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Remscheid
"Schulessen zu sichern, ist ein Kraftakt"

Remscheid: "Schulessen zu sichern, ist ein Kraftakt"
Das hat geschmeckt: Ihre Teller haben die Kinder beim Mittagessen in der OGGS Menninghausen gut geleert, als der BM-Fotograf gestern Mittag vorbeischaute. Der Trägerverein " Die Verlässliche" legt viel Wert auf gesunde Kost. FOTO: nico hertgen
Remscheid. Viele Eltern können die Essensbeiträge nicht bezahlen. Der OGGS-Träger "Die Verlässliche" hilft bei Zuschussanträgen. Von Solveig Pudelski

Knurrende Mägen soll es in Remscheider Schulen nicht geben. Alle Kinder in Offenen Ganztagsgrundschulen (OGGS) sollen satt werden, auch wenn ihre Eltern von Hartz IV leben oder nur ein kleines Budget haben und knapp 50 Euro Essensgeld im Monat pro Kind nicht aufbringen können, lautet das Credo. Die Versorgung mit Essen für alle zu sichern, sei jedoch ein Kraftakt, räumt Gerda Spaan ein, Geschäftsführerin des Vereins "Die Verlässliche", der Träger von 15 OGGS ist. "Wir wollen nicht, dass Kinder aus unverschuldet in Not geratenen Familien am Nebentisch nur ein Butterbrot essen." Fakt sei aber, dass es auf der Einnahmeseite unter der Rubrik "Mittagessen" hohe Außenstände gibt, während die Versorgung mit gesunder Kost weiterläuft - und damit auch die Ausgaben für Nahrungsmittel, Personal und Reinigung der Küche.

Etwa 60 Prozent der Remscheider Grundschüler werden im Offenen Ganztag gefördert und ernährt. Für das Mittagessen und das Frühstück vor dem Unterrichtsbeginn zahlen die Eltern extra, neben dem OGGS-Beitrag. "Rund ein Drittel der Eltern kann das Essen nicht bezahlen", bilanziert Spaan. Zwar gibt es eine finanzielle Unterstützung für sozial Schwache, aber der damit verbundene bürokratische Aufwand sei hoch. Erste Anlaufstelle für Hilfe suchende Eltern seien die Träger. "All dieser Verwaltungsaufwand geht am Ende zu Lasten der eigentlichen Arbeit", beklagt sie.

Aus drei Quellen können die finanziellen Hilfen in Anspruch genommen werden: aus dem Landesfond, vom Förderverein Möhrchen und aus dem Topf des Bildungs- und Teilhabepakets (BUT). Einen Eigenanteil von einem Euro pro Mahlzeit sollen auch arme Eltern tragen. Doch selbst 16,66 Euro überfordere Hartz IV-Familien finanziell, vor allem, wenn sie mehrere Kinder haben, weiß Spaan aus vielen Gesprächen. Der Haken sei zudem das komplizierte Antragsverfahren, das die meisten nicht verstehen. Spaan spricht von einem "Bürokratiemonster". Ohne Hilfe durch die Schulsozialarbeiter und vor allem OGGS-Mitarbeiter würden die Familien die Gelder nicht abrufen. Die Verwaltungskosten der Verlässlichen allein für die Bearbeitung dieses Bereichs verschlinge jährlich 25 000 Euro, berichtet Spaan. Rund 500 BUT-Empfänger führt ihr Sohn Matthias Spaan, der die Schulsozialarbeit für den Verein koordiniert, in der Kartei. Doch auf den Essenspreis wolle man die Mehrkosten nicht draufschlagen. Auch an der Essensqualität werde nicht gespart.

Zuschüsse zum Mittagessen gibt nach wie vor der Remscheider Förderverein Möhrchen - derzeit für 130 Kinder, deren Eltern selbst den Eigenanteil nicht zahlen können. "Bezahlt wird außerdem das Frühstück für 375 Kinder", berichtet Vorstandsmitglied Jörg Biermann. Das Spendenaufkommen sei leicht zurückgegangen. Womöglich glauben viele, dass die BUT-Mittel reichen oder Schulfördervereine in die Bresche springen, schätzt Biermann. "Wir müssen daher weiter um Spenden für Möhrchen werben."

Quelle: RP
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