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Remscheid
RöGy-Schüler kümmern sich um Stolpersteine

Remscheid. Sie erinnern an die Schwestern Löwenthal sowie an Hedwig Rohs und ihren Sohn Alfred. Sie alle wurden 1942 aus Lennep deportiert. Dank Johann Max Franzen und fünf Neuntklässlern des Röntgen-Gymnasiums (RöGy) strahlen die Stolpersteine an der Kölner Straße 48 wieder. Gestern übergab Franzen, der sich sieben Jahre lang um die Steine in Remscheid kümmerte, die Pflege für die 16 Lenneper Stolpersteine an die Schule ab. Von Anna Mazzalupi

Aus Altersgründen kann der 74-Jährige das Säubern der 180 gravierten Messingplatten im gesamten Stadtgebiet nicht mehr alleine fortführen. Umso glücklicher ist er, nach dem Leibniz-Gymnasium in Lüttringhausen weitere Paten mit dem RöGy gefunden zu haben. Dabei sind noch vier weitere Schulen. Die Steine, die der Kölner Künstler Gunter Deming kreierte, erinnern an die Deportation von Juden, Homosexuellen, politisch Verfolgten oder Euthanasieopfer in der NS-Zeit. Damit die Erinnerung nicht verblasst, müssen die Stolpersteine zweimal im Jahr mit Metallpolitur, feinster Stahlwolle und einem Tuch poliert werden.

Künftig werden das die Neuntklässler des RöGy für den Gänsemarkt, die Kölner Straße und die Hermannstraße übernehmen. Der thematische Bezug wird in den drei Geschichtskursen besprochen. "Die Pflege ist auch als außerschulischer Lernort toll", sagt Lehrerin Kirsten Kluge. Kollege Philipp Prinz band die Stolpersteine in diesem Jahr zum ersten Mal mit in den Unterricht über den Nationalsozialismus ein und stellte einen lokalen Bezug zu Lennep her. Die Schüler sehen durch die Steine, dass die Geschichte direkt zu Hause und nicht nur woanders stattgefunden habe, ergänzt die Fachvorsitzende Claudia Rüß.

Zwar kannten einige der Schüler die Steine bereits. Bewusst wahrgenommen haben sie diese aber nicht, räumen etwa Jens Cornils (14) und Leonie Henninger (15) ein. "Jetzt, wo man mehr weiß, achtet man aber auch mehr darauf", betont Henninger. Daniel Pilz (15) rieb gemeinsam mit Agni Mitra (15) vorsichtig die feine Stahlwolle unter Anleitung von Franzen über die Steine. Seine Meinung: Durch die Aktion werde die Geschichte noch ein Stück mehr erfahrbar.

"Nachdem wir ein Tagebuch aus Sicht eines Betroffenen schreiben sollten, hat mich die Zeit fasziniert. Ich wollte tiefer in das Thema einsteigen", erklärt Mitra. Dass seine Schule nun an der Pflege beteiligt ist, finde er gut, weil so dazu beigetragen werde, dass den Menschen die Steine wieder auffallen. "Das ist eine Ehre, das machen zu dürfen", sagt Mitschülerin Liz Bulitz (15).

Quelle: RP
 
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