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Remscheid
Remscheids Potenziale entwickeln

Remscheid: Remscheids Potenziale entwickeln
Dorothee Mügge ist die Nachfolgerin von Charles Wesseler. FOTO: Nico Hertgen
Remscheid. Dorothee Mügge ist neue Leiterin der Kunstschule. Sie verfolgt bei den Schulkooperationen eine langfristige Strategie. Von Christian Peiseler

In den Bewerbungsgesprächen um die Leitung der städtischen Kunstschule überzeugte Dorothee Mügge die Kommission vor allem dadurch, dass sie keine Projekte vorstellte, und nicht versuchte, wohl formuliert mit dem Üblichen zu glänzen. Überzeugend wirkte ihre Haltung, mit der sie die Arbeit in Remscheid aufnehmen will.

"Ich bin Künstlerin", sagt die 42-jährige Mutter einer dreieinhalbjährigen Tochter auf die Frage, was ihr Beruf sei. Künstlerin sein bedeutet, die Welt mit offenen Sinnen wahrzunehmen und sich auf seine Umwelt einzulassen. Seit gut einem Monat lebt Mügge in Remscheid. Von Hamburg kommend, fällt ihr erster Eindruck über die Stadt ausgesprochen positiv aus. "Ich finde Remscheid spannend, weil es so viele Potenziale bietet", sagt sie. Viel spannender als Hamburg, wo vieles schick und geleckt sei. Leerstände auf der Alleestraße, Ein-Euro-Laden, renovierungsbedürftige Häuser - der künstlerische Blick der neuen Leiterin sieht darin keine Zeichen des Verfalls, sondern Möglichkeiten, um etwas zu entwickeln und zu gestalten.

Mügge, die an der Universität in Halle ihr Studium der Kunst absolvierte, und einige Jahre in St. Gallen in der Schweiz an einer Waldorfschule arbeitete, will nicht gleich den Alltag der Kunstschule umkrempeln. Die offene Grundstruktur bleibt. Jeder, ob jung oder alt, kann die Schule besuchen und ausprobieren, was er gerne machen will. Fürs neue Schuljahr hat die Musikschule neue Honorarkräfte eingestellt. Hakan Eren, Jens Mühlhoff und Tim Löhde. Alle drei verbindet, dass sie den Zugang zur Kunst an der Kunstschule in Remscheid gefunden haben. Sie wissen, welche Wirkung die Beschäftigung mit Kunst auf die Entwicklung der Persönlichkeit hat.

"Malen kann jeder", sagt Mügge. Ihr kommt es darauf an, welche Erfahrungen mit dem Malen, oder mit dem Drucken oder Musizieren gemacht werden. Sie selbst habe mal versucht, Oboe zu lernen. "Ich war eine lausige Spielerin, aber wichtig war für mich, dass ich gemerkt habe, wenn ich mich intensiv damit beschäftige, kann ich etwas schaffen."

Sie strebt auch weitere Kooperationen mit den Schulen an. Für eine fruchtbare Zusammenarbeit braucht es aber einen langen Atem. Sie will nicht nur mit Kompetenz die Schulen unterstützen, sondern eine Haltung zur Kunst und zum Leben implementieren. Der Kunstunterricht müsse sich grundlegend ändern. Eine Aufgabe nach der anderen zu erledigen, das kann nicht der Sinn sein. "Die Schüler lernen so nicht, sich mit dem zu verbinden, was sie tun", sagt Mügge, die auch Bildungswissenschaften studiert. Um den Virus Kunst dauerhaft ins Schulsystem einzuschleusen, braucht es Zeit. "Wenn wir es in 20 Jahren geschafft haben, hätten wir viel erreicht", sagt sie.

Mügges Eltern sind Landwirte in Schleswig-Hostein. Durch ihre Jugend auf dem Bauernhof ist ihr schon früh klargeworden, dass sie einen Beruf ausüben will, der sich nicht vom Leben trennt. Als Künstlerin lebt sie diese Einheit. Lässt sich diese auch als Angestellte der Stadt Remscheid durchhalten? Sie lacht. Einen grundsätzlichen Widerspruch kann sie nicht erkennen. Ihre Wahrnehmungsfähigkeit als Künstlerin höre nicht im Büro auf. Im Gegenteil. Zurzeit entdeckt sie in Remscheid viele Potenziale.

Quelle: RP
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