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Mit Andreas Meike
Remscheid braucht den Stadtteilpatriotismus

Remscheid. Der Leiter des Stadtmarketings setzt darauf, dass das neue Wir-Gefühl der Bürger die Stadt weiter nach vorne bringen wird.

Herr Meike, wenn Sie einem Chinesen erklären wollen, warum es sich lohnt, in Remscheid zu leben, was sagen Sie?

Meike Remscheid liegt traumhaft schön und bietet traumhaft schöne Ecken. Remscheid verfügt über hervorragende Schulen und erstklassige Kindergärten. Und Remscheid kann auf eine Unternehmenslandschaft verweisen, die ganz viele berufliche Perspektiven bietet. Man sagt, Remscheid sei lebens- und liebenswert. An diesem Satz ist eine ganze Menge dran.

Viele Bürger meckern aber über ihre Stadt. Was können Sie dagegen tun?

Meike Ich bin ganz froh, wenn die Menschen etwas mäkeln. Es darf nicht ins Pöbeln verfallen. Auf einer sachlichen Ebene können wir daraus lernen. Wir als Stadtmarketing können daraus schließen, was denn vom Bürger gewünscht ist. Wir versuchen darauf zu reagieren und das Wohlfühlgefühl zu steigern.

Muss man als Marketingfachmann die Stadt schönreden?

Meike Nein, das brauche ich nicht. Das muss ich ehrlich sagen. Das wäre eine fatale Geschichte. Wenn man ertappt wird, irgendetwas anders dargestellt zu haben als es tatsächlich ist, dann ist das ein fürchterliches Eigentor. Wie müssen ehrlich miteinander umgehen. Mein Ziel ist es, wenn die Menschen die Stadt verlassen, dass sie sagen, ich komme aus Remscheid, und nicht sagen, ich komme aus dem und dem Stadtteil oder aus der Nähe von Köln.

Was kann die Stadt von anderen Städten lernen?

Meike Es gibt einen unterschiedlichen Umgang mit Themen. Zu Beispiel Sauberkeit. Remscheid ist eine relativ saubere Stadt. Wie besetze ich so ein Thema? Man kann sich hinstellen und sagen, hier ist alles schmutzig. Wir werden alle bestrafen, die irgendeine Ordnungswidrigkeit in dieser Richtung begehen. Oder man kann so wie wir auch an die Leute appellieren und sagen, es ist doch dein Wohnbezirk, achte doch ein bisschen darauf.

Gibt es etwas Vorbildliches an der Stadt?

Meike Ich halte zum Beispiel die Remscheider Kultur für eine Stadt dieser Größenordnung für sehr, sehr gut. Jetzt steht die "Nacht der Kultur" vor der Türe, und ich merke, wie engagiert und interessiert die Bürger sind. Das gibt es nicht in vielen Städten. Das sind Sachen, mit denen wir punkten können. Auch im Sport und Schulbereich gibt es Dinge, die wir immer wieder betonen sollten. Es gibt natürlich auch Entwicklungen, mit denen wir kämpfen.

Es gibt viele Feste in der Stadt. Ist Remscheid eine Feierstadt?

Meike Nein, aber die Remscheider können feiern. Und mit den verschiedenen Festen werden alle Gruppen bedient. Ich finde es großartig, wie engagiert die Ehrenamtler da sind.

Markanter Einschnitt im Stadtmarketing war die Löwenparade. Hat sich dadurch das Wir-Gefühl der Stadt geändert?

Meike Ja. Ich habe mich kürzlich mit zwei Geschäftsführern von großen, international tätigen Unternehmen unterhalten. Ich habe gemerkt, dass sie einen starken Bezug zu Remscheid haben. Sie sahen Remscheid nicht nur als Standort an, sondern als Heimat des Unternehmens. Ich habe den Eindruck, dass viele Menschen durch die Löwenparade einen kleinen Ruck bekommen haben und sagen, hier ist es toll. Alle müssen daran arbeiten, dass es auch toll bleibt und noch schöner wird. Die Identität der Stadt ist dadurch jedenfalls gestärkt worden.

Es gibt immer noch einen Stadtteilpatriotismus, ausgeprägt in Lennep und Lüttringhausen. Stört das Ihre Arbeit?

Meike Ich halte das für perfekt. Wenn ich weiß, da sind Menschen, denen ist ihr Stadtteil oder ihre Straße wichtig, dann weiß ich auch, diese Menschen haben ein Auge drauf, die kümmern sich drum. Das Schlimmste, was passieren könnte, wäre eine allgemeine Gleichgültigkeit. Den Stadtteilpatriotismus braucht man.

Wo steht Remscheid in fünf Jahren?

Meike Noch weiter vorne.

Was bringt die Stadt nach vorne?

Meike Ich glaube, es ist dieses neue Wir-Gefühl. Und wir arbeiten an großen Projekten wie das DOC und das Kino, um nur zwei zu nennen.

Wird es noch mal eine ähnliche Aktion wie die Löwenparade geben?

Meike Das will ich nicht ausschließen. Wichtig wäre uns, dass wir wieder Remscheid zum Mittelpunkt haben und natürlich wieder möglichst viele Remscheider einbinden. Wir machen uns auf jeden Fall Gedanken dazu.

DAS GESPRÄCH FÜHRTE CHRISTIAN PEISELER

Quelle: RP
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