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Remscheid
So werden Schüler zu Lebensrettern ausgebildet

Remscheid. Sana-Klinikum startet am Röntgen-Gymnasium ein Pilotprojekt. Sie lernen Menschen wiederzubeleben. Von Stefanie Bona

Kaum hat die Veranstaltung in der Aula des Röntgen-Gymnasiums begonnen, kippt Nele um. Zwei Helfer tragen sie zur Bühne und überlegen laut, was jetzt wohl zu tun ist. "Und warum hast du das gesehen und nicht geschaut, was da los ist?", will Julia Weber von einem Schüler in den vorderen Reihen wissen. Doch zur Beruhigung aller steht Nele wieder auf. Mit diesem etwas turbulenten Einstieg sollte den Gymnasiasten eine Situation verdeutlicht werden, vor der ein großer Teil der Bevölkerung Angst hat.

"75 Prozent aller Deutschen wissen nicht, wie sie sich in einem solchen Fall verhalten sollen", sagt die junge Assistenzärztin für Anästhesie und Notfallmedizin am Remscheider Sana-Klinikum. 2004 hat sie selbst am RöGy Abitur gemacht und freut sich, dass sie an ihrer Schule ein wichtiges Thema zur Sprache bringen kann. Im Rahmen eines Pilotprojektes werden alle RöGy-Schüler ab der siebten Klasse zu "Lebensrettern" ausgebildet.

Ein Team von Notärzten, Rettungsassistenten, Intensivpflegekräften erklärt an drei Tagen, wie im Notfall eine effektive Herz-Lungen- Wiederbelebung durchgeführt werden kann. Vor dem Training in kleineren Gruppen wurde den Pennälern gestern die Dringlichkeit vor Augen geführt, im Fall des Falles helfen zu können. Als Philip vor das Auditorium trat, wurde es ruhig in der Aula. Der heute 18-Jährige erlitt vor fast genau einem Jahr während eines Übungsleiterlehrgangs in der Sporthalle Jan-Wellem-Straße einen Herzstillstand. "Ich lag da ohne Herzschlag", erzählte er. Dass der sportliche junge Mann lebt, er heute wieder gehen, essen und flüssig reden kann, verdankt er ganz entscheidend Khesrau Azadzoy. Er erinnerte sich an das, was er bei einem Ersthelferlehrgang erfahren hatte. "Das, was ich dort gelernt hatte, habe ich gemacht." Trotz Nervosität und Unsicherheit führte er eine Herz-Druck-Massage und eine Mund-zu-Mund-Beatmung durch. Parallel wurde mit der Notrufnummer 112 sofort der Rettungsdienst verständigt. Rettungsassistent Rainer Berger und seine Kollegen übernahmen die Wiederbelebung, brachten den Defibrillator zum Einsatz und wurden sogar noch von den Laien unterstützt. "Es war wie in einem Action-Film und ich war mittendrin", schilderte der Lebensretter jene dramatischen Momente.

Genau wie Philip ist auch seine Mutter Annette Cramer dem beherzt eingreifenden Mann zutiefst dankbar. "Philip hatte Glück, dass er auf Menschen traf, die geholfen haben", sagte sie. Nach einer Zeit im künstlichen Koma musste ihr Sohn alle grundlegenden Fähigkeiten neu erlernen. Julia Weber und ihre Kollegen möchten Jugendlichen Mut machen, sich eine Wiederbelegung zuzutrauen. "Ab der siebten Klasse sind sie sowohl körperlich als auch mental dazu in der Lage", betont die Medizinerin. Und sie hofft, dass die Schüler als Multiplikatoren die gewonnenen Erkenntnisse in ihre Familien tragen. "Prüfen, Rufen, Drücken" ist dabei die eingängige Kurzformel für das Ansprechen des Bewusstlosen, die Verständigung der Rettungskräfte und den sofortigen festen Druck auf die Mitte des Brustbeins, der 100 bis 120 Mal pro Minute erfolgen sollte.

Quelle: RP
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