
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