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Jens Nettekoven
Ringen um Remscheid und Afghanistan

Jens Nettekoven: Ringen um Remscheid und Afghanistan
Als CDU-Landtagsabgeordneter traf Jens Nettekoven den früheren afghanischen Präsidenten Hamid Karsai in Düsseldorf. Karsai dankte dem Remscheider für seinen Einsatz als Soldat in Afghanistan. FOTO: privat
Remscheid. Der CDU-Politiker Jens Nettekoven war als Soldat Bodyguard hochrangiger Persönlichkeiten und hat auch den schwedischen König beschützt. Einsätze in Afghanistan haben ihn geprägt. Als früherer Ringer mahnt er Standfestigkeit in der Politik an.

Beim Besuch von Hannelore Kraft am Dienstag bei Schumacher Precision Tools an der Küppelsteiner Straße haben Polizisten Sie für den Bodyguard der Ministerpräsidentin gehalten. Ein Zufall?

Nettekoven Vielleicht nicht, denn ich bin ausgebildeter Personenschützer. Ich habe als Soldat den damaligen Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat, beschützt. Was man einmal gelernt hat, vergisst man nicht. Ich habe Kujau in Berlin und Brüssel teilweise rund um die Uhr begleitet. Der Generalinspekteur ist der ranghöchste Militär in Deutschland und ist bei Staatsbesuchen häufig dabei. Bin viel mit ihm gereist und habe viel gesehen, unter anderem gab es Begegnungen mit George Bush senior und junior, Bill Clinton und Wladimir Putin.

Gab es auch mal brenzlige Situationen?

Nettekoven Der Generalinspekteur ist höchster Uniformträger, die potenzielle Gefahr ist immer da. Er hat damals in Brüssel gewohnt. Eines Abends stieg an seinem Haus ein Einbrecher über den Zaun, der offenbar nicht wusste, dass das Haus so extrem bewacht war. Der Alarm schlug an, und wir mussten den General in einen Schutzraum bringen, bis die Situation bereinigt war.

Sie waren als Soldat auch in Afghanistan. Was haben Sie dort erfahren?

Nettekoven Dass zwischen Freude und Trauer nur wenige Stunden liegen können. Am 28. Mai 2011 ist bei einem Anschlag auf den General Kneip ein Personenschützer gestorben, mit dem ich am Tag zuvor noch Fußball gespielt habe. Wir hatten in 18 Wochen 16 Tote. Wenn man mitbekommt, wie Kameraden sterben, geht einem das tief unter die Haut. Ich wünsche den Afghanen, dass sie bald wieder in Frieden und Freiheit leben können. Seit meinem Einsatz dort lebe ich bewusster. Ich schätze einfache Dinge wie fließendes Wasser und ein Bad.

Neulich gab es eine persönliche Begegnung mit dem früheren afghanischen Präsidenten Hamid Karsai.

Nettekoven. Das war Mitte April. Karsai war in Berlin und auch in Düsseldorf. Er hat dort mit der CDU-Landtagsfraktion gesprochen. Armin Laschet erzählte ihm, dass ich in Afghanistan war. Er hat mich gefragt, wo ich gedient habe und sich persönlich bei mir bedankt.

Sie haben in Afghanistan mal den schwedischen König Carl Gustav beschützt.

Nettekoven Ja, davon gibt es ein Foto. Das habe ich meiner Oma geschickt.

Sie sind Präsident des Ringerbundes NRW und waren früher selbst aktiv. Sollte das Ringen nicht zur Grundausbildung von Politikern gehören?

Nettekoven Den sportlichen Ehrgeiz, sich vorzubereiten und fit zu halten, das alles braucht man auch in der Politik. Mein Freund Pasquale Passarelli ist 1984 Olympiasieger geworden, weil er 85 Sekunden lang die Brücke gehalten hatte, dadurch wurde er berühmt.

Wie quälend ist es, als Politiker in der Brücke zu bleiben?

Nettekoven In der Kommunalpolitik gibt es auch extrem schwierige Entscheidungen, zuletzt etwa bei der Erhöhung der Grundsteuer B. Man bekommt nicht nur freundliche Briefe, muss den Druck aushalten und braucht einen langen Attem. So aktuell etwa bei dem Thema Lärmschutz an der A 1. Wer dort wohnt, dem muss geholfen werden.

Was bedeutet für Sie Opposition?

Nettekoven Wir sind in Remscheid nicht in der Opposition, denn es gibt keine Mehrheit im Rat der Stadt. Wir haben unser Profil, das wollen wir behalten. Das erste Jahr hat gezeigt, dass man über Parteigrenzen miteinander spricht, arbeitet und Anträge anderer Fraktionen mittragen kann.

Das klingt nach großer Harmonie.

Nettekoven Das klingt so, ist aber nicht so. Beim Berufskolleg, den Gewerbeflächen, der Grundsteuer B gibt es eine klare Position der CDU. Schade finde ich, dass es im Rat mitunter immer noch zu persönlichen Anfeindungen kommt. Das muss nicht sein. Ich würde mir manchmal mehr Gelassenheit und Wertschätzung wünschen.

Die CDU wird in diesem Jahr 70 Jahre alt. Gerade unter Merkel ist die Partei zunehmend in die politische Mitte gerückt. Hat ihr das gut getan?

Nettekoven Die CDU ist die Mitte. Was ich ihr als Soldat übel genommen habe ist, dass sie die Wehrpflicht ausgesetzt hat. Da geht es um Grundwerte, für die wir stehen. Der Bundeswehr hat das geschadet und gesellschaftlich fehlt jetzt was. Auch sollte die CDU nicht versuchen, die Sozialpolitik der SPD zu kopieren, dann wählen die Bürger lieber das Original. Dass unsere Politik aber insgesamt nicht schlecht sein kann, zeigt unser Vorsprung im Bund. In Remscheid sind wir stärkste Fraktion, nur im Land müssen wir uns von dem Tief der vergangenen Landtagswahl erholen.

DAS GESPRÄCH FÜHRTE BERND BUSSANG

Quelle: RP
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