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Leichtathletik
Kirchner siegt im Halbmarathon, Drama um Schmidt im Ultra

Leichtathletik: Kirchner siegt im Halbmarathon, Drama um Schmidt im Ultra
FOTO: Moll Jürgen
Remscheid. Röntgenassistentin gewinnt mit Streckenrekord beim Röntgenlauf, Zabel im Marathon vor Bader. Rabe und Jeck müssen passen. Kaschura beim Ultra Erster.

Halbmarathon. Thorben Kirchner lächelte verschmitzt und befand dann, seine Strategie sei "eigentlich Harakiri" gewesen. "Ich bin allen früh davongelaufen und hab gehofft, dass es reicht." Ja, es hat gereicht: Der Ex-Remscheider, der jetzt für den TV Refrath startet, hielt sein strammes Tempo durch und wurde in neuer persönlicher Bestzeit von 1.14:12 Stunden Sieger und damit Nachfolger von Dauergewinner Daniel Schmidt. "Wenn schon mal die Chance da ist, das Ding zu gewinnen, dann muss man sie auch nutzen", fand Kirchner - und lächelte wieder verschmitzt. Platz zwei ging an Sebastian Risko (Mönchengladbach; 1.18:31), Dritter wurde Dennis Mehlfeld aus Lübeck, der eigentlich in Abwesenheit von Schmidt mit dem Sieg geliebäugelt hatte, aber in 1.18:45 Stunden einer gerade erst überstandenen Grippe Tribut zollen musste.

Bei den Damen kam alles anders als geplant. Melanie Jeck (TuRa Remscheid-Süd) musste erkältungsbedingt und schweren Herzens auf einen Start verzichten, wurde aber würdig vertreten: Die Siegerin Nicole Kruhme (Rennsteiglaufverein; Thüringen), passenderweise auch noch Röntgenassistentin im Hauptberuf, gewann in 1.27:16 Stunden - und stellte damit einen neuen Streckenrekord auf. Platz zwei ging an Alexandra Krämer von TuRa-Süd, die von Jeck die Startnummer geerbt hatte und in 1.33:11 Stunden ins Ziel kam. Platz drei ging überraschend an die junge Alfaro Solano Camila von der Remscheider Sophie-Scholl-Gesamtschule, die in 1.33:49 die Mitfavoritin Katharina Aßbeck (TriForce-Vital Remscheid; 1.35:51) auf Platz vier verwies.

61,5 Kilometer geführt, den alten Streckenrekord unterboten und doch "nur" Zweiter: Daniel Schmidt war nach der Zielankunft fix und fertig. FOTO: Moll Jürgen

Marathon. Als Dr. Philipp Zabel aus Biebelried durch das Ziel im Freibad Eschbachtal lief, war er nicht der Erste. Knapp fünf Minuten vor ihm hatten bereits der zweite Läufer der Ultra-Staffel der LG Wuppertal sowie die Ultra-Solisten Daniel Schmidt und Jan Kaschura den Zielbogen durchquert. Zabel, der mit 2.54:19 Stunden als einziger unter der Drei-Stunden-Marke blieb, musste dann einige Zeit warten, bis er wusste, wen er alles hinter sich gelassen hatte. Knapp 15 Minuten später war es schließlich Arnd Bader, der unter dem Jubel der Zuschauer einlief. Der Remscheider belegte in 3.09:25 Stunden Platz zwei und wurde damit auch Stadtmeister. "Ich bin zufrieden. Mit 50 noch aufs Treppchen zu laufen, das hat was", strahlte der "Altmeister". Bis Kilometer 33 hatte er zusammen mit Michael Schmitz (Remscheid) und Heiko Mann (Rade) das Verfolger-Trio des schnellen Arztes gebildet. "Dann habe ich mich abgesetzt", schilderte Bader. In Geduld üben mussten sich die Zuschauer, bis Silke Kaliner (Köln) nach 3.44:30 Stunden das Freibad erreichte. "Ich hätte nicht gedacht, dass ich gewinne", meinte die Kölnerin, die mit der Topographie der Strecke keine Probleme hatte. "Sie ist ein wenig wellig, aber schön", meinte Kaliner.

Erfolgreiches Trio: Nicole Kruhme gewann bei den Damen den Halbmarathon in neuem Streckenrekord, Thorben Kirchner (Mitte) lag auf derselben Strecke bei den Männern vorne, Arnd Bader wurde im Marathon Zweiter. FOTO: Moll Jürgen

Ultramarathon. Ein echtes Drama spielte sich auf der längsten Strecke des Röntgenlaufs ab. Daniel Schmidt, Lokalmatador von TuRa Remscheid-Süd und Debütant auf dieser Distanz, führte das Feld 61,5 Kilometer an, also bis kaum zwei Kilometer vor dem Zielbogen, und lag auch noch auf Streckenrekordzeit. Aber dann nutzte Jan Kaschura aus Holzminden eine Schwächeperiode von Schmidt gnadenlos aus, zog vorbei, gewann und löschte in 4.20:33 den Uralt-Streckenrekord von Sascha Velten (4.23:07) aus dem Jahr 2007. Schmidt kam unter dem Beifall der vielen Zuschauer körperlich aber auch mental völlig platt nach 4.22:30 ins Ziel. Auch das wäre ein neuer Streckenrekord gewesen. Während Kaschura jubelte und sich über die "Hammer-Zeit" freute, schien in Schmidt eine Welt zusammenzubrechen. Er gratulierte noch fair ("Jan hat verdient gewonnen"), ließ sich sogar noch zu einem "nächstes Jahr laufe ich lieber wieder den Halbmarathon" hinreißen, wurde dann aber immer blasser und drohte zu kollabieren. Im DRK-Zelt fand er schließlich Ruhe und wurde mit einer Infusion versorgt. Nach knapp zwei Stunden konnte er das Zelt wieder verlassen.

Bei den Damen gewann in Abwesenheit der verletzten Inge Rabe (TuRa Remscheid-Süd; "Ich hab' heute schon ein paar Tränen verdrückt") die Wuppertalerin Birte Bannert. Auch sie war ein Ultra-Neuling in Remscheid und hatte sich "eigentlich eine Zeit von 6.20 Stunden vorgenommen". Tatsächlich lief es für sie aber so gut, dass am Ende 5.56 Stunden für sie notiert wurden. Ihr trockener Kommentar: "Damit kann ich leben."

Quelle: RP
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