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Remscheid
Staatsanwältin macht kurzen Prozess

Remscheid: Staatsanwältin macht kurzen Prozess
Amtsgerichtsdirektor Paul-Dieter Dudda (l.) und Minister Peter Biesenbach (r.) begrüßen Inga Saltenbrock als neue Staatsanwältin. FOTO: jumo
Remscheid. Inga Saltenbrock übernimmt die Position der "Staatsanwältin vor Ort". Das erfolgreiche Remscheider Modell wird fortgesetzt. Jugendliche sollen erleben, dass die Strafe unmittelbar nach der Tat erfolgt. Von Christian Peiseler

Seit Beginn des Monats arbeitet Inga Saltenbrock (43) zwei bis drei Tage in der Woche in Remscheid als Staatsanwältin vor Ort. Gestern übergab ihr Amtsgerichtsdirektor Paul-Dieter Dudda im Beisein von Justiz-Minister Peter Biesenbach (CDU) die Schlüssel des Hauses. Damit geht das Remscheider Modell weiter, das vor elf Jahren gegründet wurde und nach Einschätzung der Experten sehr erfolgreich unter Saltenbrocks Vorgänger, Jugendstaatsanwalt Bernd Hogrebe, verlief. Das Arbeitsprinzip dieser Stelle lautet: Strafe folgt direkt auf den Fuß. Jugendliche Straftäter erwartet ein kurzer Prozess.

Das von der damaligen Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter als Modell gestartete Projekt verfolgt die Idee, dass zwischen Tat und Gerichtsverhandlung möglichst wenig Zeit vergehen soll, um einerseits bei den jungen Tätern eine abschreckende erzieherische Wirkung erzielen zu können, und andererseits mögliche Folgetaten schon im Keim zu ersticken. Je früher die jungen Täter Konsequenzen spüren, desto wahrscheinlicher ist eine Rückkehr in die richtige Spur. Die Übernachtungen in der Jugendarrestanstalt machten nicht nur bei den Delinquenten meist nachhaltingen Eindruck. Sie hätte auch starke Wirkung in die Jugendszene hinein, sagte Dudda, zumal im Gefängnis Rauchverbot herrsche, was von vielen schon als Höchststrafe empfunden werde.

Nach Auskunft von Minister Biesenbach werden 90 Prozent der Jugendlichen, die einmal vor Gericht erschienen sind, nicht mehr rückfällig. Wie effektiv Staatsanwalt und Richter zusammenarbeiten, zeigen zwei Beispiele aus der Vergangenheit. Bei einer Fan-Party während der Fußballweltmeisterschaft blockierten Jugendliche nach einem Spiel die Kreuzung Eisernstein. Die Polizei erstattete Anzeige. Am nächsten Tag standen die Beklagten vor dem Richter. Der sprach eine Verwarnung aus. Danach gab es keine Zwischenfälle mehr. Ähnlich erfolgreich reagierte Hogrebe damals bei der Androhung eines Amoklaufes in den Schulen. Ein 16-Jähriger drohte, mit einer Panzerfaust in der Schule zu erscheinen und gegen alle zu kämpfen. Die Schulleitung informierte die Polizei. Am nächsten Tag erhob Hogrebe Anklage wegen Beleidigung, Verstoß gegen das Waffengesetz und Störung öffentlichen Friedens. Der Junge bekam einen zehntägigen Arrest aufgebrummt. Bei den Jugendlichen hatte sich danach schnell herumgesprochen, dass es kein Scherz sei, mit einem Amoklauf zu drohen. Elf Jahre Staatsanwalt vor Ort: Eine gefährliche Jugendszene gibt es in Remscheid nicht. Intensivtäter: Fehlanzeige.

Das soll auch unter Inga Saltenbrock so bleiben. "Wir haben ein Auge auf die Täter", sagte Inga Saltenbrock, deren Vater der langjährige Amtsgerichts-Direktors Rolf Söhnchen ist. Söhnchen gehörte zu den Initiatoren, die in Remscheid eine Ordnungspartnerschaft ins Leben riefen. Polizei, Staatsanwalt und Richterschaft arbeiten zügig zusammen, aber es besteht auch ein enger Kontakt mit Schulen und Jugendeinrichtungen. "Wir freuen uns, dass diese Partnerschaft weitergeht", sagte Sozialdezernent Thomas Neuhaus gestern. Minister Peter Biesenbach will das Remscheider Modell des beschleunigten Verfahrens in Nordrhein-Westfalen ausbauen. In keiner anderen Stadt als Remscheid gibt es einen "Staatsanwalt vor Ort". Wenn es nach Biesenbach ginge, würde er das Verfahren weiter auf den Erwachsenenbereich übertragen. Dann könnten die Mitglieder von reisenden Diebesbanden direkt im Gefängnis landen und müsste sie nicht wieder laufenlassen. Oberstaatsanwalt Michael Schwarz sagte, die Wuppertaler Behörde habe mit den "beschleunigten Verfahren" begonnen und werde sie weiterführen.

Quelle: RP
 
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