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Remscheid
Schöne Dinge aus der JVA finden viele Käufer

Remscheid. Einmal im Jahr lädt die Justizvollzugsanstalt Remscheid zum Weihnachtsbasar ein und trifft damit stets auf eine riesige Resonanz. Auch am Samstag war der Knast wieder Anlaufpunkt für die Freunde handwerklich und kunsthandwerklich gefertigter Dinge. Von Stefanie Bona

Erstmals mussten die Besucher aber einen Gang quer übers JVA-Gelände unternehmen, um dem Basar besuchen zu können. Vom Hauptgebäude hatte man den Verkauf in die Gefängniswerkstätten verlegt, wo sich der Publikumszustrom besser verteilte und sich die einzelnen Bereiche wirkungsvoller präsentieren konnten. Damit auch schwere Einkäufe, wie etwa massiv gebaute Vogelhäuser in der klassischen oder der "Schöner wohnen"-Variante nicht nur mit Muskelkraft zum Auto geschleppt werden mussten, wurden Bollerwagen gegen einen Pfand verliehen.

Damit konnte dann die "Villa Amrum" oder die "Villa Bornholm" transportiert werden. "Wir können die Produkte und generell unser Angebot hier einfach viel besser zeigen", erklärte Detlef Böttcher, Leiter der Schlosserei. Dort stießen die Besucher auf einen hochmodernen Maschinenpark, in dem beispielsweise Grills oder Unterstände für Mülltonnen aus hochwertigem Edelstahl gefertigt werden. 29 Häftlinge gehen hier täglich ihrer Arbeit nach. Als zertifizierter Betrieb, der der Handwerkskammer Düsseldorf angehört, bildet die JVA-Schlosserei auch aus. Derzeit lernen vier Gefangene den Beruf des Schweißers. Meist werden dazu Inhaftierte ausgewählt, die kurz vor der Entlassung stehen. "Mit einer abgeschlossenen Ausbildung in der Tasche, gibt es eine gute Chance auf Wiedereingliederung", ist Böttcher überzeugt.

Reger Betrieb herrschte genauso in der Schuhmacherei, wo viele Leute die Qualität des in der JVA produzierten Schuhwerks lobten. Während in früheren Jahren hin und wieder ausgewählte Insassen beim Verkauf während des Basars mithelfen durften, hat man darauf inzwischen verzichtet. Diese Entscheidung trage letztlich dem Sicherheitsaspekt Rechnung, erklärte Detlef Böttcher.

Besonders beliebt war erneut die große Auswahl an Waren aus der Arbeitstherapie, wie Türschilder, Kinderspielzeug, Insektenhotels und Adventsdeko. In diesem Bereich der Anstalt erfahren viele Gefangene erstmals wieder eine Struktur in ihren Leben und werden an den Arbeitsprozess herangeführt.

"Das ist alles wirklich sehr schön gemacht. Man sieht, dass das Handarbeit ist - ganz im Gegensatz zu dem Einheitsbrei in den Geschäften", staunte Uta Kosanetzky, die zum ersten Mal den Basar in der JVA besuchte. Vom großen Angebot war sie beeindruckt und hatte auch einige hübsche Dinge erstanden. Außerdem lobte die Remscheiderin den Sinn, der hinter der Produktion im Gefängnis steckt: "Die Menschen sollen ja beschäftigt werden, damit sie sich weiterentwickeln können." Dies könne man anerkennen, indem man den Basar in Lüttringhausen besuche.

Quelle: RP
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