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Remscheid
Spanier suchen eine Zukunft in Remscheid

Remscheid: Spanier suchen eine Zukunft in Remscheid
Gruppenbild auf dem Rathausvorplatz: José Ramón Álvarez-Orzáez (Mitte), Projektleiter beim Bundesverband spanischer sozialer und kultureller Vereine, hilft dem Rückkehrer José Ramón Calderón-Ocete (l.) und Raúl Lara-Gallego, der vor acht Monaten nach Remscheid zog, bei Behördengängen. Beide Familienväter verließen ihre krisengebeutelte Heimat, um hier eine neue Existenz aufzubauen. FOTO: Jürgen Moll
Remscheid. Die Wirtschaftskrise auf der Iberischen Halbinsel veranlasst Menschen, in der Werkzeugstadt eine neue Chance zu suchen. Der Bundesverband spanischer sozialer und kultureller Vereine begleitet sie dabei – zwei Beispiele. Von Cristina Segovia-Buendía

Raúl Lara-Gallego (32) und José Ramón Calderón-Ocete (48) haben einiges gemeinsam: Sie sind beide Familienväter, haben jeweils zwei Kinder, kommen beide aus Spanien und wohnen seit knapp einem Jahr in Remscheid. Die zwei Männer mussten ihre Familien in der krisengeplagten Heimat zurück- lassen um, auf der Suche nach Arbeit und Sicherheit, ihr Glück in Deutschland zu finden.

Für beide war der Schritt nicht einfach, doch die aktuelle Situation machte es für beide Männer unmöglich, weiterhin in Spanien die Familie zu ernähren. Zwei Jahre lang war Lara-Gallego arbeitslos. Als nach dem Bauboom die Immobilienblase platzte, verlor der ungelernte Arbeiter aus Valencia seinen Job in der Baubranche.

"Mit 16 schmiss ich die Schule und arbeitete erst mal als Erntehelfer", erzählt der 32-jährige Familienvater. "Danach kam ich zum Bauwesen." In Spanien ist es nicht üblich, vorher eine Ausbildung abzuschließen. Man lernt vor Ort, von älteren und erfahrenen Kollegen. Doch mit der Immobilienkrise kam auch die Arbeitslosigkeit. "Zwei Jahre lang bekam ich Arbeitslosengeld. Damit kamen wir mehr schlecht als recht über die Runden, aber es war immerhin etwas", erzählt er. Nach zwei Jahren ohne Job wurden die Zahlungen eingestellt. "So ist das in Spanien. Wenn die Zeit abläuft, muss man gucken, wo man bleibt."

Nach Remscheid kam er vor acht Monaten. "Ich kannte das hier alles nicht, und die erste Zeit war schwer ohne die Familie", gesteht er. Durch die Hilfe des Bundesverbandes spanischer sozialer und kultureller Vereine, die ihm beim bürokratischen Ablauf halfen, fand er eine Wohnung und über eine Zeitarbeitsfirma einen Job. Etwa 900 Euro verdient er. Mit diesem Geld muss er die Familie in Spanien unterstützen und hier über die Runden kommen.

Wann immer es die Schichtarbeit zulässt, besucht er einen Sprachkursus. Ein bisschen Deutsch spricht er auch schon. "Sobald ich einen festen Job habe, möchte ich meine Familie nachholen. Ich vermisse sie, und so wie es zurzeit aussieht, haben die Kinder hier bessere Zukunftsaussichten als in Spanien."

Auch der 48-jährige Calderón-Ocete möchte seine Frau und seine zwei Töchter (14 und vier Jahre) nach Remscheid holen. Im Gegensatz zu seinem Landsmann kannte er Remscheid sogar ganz gut. Mit sechs Jahren kam er zum ersten Mal mit seinen Eltern nach Remscheid, wuchs hier auf, besuchte die Schule, machte eine Maurerausbildung. Er spricht perfekt Deutsch. Mit 35 Jahren beschloss er, mit Frau und Kind nach Mallorca zu ziehen. Zwölf Jahre lang ging es gut, dann drängte ihn die Arbeitslosigkeit vor einem Jahr zurück.

Zurzeit arbeitet er über eine Zeitarbeitsfirma als Fliesenleger. "Heute bereue ich es, damals nach Spanien zurückgegangen zu sein. Hier hatte ich einen festen Job und jede Menge Sicherheit. Jetzt müssen wir wieder von vorn anfangen."

(RP/ila)
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