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Kirchenchöre aus Lennep und Remscheid
Ein Konzert, das lange nachklingt

So war das Passionskonzert der Kirchenchöre Lennep und Remscheid
Hae Min Geßner hatte den größten Anteil der Soli, trotzdem war ihre Rolle in der Lukas-Passion die einer Außenstehenden. FOTO: Jürgen Moll
Remscheid. Mit einem bewegenden Passionskonzert präsentierten sich die Kirchenchöre aus Lennep und Remscheid samt Solisten und Bergischen Symphonikern am Karfreitag. Auf den Applaus verzichteten sie. Von Theresa Demski

Am Ende ist es still. Niemand in der Lenneper Stadtkirche wagt es, sich zu bewegen. Das Licht geht aus. Und einem alten Herrn in der letzten Reihe läuft eine Träne über die Wange. "Denn Jesus Christus. Gottes Sohn; der wird die Himmelstür auftun, mich führ'n zum ew'gen Leben": Die vereinten Kirchenchöre aus Remscheid und Lennep hatten für die letzten Zeilen des großen Passionskonzertes noch einmal alle stimmlichen Kräfte mobilisiert, hatten ihren Choral, der den Schlusspunkt von Telemanns Lukas-Passion markiert, mitgefühlt.

Und sicher hätte sich das große Publikum gerne bedankt. Sicher hätte es gerne den Solisten, dem großen Chor, den Symphonikern zugejubelt. Aber die Musiker selbst hatten sich diese Stille zum Ende des Konzerts gewünscht. Nicht umsonst. Denn mit dem respektvollen und bewegten Schweigen werden Musiker und Zuschauer nicht nur der Musik, sondern auch der Geschichte dieses Tages gerecht.

Die hatten Chor, Solisten und Symphoniker zuvor so eindrucksvoll und im besten Sinne vollmundig erzählt, dass sich ihrer Wirkung wohl kaum ein Zuschauer entziehen konnte. Richard Resch hatte mit starker Stimme die biblische Erzählung übernommen, den Zuhörer durch das Geschehen begleitet - vom Wachen und Beten im Garten Gethsemane bis ans Kreuz auf Golgatha.

An seiner Seite präsentierte sich eine Auswahl beeindruckender Solisten: Jae Hyoung Kim sang die Jesus-Worte. Berührend und entschlossen, nachklingend und überzeugend. "Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun", sang er nach den Jahrhunderte alten Tönen Telemanns. Und: "Ich befehle meinen Geist in deine Hände." Er malte jene Bilder in die Köpfe seiner Zuhörer, die eine Passionsgeschichte braucht, die sie nachwirken lässt. Daniel Tilch als Petrus, Dong Hyung Ahn als Pilatus und Jeong Myeong Lee als Übeltäter verbrachten ähnliches an seiner Seite.

Am Rande des Geschehens und doch im Fokus stand Sopranistin Hae Min Geßner: Bestritt sie zwar den größten Anteil der Soli, war ihre Rolle aber doch die einer Außenstehenden. Betrachten, reflektieren, kommentieren - ihre Arien gaben jenen Gefühlen Raum, die einen bei Verrat, Kreuzigung und Tod einholen wollen. An einem anderen Tag, in einem anderen Stück, hätte das Publikum mit begeistertem Szenenapplaus nicht gespart.

Die Remscheider Kantorin Ursula Wilhelm und ihr Lenneper Kollege Johannes Geßner wechselten sich auf dem Dirigenten-Pult indes ab: Gekonnt und sicher führten sie ihre Sänger und auch die Symphoniker durch das Stück. Streicher, der ein oder andere Holzbläser und der Pianist am Cembalo schickten jene Töne durch die Kirche, die Georg Philipp Telemann 1744 auf Papier gebracht hatte. Zuweilen beinahe heiter, nicht vergleichbar mit den schweren, manchmal pathetischen Melodien Bachs, klangen jene Töne der Lukas-Passion - und doch nicht oberflächlich. Manch ein Zuhörer hätte sich wohl einen größeren Anteil für die vereinten Chöre gewünscht, die nur selten, aber stimmgewaltig zum Einsatz kamen. Sie vertonten die Stimme des Volkes am Wegesrand, die zu Telemanns Zeiten von der Gemeinde übernommen worden waren. Der Komponist konnte ja nicht ahnen, dass seine Passion eines Tages in der Stadtkirche zum Besten gegeben würde - mit einem begeisterten, überzeugten und ernsthaftem Chor.

Quelle: RP
 
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