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Remscheid
Spritze ohne Krankenschein

Remscheid. Das im Oktober gestartete Hilfsprojekt "Praxis ohne Grenzen" für Menschen ohne Krankenversicherung wird gut angenommen. Schwieriger wird die Lage, wenn die Patienten ins Krankenhaus müssen. Von Henning Röser

Zur Geburt des Kindes ins Krankenhaus gehen - für werdende Mütter ist das heute eine Selbstverständlichkeit. Doch nicht allen Frauen in Remscheid steht dieser Weg offen. Ärztin Bettina Stiel-Reifenrath, Koordinatorin des im Oktober in Räumen der Remscheider Tafel gestarteten Hilfsprojektes "Praxis ohne Grenzen" berichtete jetzt im Sozialausschuss von vier schwangeren Frauen, bei denen nicht geklärt sei, wie der Krankenhausaufenthalt finanziert werden soll. Das Problem: Sie haben keine Krankenversicherung.

Anders als beim Projekt-Vorbild in Solingen existiere bislang keine feste Absprache mit dem Remscheider Sana-Klinikum über stationäre Hilfeleistungen. Sozialdezernent Thomas Neuhaus versprach Hilfe. Derzeit organisiere man ein Treffen mit der Geschäftsführung, sagte er gestern der BM. Generell werde es immer dann "schwierig", wenn die Patienten ohne Krankenversicherung, die von den niedergelassenen Ärzten unentgeltlich behandelt werden, stationär aufgenommen werden müssen, berichtete Bettina Stiel-Reifenrath. Die Lage sei für privat geführte Kliniken nicht leicht, sie stünden unter Kostendruck. Die vergangenen Monate haben den Initiatoren gezeigt, dass der Bedarf für dieses Hilfsangebot in Remscheid da sei, berichtet die Ärztin. Über Mundpropaganda verbreite sich die Kunde von den kostenlosen Sprechstunden, die immer mittwochs am Nachmittag in Lennep stattfinden.

Besucht werden sie von ganz unterschiedlichen Menschen. So berichtete die Ärztin aus Lennep von einem Selbstständigen, der die Kosten für seine Krankenversicherung nicht mehr zahlen kann. Der Mann hat Diabetes, traut sich aber aus Scham nicht in die Sprechstunde. Stattdessen kommt die Mutter und fühlt vor.

Finanziert werden die laufenden Kosten für das Projekt, an dem auch zahlreiche Fachärzte ehrenamtlich teilnehmen, aus Mitteln der Lerose-Stiftung und aus Spenden. Geld wird etwa für teure Medikamente gebraucht. Mit dem Medi-Mobil, das sich in Remscheid an sozialen Brennpunkten um eine ähnliche Zielgruppe kümmert, arbeitet man gut zusammen. "Das Miteinander in Remscheid ist super", freut sich Dr. Frank Neveling, der Chef des Remscheider Gesundheitsamtes, über das gut funktionierende Netzwerk der Hilfe.

Spendenkonto Remscheider Tafel e.V. Stadtsparkasse Remscheid Konto-Nr. 2246, BLZ: 340 500 00, Verwendungszweck: "Praxis ohne Grenzen", IBAN: DE65 3405 0000 0000 0022 46, BIC: WELADEDRXXX.

Quelle: RP
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