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Remscheid
Seelischer Beistand in Trauer und Not

Remscheid: Seelischer Beistand in Trauer und Not
Pfarrer Ulrich Geiler in der Jacke der Notfallseelsorger. Seit 20 Jahren ist er für den Kirchenkreis Lennep aktiv. FOTO: Moll, Jürgen (jumo)
Remscheid. Ulrich Geiler organisiert die Notfallseelsorge im Kirchenkreis Lennep. Meist hilft sie bei Todesfällen in der Familie. Von Michael Bosse

Wo andere sich abwenden und vom Elend fremder Menschen nichts hören wollen, da muss Ulrich Geiler Trauer und Ohnmacht aushalten. Der 52-jährige Pfarrer ist im Kirchenkreis Lennep für die Organisation der Notfallseelsorge zuständig. Mehr als 100 Einsätze als Notfallseelsorger hat er selbst schon hinter sich, viele Begegnungen mit trauernden und verzweifelten Menschen er- und durchlebt. Das ist nicht immer leicht und bisweilen auch psychisch belastend, dennoch sagt der Pfarrer nach fast 20 Jahren Tätigkeit in dem Bereich: "Die Arbeit erdet mich. Ich kann mir nicht vorstellen, das nicht mehr zu tun."

Im November 1996 wurde die Notfallseelsorge im Kirchenkreis Lennep aus der Taufe gehoben. Derzeit werden im Bereich des Kirchenkreises zwei Bereitschaftssysteme für die Notfallseelsorge gefahren: eines für Remscheid, Radevormwald und Hückeswagen, ein zweites für Wermelskirchen und Dabringhausen.

Mehr als 30 Pfarrer und zahlreiche ehrenamtliche Kräfte stehen für die Einsätze zur Verfügung. Rund um die Uhr hat eine Person Bereitschaft. Im Remscheider Bereich wird das System unterstützt von der katholischen Kirche und Pfarrer Jürgen Behr sowie der Baptistengemeinde in der Schützenstraße und Pastor André Carouge.

Bei Einsätzen der Feuerwehr, der Polizei oder des Rettungsdienstes werden die Notfallseelsorger alarmiert. "Wir werden im Durchschnitt so fünf bis sechs Mal im Monat gerufen", erzählt Geiler. Die meisten Einsätze drehten sich aber nicht um Verkehrsunglücke wie Bus- und Zugunfall oder Katastrophen wie auf der Loveparade in Duisburg. Mehr als die Hälfte der Einsätze in den vergangenen zwei Jahrzehnten fanden statt, weil ein Mensch eines natürlichen Todes gestorben war und die Angehörigen Trost und Beistand brauchten.

Wer Menschen in ihrer Trauer und Not beistehen will, muss vor allem zuhören können. "Ich versuche, für Menschen einen Raum zu schaffen, in dem sie merken: 'Ich bin nicht allein gelassen!'", erklärt er. Den Angehörigen müsse die Möglichkeit gegeben werden, ihre Gefühle auszudrücken und zum Beispiel bei einem Todesfall in der Familie Abschied zu nehmen. Und da er ein Vertreter der Kirche ist, bietet er auch an, mit den Angehörigen zu beten.

Angesichts der sinkenden Mitgliederzahl in der Kirche, der Probleme beim theologischen Nachwuchs und des Rückgangs bei den Pfarrstellen sei die Arbeit der Notfallseelsorger immer mehr auf die Unterstützung durch Ehrenamtliche angewiesen. In einer Grundausbildung beim Landespfarramt für Notfallseelsorge in Bonn werden den ehrenamtlichen Anwärtern die theoretischen Grundlagen vermittelt, ein Praktikum bei der Feuerwehr liefert die Erfahrungen aus dem praktischen Leben. (Weitere Infos unter: notfallseelsorge@kklennep.de)

Geiler möchte seine Tätigkeit als Notfallseelsorger nicht mehr missen - auch wenn die Arbeit in der Gemeinde nach manch nächtlichem Einsatz schwer fällt und er nie weiß, wann das Telefon klingelt und wohin er gerufen wird. "Notfallseelsorge ist eine echt Herausforderung. Jede Situation ist anders!", sagt der Pfarrer. Das sei das Schöne und das Bewegende an der Arbeit.

Quelle: RP
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