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Handball
Krajniks Frühling und Wittenbergs Hammer

Remscheid. Handball-Verbandsliga: HG Remscheid und Mettmann-Sport trennen sich nach einem Krimi mit einem gerechten 25:25. Von Henning Schlüter

Anwurf, hochsteigen, abfackeln, jubeln. Dafür reichten die verbliebenen vier Sekunden Tim Wittenberg noch: Aus gut 15 Metern Entfernung (!) hämmerte der bullige Rückraumspieler von Mettmann-Sport am späten Dienstagabend im Nachholspiel der Handball-Verbandsliga den Ball zum 25:25 (10:13)-Endstand ins Tor der HG Remscheid. Das war der fulminanten Schlussstrich unter ein Spitzenspiel, das sicher nicht von überbordender Qualität, wohl aber von einer Überdosis Dramatik geprägt war.

Mit abendlichen Krimis kennen sich die Remscheider aus. Schon oft lieferte sich die HGR aufreibende Handball-Schlachten in Neuenkamp. "Wir sollten vielleicht mal überlegen, einen Gefahrenzuschlag zu erheben", stöhnte Manager Ralf Hesse nach dem an Gesundheitsschädigung grenzenden Herzschlagfinale, das auch ihn sichtlich gezeichnet hatte. Ebenso die Mannschaft. Die hatte scheinbar im Geiste den 25:24-Treffer von Linksaußen Philipp Baier acht Sekunden vor Schluss schon als Siegtor abgehakt. Umso härter traf sie der Wittenberg-Hammer, in dessen Folge einige HGR-Akteure geradezu verzweifelt zu Boden sanken und andere sich ebenso wie ihr Anhang ungläubig zwickten - in der irrigen Hoffnung, der schräge Schlussakkord sei nur ein böser Traum gewesen.

"Unfassbar. Sowas erlebst Du am eigenen Leib vielleicht nur einmal im Leben", rang Spielertrainer Lukas Steinhoff nach Worten. Denn seine körperlich unterlegene, vom Verletzungspech gebeutelte und zudem auf einigen Positionen ziemlich indisponierte Mannschaft sah mehrfach während der 60 Minuten wie der Verlierer aus. Zu unüberwindbar schien Mettmanns hünenhafte Deckung mit den beiden Torhütern Piecuch und Bily dahinter, zu unkontrollierbar das Kreisläufer-Kraftpaket Schirweit, zu breit die Palette der Möglichkeiten der Gäste.

Doch die HGR zeigte wieder Moral, die irgendwie unerschöpflich scheint. Im selben Maß, wie Mettmann im Angriff nach der 14:10-Führung unmittelbar nach der Pause im Angriff zunehmend einfallsloser agierte, bissen sich die Remscheider ins Spiel. Federführend dabei: Jacek Krajnik. Anfangs noch Bankdrücker, kam der 37-jährige Routinier aufs Feld, als im Rückraum vor allem André Niese (torlos in den ersten 30 Minuten), aber auch Joscha Saalmann (der früh mit einer Verletzung am linken Knie ausschied) nichts Produktives gelingen wollte.

Krajniks x-ter Frühling riss seine Mitspieler aber mit. Er schuf Räume, sorgte für Zeitstrafen des Gegners, räumte in der Abwehr ordentlich ab und traf vorne per Gegenstoß oder aus dem Rückraum. "War ganz okay", grinste der Robert-Lewandowski-Fan hinterher, in dessen Windschatten im zweiten Durchgang auch andere Leistungsträger auftauten. Niese traf plötzlich doch noch, auch Luca Lewandowski und Dominik Voß, beide vor dem Seitenwechsel ohne Treffer, forderten Mettmanner Aufmerksamkeit.

Und so mündete das Duell nach dem 10:14 in einen packenden Fight. Die HGR - mit dem wieder starken Keeper Christopher Seher (15 Paraden, davon ein Siebenmeter) - kam heran (14:14; 34.), führte nach 44 Minuten (20:18), lag dann wieder hinten (22:23; 51.) und jubelte in den Schlusssekunden innerlich schon. Doch dann kam eben der Auftritt von Wittenberg, den weder die Remscheider Deckung, noch Torhüter Seher stoppen konnten.

Am Samstag ( 18.30 Uhr, Dellmannsweg 14) geht es für die HGR zum Spitzenreiter SG Überruhr. Eine harte Nuss angesichts des Kräfteverschleißes und der angeschlagenen Spieler, zu denen auch Lukas Pütz zählt, der sich am vergangenen Wochenende beim Aufwärmen vor dem Spiel der zweiten Mannschaft verletzte und der deswegen auf sein Comeback nach dem überstandenen Kreuzbandriss noch warten muss.

HGR-Tore: Niese (5), Krajnik (4), Lewandowski, Baier (je 3), Saalmann (3/1), Elbracht, Voß (je 2), Völker (1).

Quelle: RP
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