| 00.00 Uhr

Remscheid
Schornsteinfeger in der dritten Generation

Remscheid: Schornsteinfeger in der dritten Generation
Wenn der Vater mit dem Sohne: Schornsteinfeger Norbert Rauin (r.) mit Sohn Bastian. FOTO: J. Moll
Remscheid. Norbert Rauin geht nach 50 Jahren in den Ruhestand. Der "schwarze Mann" aus Dhünn, der auch für Teile Lenneps zuständig war, übergibt den Bezirk an seinen Sohn Bastian. Rauin Seniors größter Wunsch: "Ausschlafen bis acht Uhr!" Von Walter Schubert

Am Montag, 31.Juli 2017, ist offiziell der letzte Tag für Norbert Rauin (65), Schornsteinfeger aus Dhünn-Neuenhaus. Nach 50 Jahren geht er in den Ruhestand und sein spontaner Wunsch heißt: "Ausschlafen bis acht Uhr!". Er fügt dann aber lachend hinzu: "Wahrscheinlich klappt das nicht".

Die Tage begannen immer um 6.30 Uhr, und so braucht es wohl erst einmal eine Umgewöhnung. 1969 war er mit der Ausbildung fertig, arbeitete als Geselle und legte später seine Meisterprüfung ab. 1992 übernahm er den Bezirk von seinem Vater Egon Rauin und nun steht tatsächlich die dritte Generation am Start: Sohn Bastian (34) übernimmt seinen Bezirk, und das ist nicht automatisch und selbstverständlich. "Man muss sich für einen Bezirk bewerben", sagt Bastian Rauin. "Die Auswahl erfolgt nach einem Punktesystem und durch die Bezirksregierung in Düsseldorf wird der Bezirk dann zugewiesen." Vater Norbert ist stolz und glücklich, dass es so weitergeht. "Bastian hat durch viele Seminare und Weiterbildungen Punkte gesammelt. Aber es gehört auch ein bisschen Glück dazu".

So bleibt der Bezirk Bergisch Born, der Südbezirk von Remscheid und ein Teil von Lennep das Arbeitsgebiet für den Schornsteinfeger aus Dhünn. Die Zuweisung gilt für sieben Jahre, dann muss er sich für "seinen Bezirk" wieder neu bewerben. Rauin Senior bezeichnet seinen Beruf auch als Hobby. "Es gibt tausende von Kunden, viele kenne ich noch von meinem Vater. Die persönlichen Kontakte, die über viele Jahre entstanden sind, waren schön und wichtig", sagt er. In ein tiefes Loch wird er aber nicht fallen, ist er sich sicher. Er wird seinen Sohn unterstützen, Termine übernehmen - und dann warten ja noch die Enkel Emil (fast 3 Jahre) und Ella (2 Monate). Der Garten braucht Zuwendung und vielleicht gibt es mit Elektro-Fahrrädern ein neues Hobby.

Zusammen mit Ehefrau Andrea sind Reisen geplant: Lieblingsziel ist Spanien mit der Insel Mallorca. "Schön vor einer Finca sitzen, abseits vom Touristentrubel - vielleicht gönnen wir uns das zukünftig öfter", schwärmen die beiden.

Für Sohn Bastian war schon früh klar, dass er den Beruf des Schornsteinfegers wählen würde. "Ich bin einfach in den Betrieb hineingewachsen", sagt er. Und der Beruf hat sich mächtig gewandelt. Während früher nur die Reinigung der Schornsteine die Aufgabe war, sind heute viele weitere Arbeiten hinzu gekommen. "Als noch mit Kohlen und Briketts geheizt wurde mussten die Schornsteine ja wesentlich öfter gereinigt werden. Bei modernen Heizungen ist das ja nicht mehr so intensiv", erklärt Norbert Rauin.

Während der Bezirk für die nächsten Jahre sicher ist und die Abrechnung nach der Gebührenordnung erfolgen, stehen andere Dienstleistungen im Wettbewerb. Der moderne Schornsteinfeger bietet Beratungen für Brandschutz an, führt Messungen durch und ist für bauliche Abnahmen und Prüfungen von Feuerstätten und Heizungsanlage zuständig und verantwortlich. "Es gibt immer neue technische Entwicklungen und neue Gesetze. Über alles muss man sich informieren, Seminare besuchen und sich ständig weiterbilden", sagt Bastian Rauin. "Man muss am Ball bleiben, aber so wird es auch nie langweilig".

Aus der großen Verantwortung ist Vater Norbert ab Anfang August raus. Und vielleicht klappt es ja dann auch mit dem ausschlafen.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Remscheid: Schornsteinfeger in der dritten Generation


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.