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Remscheid
Selbsthilfegruppen sind kaum noch gefragt

Remscheid. Vorsitzender Karl-Heinz Bobring: Das Internet kann den intensiven Austausch nicht ersetzen. Von Anna Mazzalupi

In 35 Jahren verändert sich einiges. Der Förderkreis für psychosoziale Betreuung und Selbsthilfeinitiativen Remscheid, kurz FPBS, feierte am Samstag bei Musik und Häppchen sein 35-jähriges Bestehen mit vielen Mitgliedern und Weggefährten im Neuen Lindenhof. Dabei warf der Vorsitzende des Dachverbandes für Selbsthilfe in Remscheid, Karl-Heinz Bobring, auch einen Blick zurück.

"Sich eine Selbsthilfegruppe zu suchen, hat stark nachgelassen", sagte Bobring. Das Verständnis von Austausch mit ebenfalls Betroffenen, wie es noch die Gründungsmitglieder 1981 hatten, sei heute nicht mehr in dieser Form vorhanden. Stattdessen versuchten die Menschen mit Erkrankungen im Zuge des immer stärker werdenden Individualismus, die neue Lebenssituation mit sich selbst auszumachen.

"Viele denken, in den Gruppen wird nur über die Krankheit geredet. Aber wenn ich sehe und erlebe, dass nicht nur über die Krankheit gesprochen wird, sondern gelebt, gefeiert und geholfen wird, dann ist das ein Grund, sich dort wohl zu fühlen", betont der Vorsitzende. Der Tod sei zwar zwangsläufig Thema. Aber es gebe auch viele positive Beispiele, die wieder Mut machten. In vielen Fällen seien zwischen Gruppenmitgliedern enge Bindungen entstanden.

Manche der bis zu 25 Mitliedergruppen des Förderkreises haben es allerdings schwer. Einige, wie die Krebsselbsthilfegruppe, existieren nicht mehr, weil die Mitglieder verstorben oder zu alt geworden sind. Bobring wünscht sich deshalb für die Zukunft, dass auch Jüngere wieder Verantwortung übernehmen und sich engagieren. Das Internet biete zwar viele Infos, aber: Sich mal richtig über die schweren Seiten und Herausforderungen von Krebs, Multiples Sklerose, Alkoholsucht oder Depressionen "auszukotzen", funktioniere am Monitor nicht.

"Selbsthilfegruppen werden dringender für die Gesellschaft benötigt, als jemals zuvor", betonte auch Sozialdezernent Thomas Neuhaus in seiner kurzen Ansprache. Aus eigener Erfahrung wisse er, wie wichtig der Austausch und Kontakt zu Menschen ist, die ähnliches durchmachten. Damit Betroffenen die Hemmschwelle zur Kontaktaufnahme genommen wird, forderte Bobring die Verantwortlichen der verschiedenen SHGs auf, mehr über aktuelle Aktivitäten der Gruppe auf der Homepage des Förderkreises zu berichten. "www.selbsthilfe-rs.de".

Quelle: RP
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