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Remscheid
Seitenverkehrte Inklusion

Remscheid: Seitenverkehrte Inklusion
Blick ins Atelier der Freien Accademia Honsberg. FOTO: Peiseler
Remscheid. Bürgerstiftung Remscheid unterstützt die "Accademia Honsberg". Von Christian Peiseler

Zu den Merkmalen von Kreativität gehört es, die Perspektive zu wechseln. In der "Freien Accademia Honsberg" sollen Malkurse dies bewirken. Die Beschäftigung mit der eigenen Ausdruckskraft soll den Gedanken der Integration umkehren.

Gestern und heute hält sich eine Gruppe von Menschen mit geistiger Behinderung in dem Haus Halskestzraße 24 auf. Die Räume hat die Gewag an die beiden Künstler Dorota Feicht und Thomas Hoffmann vermietet. Sie bilden einen weiteren Teil der im Wachsen begriffenen Künstlerkolonie, wie sie seit zwei Jahren in dem Stadtteil entsteht. Dazu gehören die Kunstwerkstatt "Ins Blaue", das Theater Filidonia oder das "Ministerium für harte Kultur". "Wir fangen mit den Menschen mit geistiger Behinderung an, und integrieren langsam die anderen Menschen in den Kurs", sagt Thomas Hoffmann. Der Umgang mit Farben und Formen diene zunächst einmal dem Bedürfnis, etwas von sich auszudrücken. Die Menschen, die gestern vom heilpädagogischen Zentrum Burscheid nach Remscheid anreisten, haben einen, wenn man so will, unmittelbaren Umgang mit Farben. Eine solche Unbefangenheit hilft, sich von falschen Erwartungen zu trennen. "Jeder muss erst mal seinen Stil entdecken, aus sich herausgehen. Die Technik kommt später", sagt Hoffmann.

Auch die Bürgerstiftung Remscheid hat Gefallen an dem Projekt gefunden. Der Antrag auf Unterstützung eines Kaufs von Ateliertischen musste die Jury des Kulturausschusses ablehnen. Er entsprach nicht den städtischen Förderrichtlinien für freie Kulturarbeit. "In diesem Fall ist die Bürgerstiftung gerne eingesprungen, weil wir Kunstprojekte dieser Art immer gefördert haben", sagt Karl-Heinz Humpert. Der Kulturausschussvorsitzende ist auch Mitglied im Vorstand der Bürgerstiftung. Die Stiftung finanziert sich zum großen Teil durch die Remscheider Zahnärzte, die das Zahngold ihrer Patienten verkaufen und den Erlös spenden.

Quelle: RP
 
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