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Schwimmen
Ein Traum geht in Erfüllung

Berauschender Auftakt der Paralympics
Berauschender Auftakt der Paralympics FOTO: dapd, Matt Dunham
Remscheid. Der Remscheider Schwimmer Hannes Schürmann hat seine Teilnahme an den Paralympics in Rio de Janeiro genossen. Von Henning Schlüter

Sein eindrucksvollstes Erlebnis? Da muss Hannes Schürmann nicht lange überlegen. "Das war die Eröffnungsfeier. Mit der deutschen Mannschaft ins Maracana-Stadion einzuziehen - das war super." Wie der Schwimmer mit Handicap das sagt und wie seine Augen dabei leuchten, unterstreicht, wie sehr der Remscheider, der für die SG Bayer startet, seine Teilnahme an den Paralympics in Rio de Janeiro genossen hat.

So entspannt und locker wie selten wirkt der 18-Jährige beim Pressegespräch mit der BM. Die langen Monate der Anspannung während der Qualifikationsphase, in die auch noch der Schulabschluss fiel, sind wie weggefegt. Und auch der abrupte Wechsel vom Olympia-Traum zum Arbeitsalltag hat ihm nicht die gute Laune verhagelt: Am vergangenen Dienstagnachmittag landete die Maschine mit dem deutschen Paralympics-Team, am Mittwochmorgen musste Schürmann wieder an seinem Ausbildungsplatz in Leverkusen antreten. "Einen Tag mehr frei wäre schön gewesen, aber so ging es auch", sagt der angehende Kaufmann für Büromanagement.

Die bunte Abschlussfeier von Rio FOTO: dpa, nie

Mit seinem sportlichen Abschneiden in Rio ist Schürmann zufrieden. "Für meine erste Olympia-Teilnahme war das in Ordnung", sagt er nach insgesamt sechs Starts. Klar: Die Disqualifikation über 200m Lagen kann er "immer noch nicht nachvollziehen" und räumt ein, danach "ziemlich sauer" gewesen zu sein. Aber mit dem Ergebnis über seine Leib-und-Magen-Strecke, den 400m Freistil ("da wollte ich mich auf keinen Fall blamieren"), und auch mit den abschließenden 100m Freistil und neuer Bestzeit kann er sehr gut leben.

Dass es in Rio nicht zu einer Finalteilnahme reichte, das hatte der Remscheider einkalkuliert. Er war ja ohnehin vor allem dabei, um Erfahrung zu sammeln, weil auch Bundestrainerin Ute Schinkitz für die Zukunft große Stücke auf ihn hält. Von der These, dass er Versäumtes in vier Jahren in Tokio bei den nächsten Paralympics nachholen kann, hält Schürmann aktuell aber wenig: "Ich setze mich nicht mehr unter Druck. Ich will den Sport in Zukunft ganz entspannt angehen. Ich habe nach wie vor Ambitionen, aber kein klares Ziel, das Tokio 2020 heißt. Ich lasse die Sachen jetzt erst mal auf mich zukommen."

Gesichter und Geschichten der Paralympics FOTO: afp, chs

Das gilt auch für die anstehenden Wettbewerbe. Im November geht es zur Deutschen Kurzbahn-Meisterschaft, im nächsten Jahr steht die Weltmeisterschaft in Mexiko auf dem Programm. Aber Stress will sich Schürmann damit nicht machen. Da schwingt auch ein wenig brasilianischer Leichtigkeit mit . . .

Dabei hat Schürmann abseits des Olympischen Dorfes und der Schwimmhalle gar nicht so viel von Land und Leuten mitbekommen. An einem Tag reichte es wenigstens dazu, mit Teamkollegen zur Christus-Statue zu fahren. Weil das aber so viel Zeit in Anspruch nahm, fiel der am selben Tag geplante Ausflug zur Copacabana aus. Strand und Meer verpasst - für einen Schwimmer doppelt traurig.

Ansonsten fühlte sich Schürmann in Rio aber wohl. Das Zimmer, das er sich im Olympischen Dorf mit Teamkollege Tobias Pollap teilte, war "in Ordnung", wenngleich die Hygienestandards nicht immer den europäischen Ansprüchen genügten. Im Dorf selber gab es alles, was das Herz begehrte. Auch ein 24 Stunden geöffnetes Restaurant. "Das war super", sagt Schürmann und grinst. Er gilt als Gourmet und machte - natürlich nach seinen Wettkämpfen - von den lukullischen Möglichkeiten rege Gebrauch.

Ansonsten spielte sich sein olympisches Leben neben Wettkampf- und Trainingsbecken vor allem auf der Tribüne des "Olympic Aquatics Stadium" ab. "Anwesenheit bei den Finalläufen der anderen deutschen Schwimmer war Pflicht", sagt Schürmann. Da blieb nicht viel Zeit. Auch nicht, um sich andere Sportarten anzusehen oder Athleten aus anderen Ländern kennenzulernen.

Trotzdem ist Schürmann begeistert von dem Erlebten. Entsprechend geht sein Dank an Heimtrainerin Marion Haas-Faller, die ihn seit Jahren betreut. "Sie hat alle Höhen und Tiefen mit mir erlebt und immer zu mir gehalten", sagt Schürmann, "dafür kann ich mich nur bedanken."

Quelle: RP
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