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Remscheid
Schmerzen - und kein Ende

Remscheid: Schmerzen - und kein Ende
Leben mit Migräne und Kopfschmerzen - Peter von Schubert hat schon vieles dagegen unternommen, nun hat er eine Selbsthilfegruppe gegründet. FOTO: J. Moll
Remscheid. Seit 25 Jahren plagen Peter von Schubert Migräneanfälle und Cluster-Kopfschmerzen. Jetzt möchte er anderen Betroffenen helfen und hat eine Selbsthilfegruppe in Remscheid gegründet. Von Verena Kensbock

Am Tag der Geburt seiner Tochter lag Peter von Schubert auf dem Sofa - er hatte Kopfschmerzen. Und zwar nicht nur ein wenig Kopfbrummen. Seit 25 Jahren plagt den IT-Experten eine Mischung von Migräneanfällen und Cluster-Kopfschmerzen. Es startet mit Verspannungen im Nacken, zieht sich dann hoch, die Nase läuft, die Augen tränen, Teile des Gesichts sind gelähmt. "Es ist, als würde mir jemand mit spitzen Nadeln in die Schläfen stechen."

Immer wieder treffen ihn die Kopfschmerzen wie der Schlag, in schlechten Zeiten bis zu drei Mal in der Woche. Wenn er die Symptome der sich anbahnenden Migräne früh genug erkennt, kann er das Schlimmste noch abwenden. Die Medikamente hat er immer dabei "Dann nehme ich meine Tabletten, und alles ist gut, ich kann normal arbeiten gehen." Verpasst er diesen Punkt, trägt er die Schmerzen zwei Tage lang mit sich rum.

Vor zwölf Jahren hatte sein Arzt die Cluster-Kopfschmerzen diagnostiziert. Sich weiterhin nur auf Medikamente verlassen, war keine Option mehr. "Du frisst die Tabletten wie Kekse", sagte der Arzt und schickte Peter von Schubert in eine Kopfschmerzklinik in Königstein. "Der Klinikaufenthalt war für mich erst einmal ziemlich ernüchternd", sagt von Schubert. Denn als erster Schritt stand Entschlacken auf dem Plan. "Viele Erkrankungen kommen aus dem Darm, deshalb musste ich strikte Diät halten." Auch auf die Medikamente musste der heute 48-Jährige verzichten, um den Körper zu entgiften. Nebenbei übte er sich in Entspannung, Yoga und autogenem Training. Zunächst mit Erfolg: Ein halbes Jahr lang hat Peter von Schubert Ruhe und kann zum ersten Mal seit einem Jahrzehnt ohne Kopfschmerzen leben. Dann ging es wieder von vorne los. "Die Therapie hilft, ist aber nicht wirklich alltagstauglich", sagt er heute. "Man kann Stress niemals ganz vermeiden." Einige Gewohnheiten hat er dennoch beibehalten: "Regelmäßig essen, nicht unterzuckern, den Säure-Basen-Haushalt im Gleichgewicht halten." Nur eines könne er nicht lassen: "Ich trinke zu wenig Wasser und viel zu viel Kaffee."

Eigentlich wäre Peter von Schubert dieses Jahr gerne noch einmal in die Migräneklinik in Königstein gefahren, die Rentenversicherung hat die Behandlung aber abgelehnt. Die Begründung: Die klassischen Behandlungsmethoden wurden noch nicht ausreichend ausgenutzt. Stattdessen will er sich nun mit anderen Betroffenen zusammentun und hat mit seiner Bekannten Sandra Becher eine Selbsthilfegruppe für Menschen gegründet, die wie er an Migräne leiden. Am 25. November fand das Gründungstreffen statt, im Januar soll sich die Selbsthilfegruppe dann zum ersten Mal treffen. Er hofft, auf diese Weise anderen Betroffenen helfen zu können. "Ich habe noch immer bis zu 15 Mal im Monat Kopfschmerzen, aber ich habe einen Weg gefunden, damit klarzukommen." Auch wenn das für ihn bedeutet, Einschränkungen hinnehmen zu müssen: Peter von Schubert nimmt regelmäßig Medikamente mit starken Nebenwirkungen. Aber auch in sein privates Leben greift die Krankheit ein. "Ich muss mir ganz bewusst Lücken im Kalender lassen und darf nicht in Freizeitstress verfallen." Und er sei gezwungenermaßen ein geduldiger Mensch. "Wenn ich im Stau stehe, muss ich ganz gelassen bleiben, um keine Kopfschmerzen zu riskieren."

Ein wenig Hoffnung bleibt Peter von Schubert. Er will eine Therapie ausprobieren, die bisher nicht auf seinem Behandlungsplan stand: Elektrostimulation soll gegen Migräne und Cluster-Kopfschmerzen helfen. Und er setzt auf die Zeit. "Bei vielen Patienten verschwindet der Schmerz mit 50 - ich bin jetzt 48." Vielleicht haben seine Schmerzen bald doch ein Ende.

Quelle: RP
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