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Remscheid
Sana-Mitarbeiter protestieren gegen Personalmangel

Remscheid. Nicole Thiede mag ihren Job und die Kollegen, doch die steigende Arbeitsbelastung setzt ihr schon zu. "Die Arbeit ist immer intensiver geworden", sagte die Gesundheits- und Krankenpflegerin des Sana-Klinikums. Die Patienten würden immer älter und immer pflegebedürftiger, zugleich sei die Zahl der zu betreuenden Patienten deutlich angestiegen, erzählte die 28-Jährige. Die Folge: Der Stress wird immer größer. "Oft können wir die Leute, die zu uns kommen, gar nicht mehr richtig kennenlernen", bedauerte die Krankenschwester. Von Michael Bosse

Gestern Mittag konnte sie immerhin einen Teil ihres Frusts los werden. An der bundesweiten Protestaktion der Gewerkschaft verdi, mit der auf den Personalnotstand in den Krankenhäusern hingewiesen werden sollte, beteiligten sich auch Ärzte, Krankenschwestern, Pfleger und Verwaltungsmitarbeiter des Klinikums. Für zehn Minuten hielten sie ein weißes Blatt mit einer Zahl hoch: als Mahnung an die 162 000 Arbeitsplätze, die nach Angaben der Gewerkschaft bundesweit in den Krankenhäusern fehlen. Im Remscheid nahmen rund 130 Mitarbeiter am Sana-Klinikum an der Aktion teil, weitere 70 Personen demonstrierten am Gelände der Stiftung Tannenhof in Lüttringhausen.

Auch die Klinikleitung unterstützte die Proteste. "Die Belastungsgrenze ist bei vielen Mitarbeitern erreicht. Die Politik muss sich mit dem Thema auseinandersetzen", sagte der Leiter Unternehmenskommunikation Region West der Sana Kliniken AG, Sascha Schiffler. Laut dem Betriebsratsvorsitzenden Daniel Iglesia Hermans muss derzeit eine Pflegekraft bis zu 40 Patienten versorgen. Es fehle an einer "vernünftigen Personalpolitik".

Auch bei den Ärzten macht sich der Personalmangel bemerkbar. "Man merkt, dass an allen Ecken und Enden ein, zwei Hände fehlen", sagte Tim Decius, Assistenzarzt auf der Station für Innere Medizin. Aufgrund der dünnen Personaldecke müsse er die Gespräche mit den Patienten und die Visiten oft kürzen, um sich mit administrativen Aufgaben zu befassen, erklärt der junge Mediziner, der seit 2013 im Sana-Klinikum arbeitet. Durch die Senkung der Verweildauer der Patienten auf durchschnittlich fünf Tage werde quasi einmal "in der Woche die gesamte Station ausgewechselt", berichtete er. Mitunter müsse er auch Aufgaben des Sozialdienstes übernehmen, weil Mitarbeiter in diesem Bereich fehlten.

Quelle: RP
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