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Remscheid
Saitenkünstler der Meisterklasse

Remscheid. Zum Auftakt des Internationalen Gitarren-Festivals lieferte die Guitar Night vier Stunden satte Saitenklänge und eine stilistische Vielfalt. Die Zuhörer waren begeistert und forderten Zugaben. Von Bernd Geisler

Der Höhepunkt gibt den Startschuss: Die "Guitar Night" des 38. Internationalen Bergischen Gitarrenfestivals in der Akademie Remscheid leitete diesmal den Konzertreigen dieses renommierten Festivals ein. Motivierender konnte das Programm für den Rest dieser Gitarrenwoche für die über 70 Kursteilnehmer nicht sein.

Doch auch alle anderen Zuhörer gingen nach vier Stunden Gitarrenmusik, nur kurz unterbrochen von frischem Kölsch und leckeren Frikadellen, mit satten Saitenklängen in Herz und Ohren nach Hause.

Die gespielte Musik sprudelte aus mehreren Jahrhunderten und reichte bis in die Gegenwart, umspannte von Irland über Amerika bis nach Afrika den gesamten Erdball und bot so einen respektablen Überblick darüber, was mit diesem Instrument alles anzustellen ist. Es war eine außergewöhnliche Gitarrennacht der Meisterklasse. Ungehörte Virtuosität und überwältigende Kreativität in jedem Beitrag, feinfühliges Empfinden für Sinn und Ton mit jedem Anschlag, akkurate Technik bei jedem Fingerdruck sowie physisch spürbarer, individueller musikalischer Ausdruck bis in jede Fingerspitze. Selbstredend jeder nach seiner Art.

Die noch sehr junge Chinesin Liying Zhu (geboren 1990) bestach durch brillant-klare, technische Sauberkeit. Stellenweise schillerten ihre elegischen Töne wie flirrende Libellenflügel über einer glitzernden Wasseroberfläche, um im nächsten Stück sich rasant wie Schmitz' Katze davonzumachen.

Der nur wenig älterer Denis Schmitz (geboren 1989) entfachte mit seiner Vorliebe für südamerikanische Musik auf seiner 7-saitigen Gitarre ein glimmendes Sambafeuer im Herzen jedes Zuhörers.

Sein kreativer Ausflug mit "In her Family" (Pat Metheny) in den Jazz ließ aufhorchen. Er hatte das Stück für seine Solo-Gitarre selbst umgeschrieben. Gary Ryan, Professor für Gitarre am "Royal College of Music" in London, entlockte mit der schier unglaublich variablen Behandlung seiner Gitarre enthusiastischen Beifallsjubel. Im ersten Teil seiner Dreiviertelstunde bewies er locker-flockig, dass ihm jeder Stil von Klassik bis Jazz genehm ist. Mit geschlossenen Augen klang seine Gitarre wie ein ganzes Ensemble mit allem Drum und Dran.

Im zweiten Teil ließ er in seinen Eigenkompositionen das Enfant terrible in sich von der Leine: Irrsinniges Fingertapping und behände Flageoletttöne führten in einem "von Afrika inspirierten" Stück hin zu Anreißen der Saiten, Klopfen und Trommeln auf Korpus und Hals sowie spontanes Umstimmen einzelner Saiten während des Spiels. Er konnte es aber auch schmusig folkloristisch: Während seiner irischen Ballade schlich sich der Geschmack Irischen Whiskeys auf die Zunge.

Durch eine vom Publikum stürmisch geforderte Zugabe bereitete er mit witzigen und ungeahnten Tönen den Boden für den Jazzer Bruno Müller zusammen mit Andy Gillmann (Schlagzeug) und Rolf Fahlenbock (Bass).

Noch um kurz vor Mitternacht riss das Trio die Leute von den Stühlen. Sie beendeten diese grandiose Guitar Night mit Charlie Parkers "Cherokee" und bewiesen, dass Bebop der 1940er durchaus kein alter Hut ist.

Quelle: RP
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