| 00.00 Uhr

Leichtathletik
Trainieren ist die beste Medizin

Leichtathletik: Trainieren ist die beste Medizin
Aufmerksame Zuhörer und vier versierte Referenten gab's beim Röntgenlauf-Symposium in der Klosterkirche. FOTO: Hertgen
Remscheid. Beim Röntgenlauf-Symposium ging es um das Thema Leistungssteigerung. Von Christian Peiseler

Die Nebenwirkungen beim Zuhören der Vorträge von sachkundigen Sportärzten während des Röntgenlauf-Symposiums in der voll besetzten Klosterkirche ähnelten der Lektüre eines Beipackzettels für Medikamente. Es begann das große Grübeln und Zögern. Dabei scheinen viele Freizeitläufer ansonsten gar nicht zögerlich zu sein, ein Schmerzmittel beim Training oder im Wettkampf einzunehmen, wie der gebürtige Remscheider Dr. Bastian Grande (Universitätsspital Zürich) ausführte - einer von vier versierten Referenten zum Thema "Leistungssteigerung im Ausdauersport".

Von den knapp 4000 befragten Läufern beim Bonn-Marathon 2008 gab jeder zweite an, ein Mittel genommen zu haben. Doch Schmerzmittel wie Diclofenak, Ibuprofen oder Aspirin, die überall frei erhältlich sind, wirken entgegen der bisweilen vorherrschenden Meinung keineswegs vorbeugend bei Schmerzen. Sie helfen überhaupt nicht. Im Gegenteil: Medikamente im Freizeitsport können zu Schäden an Herz und Nieren führen, wie Prof. Dr. Herbert Löllgen erläuterte. Nur in einem Fall sei ein Schmerzmittel erlaubt: Am Tag nach dem Marathon, damit die Schmerzen nicht zu stark sind.

"Kein Mittel ist so wirksam wie das Training", sagte Dr. Volker Peinke. Er empfahl allen Sportler, sich von dem Glauben zu verabschieden, mit geheimen Mittelchen könne man Training vermeiden. Beim Marathon gehe es doch hauptsächlich darum, mit Anstand und gesund anzukommen. Wenig wirksam ist nach Ansicht von Peinke auch die dauerbeworbene Flut von Nahrungsergänzungsmitteln. Die Meisten seien überflüssig, manche sogar schädlich. "Eine normale Ernährung deckt alles ab, was der Körper braucht", sagte Peinke. Und statt eines isotonischen Getränks sei die selbstgemixte Apfelsaftschorle nach dem Lauf das Beste. Allerdings ist die Läuferszene voll in der Hand der Werbebranche. 90 Prozent nehmen Nahrungsergänzungsmittel.

Wenn Dr. Stephan Biesenbach (Remscheid) Marathonläufer beobachtet, die mit hängenden Schultern und plumpen Schrittes die 41,195 Kilometer absolvieren, sieht er große Potenziale für Verletzungen an Muskeln und Sehnen. Seine Empfehlung: die Qualität des Laufens durch einen besseren Laufstil zu verbessern. "Der Mensch ist zum Laufen geboren, nicht fürs Gehen und Sitzen", sagte Biesenbach. Ein aufrechter Laufstil sei effizient und elegant. Dafür brauchen die Läufer aber eine bessere Muskulatur.

Biesenbachs Vortrag hatte die stärksten Nachwirkungen, weil er die natürlichen Grenzen der Freizeitsportler aufzeigte und damit gegen den von der Werbung befeuerten Selbstoptimierungswahn Stellung bezog. Das Magnesium-Tütchen, das ein Sponsor an die Gäste zum Schluss verteilte, verschwand auch gleich im Mülleimer.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Leichtathletik: Trainieren ist die beste Medizin


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.