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Leichtathletik
Zwei Premieren, Joey Kelly und Vorfreude auf ein leckeres Essen

Leichtathletik: Zwei Premieren, Joey Kelly und Vorfreude auf ein leckeres Essen
Debütanten: BM-Mitarbeiterin Lisa Meyer nahm den Halbmarathon in Angriff, Marcus Franken stand die Tortur des Ultra-Marathons durch. FOTO: Moll Jürgen
Remscheid. BM-Mitarbeiterin Lisa Meyer macht den Lauf-Selbstversuch im Halbmarathon, der ehemalige Rollhockey-Nationalspieler Marcus Franken besteht den Ultra.

Lisa Meyer ist eine erfolgreiche Leichtathletin, war früher eine feste Größe bei der LG Remscheid. Doch beim Röntgenlauf feierte sie gestern ihre Premiere beim Halbmarathon. Wie es ihr erging - lesen Sie selbst:

"Ich glaube, es war Joey Kelly, der gesagt hat: ,Mit Ausdauer, Wille und Leidenschaft kann jeder Berge versetzen.' Ich bin mir ziemlich sicher, dass das Zitat aus der Zeit vor Kellys Teilnahme am Röntgenlauf im letzten Jahr stammt. Mein erster Halbmarathon: Ich hatte mich morgens dann doch für die pinken Strümpfe entschieden, vielleicht auch in dem Aberglauben, dass sie Berge versetzen würden. Es sind noch vier Minuten bis zum Start und ich muss zum fünften Mal auf die Toilette. Jetzt ist es zu spät. 3,2,1 - Startschuss. Die Läufermasse setzt sich in Bewegung.

FOTO: Moll Jürgen

Die Sonne scheint und lässt das bunte Laub unter den Füßen leuchten. In der Lenneper Altstadt flattern Röntgenlauf-T-Shirts vergangener Jahre an einer Wäscheleine im Wind. Es könnte fast schon idyllisch sein, wenn ich nicht wüsste, dass ich gerade einmal ein Viertel der Strecke hinter mir habe. "Los, gib Gas!" Meine Familie nimmt mir wenigstens für einen Kilometer den Gedanken daran, einfach aufzuhören und mich im H2O in die Sauna zu legen.

Neben mir läuft ein Mann mit einem blauen, kleinen Rucksack auf dem Rücken. Ein Trinkhalm führt von dort direkt zu seinem Mund. Ich überlege kurz, ob ich ihm den Halm aus der Hand reißen und mir einen Schluck genehmigen soll. Mein Hals ist trocken und ich habe das Gefühl, dass ich seit einer halben Stunde nichts anderes als Kuhweiden gesehen habe. Wer braucht eigentlich so viele Kühe?

Das sind die Bilder vom Röntgenlauf 2016 FOTO: Moll, J�rgen

Mein Kopf ist voller Gedanken, die keinen rechten Sinn ergeben wollen. Endlos zieht sich der Berg bis zum Wasserturm in Lüttringhausen. Mein Atem klingt wie der meines ehemaligen, kettenrauchenden Geschichtslehrers. Ich werde überholt und spüre mitleidige Blicke. Endlich oben angekommen, folgt die nächste Ernüchterung: das kleine blaue Zehn-Kilometer-Schild. Ich habe noch nicht einmal die Hälfte der Strecke geschafft und fühle mich schon jetzt wie Joey Kelly nach seinem 900-Kilometer-Deutschlandlauf. Kraftlos.

Vom Bahnhof in Lüttringhausen geht es zum Glück erst einmal bergab. Bis zur Halbach fühle ich mich gut, fast macht es sogar Spaß. Dann geht es um die schmale Kurve an meinem früheren Kindergarten vorbei. Ich quäle mich jetzt Schritt für Schritt vorwärts. Der Verpflegungsstand in 200 Metern ist die einzige Motivation, die mich in diesem Moment noch antreibt. "Ist nicht mehr weit", höre ich die Passanten hinter dem Absperrband rufen. Der kalte Tee wirkt Wunder und ich schaffe es noch einmal, letzte Kraftreserven zu mobilisieren. Die Illusion, dass mein Wille Berge versetzen kann, nimmt mir dann jedoch der kleine Trampelpfad hoch zum Langenhaus. Ich kann nicht mehr laufen, nur noch gehen. "Huhu, ein Sekt vielleicht?" Alleine das Angebot reicht, dass sich mein Magen dreht.

Bunt und sportlich zog sich der Lindwurm der Läufer auf den langen Distanzen gestern Morgen durch die Lenneper Altstadt. FOTO: Moll Jürgen

Ich versuche, langsam weiterzulaufen. Nur noch drei Kilometer bis zum Ziel. Das Zillertal zieht sich wie eine Ziehharmonika. Als ich endlich die Jubelrufe und Trommeln vom Clemenshammer höre, habe ich das Gefühl, dass meine Beine wie von selbst laufen. Der kleine Chip am Schuh piept als ich die Zielmatte überquere und mein Körper sackt in sich zusammen. Ich habe zwar keine Berge versetzt, aber immerhin haben meine Beine gespürt, warum Remscheid bei vielen Läufern gefürchtet ist . . ."

Anmerkung der Redaktion: Lisa Meyer wurde in 1.47:30 Stunden 17. der Damen-Gesamtwertung und 8. der Altersklasse W 20.

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Nicht minder glücklich war ein weiterer "Debütant": Marcus Franken, ehemaliger Rollhockey-Nationalspieler der IGR Remscheid, absolvierte erstmals den Ultra-Lauf über 63,3 Kilometer. Nach "anstrengenden 6.49 Stunden" kam er ins Ziel, auch wenn er sein Ziel (6.30) knapp verfehlte. "Irgendwie lief es bei mir nicht so richtig, aber wenigstens bin ich von Krämpfen verschont geblieben", sagte der 45-Jährige, der 300 Meter vor dem Ziel das Gefühl hatte, dass die Wade zumacht. "Aber bis ins Ziel hat es dann noch gereicht", sagte Franken, der "dieses Erlebnis nicht missen" mochte und sich hinterher vor allem "auf ein leckeres Essen" freute.

Quelle: RP
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