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Remscheid
Sparkasse: Kein Geld fürs Rathaus

Remscheid: Sparkasse: Kein Geld fürs Rathaus
Graue Wolken über dem Rathaus - die Stadtsparkasse wird der Stadtkasse in diesem Jahr keinen Scheck überweisen. Die beiden Vorstände, Frank Denke (links) und Michael Wellershaus nannten gestern die Gründe und verwiesen dabei auf die schwierigen Rahmenbedingungen des Bankgeschäfts. Gleichwohl will die Sparkasse im Jubiläumsjahr zum Wohle der Bürger spendenfreudig bleiben. FOTO: Jürgen Moll
Remscheid. In diesem Jahr fließt kein Millionenbetrag der Sparkasse ins Stadtsäckel. Der Vorstand der Stadttochter begründet das mit der schwierigen Finanzlage. Von Bernd Bussang

"Zufriedenstellend" - so bewerteten die beiden Stadtsparkassen-Vorstände Frank Dehnke und Michael Wellershaus gestern das Jahresergebnis 2015. Auch wenn eine Bilanz mit exakt geprüften und ausgewiesenen Zahlen nicht vor Juni vorliegt, ist klar: In diesem Jahr wird es keinen Zuschuss der Stadttochter Sparkasse für den Remscheider Haushalt geben.

Stadtkämmerer Sven Wiertz hatte das in der Ratssitzung am Donnerstag bekannt gegeben, dass die ursprünglich im Haushalt eingeplanten 1,01 Millionen Euro der Stadtsparkasse in diesem und womöglich auch in den kommenden Jahren nicht fließen werden. Auch ohne diesen Betrag hatte Wiertz für 2016 für den Stadthaushalt ein Plus von insgesamt 1,3 Millionen Euro in Aussicht gestellt.

Sparkassen-Chef Frank Dehnke begründete gestern bei einer Bilanzpressekonferenz den Schritt des Sparkassenvorstands so: Die Niedrigzinsphase und die zunehmende Regulierung durch die Bankenaufsicht hätten mitunter "dramatische Folgen" für das Bankgeschäft. Laut Aufsichtsbehörden sei es "existenzbedrohend" für manche Bank. Nach einer deutschlandweiten Befragung von Geldinstituten und der Erhebung eigener Zahlen komme die Bundesbank zu dem Ergebnis, dass in den kommenden Jahren zwischen 20 und 60 Prozent der Erträge verloren gehen könnten, beschreibt Dehnke den Hintergrund. "So groß waren die Herausforderungen für die Sparkassen noch nie", sagt der Sparkassen-Chef mit Blick auf sinkende Zinserträge, aber auch auf die erhöhte Eigenkapitalbildung der Sparkasse. Er spricht von einem "Regulatorikwahn" insbesondere durch die europäische Bankenaufsicht in Brüssel und in London. So habe die Sparkasse inzwischen Mitarbeiter eingestellt, die nur für die Erfordernisse der Bankenaufsicht und die Fortbildung tätig seien. Hinzu kämen Investitionen in die Digitalisierung des Geldverkehrs. "Aus Verantwortung gegenüber der Stadtsparkasse und ihren Mitarbeitern müssen wir unsere Jahreserträge behalten." Das Vorgehen sei mit dem Verwaltungsvorstand abgestimmt, dem neben dem Oberbürgermeister als Vorsitzendem neun weitere Ratsmitglieder angehören. Wie hoch die Jahreserträge sein werden, konnte der Vorstand gestern nicht sagen und verwies auf die endgültige Bilanzvorlage im Juni.

Die Überweisung eines Betrags für die Stadtkasse sei im übrigen kein "Dauerauftrag", stellte Dehnke klar, sondern werde nach Kassenlage gewährt. 2014 hatte es einen Scheck gegeben, ebenso "vier oder fünf" Jahre zuvor.

Trotz schwieriger Rahmenbedingungen konnte die Sparkasse im Jahr ihres 175-jährigen Bestehens zulegen. Das äußert sich etwa im Kreditgeschäft bei einer Umsatzsteigerung insgesamt gegenüber 2014 um 43 Millionen Euro auf 982 Millionen Euro. Dabei stieg allein das Baufinanzierungsgeschäft von 68 auf 75 Millionen Euro. Die Kundeneinlagen erhöhten sich um acht Millionen Euro auf insgesamt 1,31 Milliarden Euro. 2300 neue Kontokunden wurden gewonnen, darunter 200 Flüchtlinge.

Quelle: RP
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