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Feuerwehr-Einsatz
62-Jährige verbrennt in ihrer Wohnung

Frau stirbt bei Brand in Remscheid
Frau stirbt bei Brand in Remscheid FOTO: Patrick Schüller
Remscheid/Wuppertal. Für die Anwohner des Hauses an der Leverkuser Straße war das Opfer psychisch auffällig. Gewag stellt neue Unterkunft zur Verfügung. Von Christian Preiseler

Vor zwei Tagen schlug der Rauchmelder in der Dachgeschosswohnung an der Zeppelinstraße 42/Ecke Leverkuser Straße Alarm. Rechtzeitig erreichten die Feuerwehrleute das Haus. Essen war angebrannt. Kein größerer Schaden. Aber zurück blieb ein schlechtes Gefühl - zumindest bei den Bewohnern des Hauses. Die 62-jährige Mieterin der Wohnung im dritten Stockwerk sei in jüngster Zeit psychisch sehr auffällig gewesen. Das wusste dort jeder.

In der Nacht zu Dienstag kam jede Hilfe zu spät. Als die Feuerwehr gegen zwei Uhr in der Nacht in der Leverkuser Straße eintraf, schlugen bereits die Flammen aus dem Dachgeschoss. Durchs Treppenhaus zog schwarzer, giftiger Qualm. Die 62-jährige Frau lag hinter ihrer Wohnungstür. Die Feuerwehrleute konnten nur noch den Leichnam ins Freie tragen. Heute kommen die Fachleute der Kriminalpolizei ins Haus, um die Brandursache festzustellen.

Ingo Klamm (48) wohnt in der unteren Etage des Gewag-Hauses. Er lag noch im Halbschlaf, als es an seiner Türe heftig pochte. "Feuer, Feuer, Feuer", rief eine Stimme. "Ich bin aufgesprungen, habe schnell meine Hose angezogen, mein Portemonnaie eingesteckt und bin weg", erzählt Klamm. Er blickte durchs Treppenhaus - keine Chance, da raufzulaufen, um noch jemanden zu retten.

Wenn Leon Feiter (18) nicht in dieser Nacht beschlossen hätte, länger als üblich im Internet zu surfen, wären vielleicht noch mehr Menschen verletzt oder gar getötet worden. Er wohnt mit seiner Mutter schräg gegenüber des Unglücksortes. "Ich hätte das Feuer gar nicht mitbekommen, weil ich schon geschlafen habe", erzählt seine Mutter Anja Feiter (39). Als er den Qualm aus dem Dachgiebel steigen sah, sei er sofort heruntergerannt, über die Straße geflitzt und habe heftig an die Haustüre geschlagen. Unterstützung erhielt er von einem Mädchen aus einem anderen Haus, wie Augenzeugen berichten.

Djavit Gashi (46) war erst kurz vor Ausbruch des Brands mit seiner Frau von einer Feier zurückgekehrt. Die "Feuer"-Rufe und das Gepolter hätten ihn aus dem Schlaf gerissen. Genauso wie Nada Marenicowic. Sie wohnt direkt unterhalb der immer wieder auffällig gewordenen Mieterin. Am Morgen nach der Brandnacht steht die Frau, die seit 40 Jahren in Remscheid lebt, mit einem blauen Plastiksack in der Hand vor dem Haus und schaut verzweifelt: "Ich habe nur noch das, was ich am Leib trage." Ihre Wohnung kann sie nicht betreten. Die Polizei hat alles verriegelt. Ihre Tochter aus Serbien weilt zu Besuch. Die Nacht konnte sie in der Nachbarschaft unterkommen. "Aber meine Freundin hat nur ein Bett."

Gestern Nachmittag traf sich bei der Gewag ein Krisenstab. Der Gewag gehören die Häuser in Lennep. Ihre Aufgabe war es, für die fünf betroffenen Mietparteien eine neue Unterkunft zu finden. "Keiner wird auf der Straße stehen", versprach Uwe Manthei von der Gewag. Manthei geht davon aus, dass es wohl einige Zeit dauern werde, bis das Haus wieder beziehbar ist.

Wäre der Tod der 62-Jährigen vermeidbar gewesen? "In meinen Augen hatte die Frau eine Psychose", sagt Ingo Klamm. Durch seine Zeit als Zivildienstleistender in der Stiftung Tannenhof kennt er sich ein wenig aus mit psychisch erkrankten Menschen. Vor allem in den letzten fünf, sechs Wochen habe sich ihr Zustand dramatisch verschlechtert.

Als Nada Marenicowic vor drei Wochen aus dem Urlaub kam, stand ihre Wohnung unter Wasser. Von oben, aus der Unglückswohnung, drang es in die Wände ein. Die Tapeten lösten sich langsam ab.

Immer mehr Müll habe sich vor der Opfer-Wohnung angesammelt. Das Brandopfer habe auch schon mal auf dem Speicher geschlafen, nur mit einer dünnen Decke bekleidet. Und die körperliche Hygiene habe die Frau stark vernachlässigt, so dass den Nachbarn immer ein beißender Geruch in die Nase stieg, wenn man ihr begegnet sei.

Über den Zustand der Frau sei eine Sozialarbeiterin und die zuständige Betreuerin informiert worden, sagen die Nachbarn. "Warum hat man die Frau nicht in ein Krankenhaus gebracht?", fragt Marenicowic.

Die zuständige Betreuerin war gestern nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

(lnw/veke)